Die Rollenklischees aus Hollywood sind längst überholt!

Letztens hatten meine Mitbewohnerin und ich beide Liebeskummer. Mit einer Box voller IKEA-Haferkekse bewaffnet, saßen wir auf der Couch und entschieden uns, dass dringend ein ganz romantischer Film her müsse. "Crazy Stupid Love" ist es schlussendlich geworden. Doch schon nach wenigen Minuten wurde mir klar: Das ist ein in Stereotypen ersoffener Drecksfilm.

Der Typ (der natürlich immer nur Sex haben will) bezirzt die Frau, die erst durch seine Lügen und Manipulation einwilligt und am nächsten Tag um seinen Anruf bittet (der dann nie kommt, weil der Typ ja nur Sex wollte, ist ja klar).

Dabei ist Sex ein Thema, dessen Facetten um einiges vielfältiger sind als Hollywoods heteronormatives Ideal. Jenseits vom Mainstream gibt es jedoch Medienangebote, die Sex als das, was es ist, realistischer darstellen: Ein diverses Geflecht an individuellen Vorlieben. Ein Geflecht, das nicht von einem einfachen Mann-Frau-Bild lebt, sondern von vielen verschiedenen Faktoren.

Wir haben euch die besten sechs Sex-Serien auf Netflix rausgesucht, die zeigen, wie Sex in der Realität wirklich aussieht.

1. "Easy"

Worum geht’s?

"Easy" handelt von so ziemlich allem. Die Serie erzählt in den bisher drei Staffeln in jeder Folge eine andere Liebesgeschichte. Die Geschichten hängen untereinander nicht zwingend zusammen und rangieren von Leidenschaft zu gestorbenen Flammen bis hin zu Dreiern, offenen Beziehungen und Trennungen.

Warum gucken?

Guter Sex, schlechter Sex – alles und nichts ist hier normal. Die Serie zeigt auf eine sehr sensible und natürliche Art, was es bedeutet, menschlich zu sein und wie ein Mensch zu lieben. Alles fühlt sich organisch und ungestellt an. Eine Folge besteht fast gänzlich aus einem einzigen, ungeschnittenen Gespräch zwischen einem Ehepaar, das sich in einer offenen Beziehung befindet. Man fühlt nach dieser Serie, dass viele der eigenen Ängste oder Befürchtungen völlig normal sind und dass das Leben weitergeht.

2. "Sex Education"

Worum geht’s?

In Sex Education gibt der 16-jährige Otis, der Sohn einer Sex-Therapeutin, seinen Mitschülern Ratschläge zu Sex. Dabei ist Otis selber eine Jungfrau, die eher Angst vor Sex hat als alles andere. Jede Folge thematisiert einen anderen Aspekt – zum Beispiel Drag Queens, Abtreibungen, Oralverkehr oder Erektionsstörungen.

Warum gucken?

Jeder. Einzelne. Charakter. Ist ultimativ sympatico. Obwohl die Serie in einer Highschool spielt, sind die angesprochenen Probleme für alle Altersklassen relevant. Du lernst, dass bestimmte Ängste und Unsicherheiten beim Sex ganz andere Ursachen haben können, als den Sex an sich.

3. "Chewing Gum"

Worum geht’s?

Tracy ist eine streng-religiöse Jungfrau. Mit 24 merkt sie allerdings, dass sie ihre Sexualität entdecken will. Es folgt eine verwirrende Reise von verlangender Phantasie zu zerschmetternder Realität.

Warum gucken?

"Chewing Gum" ist zwar eine überdrehte britische Komödie, hat aber das Potenzial, ein paar Gedankenanstöße zu geben. Besonders schön ist, wie das Komödienformat eine Leichtigkeit in das ewige Battle zwischen Sex und Religion bringt. Es bewirkt auch, dass man Probleme beim Entdecken der eigenen Sexualität nicht immer so schwerwiegend ernst sieht – sondern ein bisschen Spaß dabei haben kann, sie zu entdecken.

4. "You Me Her"

Worum geht’s?

Jack und Emmas Sexleben stirbt. Über verschiedene Umstände gelangen sie in eine polyromantische Beziehung, die das Sexleben spannender machen soll. Die zweite Frau ist ein Escort, für die Jack und Emma anfangen, Gefühle zu entwickeln.

Warum gucken?

Die Serie öffnet das Bild einer klassischen Beziehung und versucht zu zeigen, wie eine polyromantische Beziehung sich entwickeln kann. Eine Beziehung, und besonders das Sexleben, muss kein vorprogrammierter Kasten sein, in denen sich zwei Menschen hereinzwängen. Wie Sex und Gefühle einander bedingen, findet der Zuschauer in der Serie ebenfalls heraus.

>> Die Serie "You Me Her" ist eine Liebeserklärung an Polyamorie und ihre Probleme

5. "BONDiNG"

Worum geht’s?

Tiff ist eine Dominatrix bei Nacht, Psychologie-Studentin bei Tag. Manchmal vermischen sich die beiden Beschäftigungen aber auch. Ihr schwuler bester Freund Pete soll ihr Domina-Assistent werden.

Warum gucken?

Es geht um viel mehr als nur Tiff die Dominatrix. Es geht um Pete, der mit seiner Sexualität klarkommen muss, die Normalisierung von Fetischen, aufgebrochene Tabus und Freundschaft. Hier wird nichts hinter vorgehaltener Hand geflüstert, sondern offen ausgesprochen – und wenn geflüstert wird, dann nur um zu zeigen, wie lächerlich man sich mit seiner Heimlich-Tuerei macht.

6. "Nola Darling"

Worum geht’s?

New York, 80er-Jahre, Nola ist eine unabhängige Frau und will es auch bleiben. Sie jongliert dabei drei Beziehungen zu drei sehr verschiedenen Männern.

Warum gucken?

Eine starke, witzige, kreative Frau kann auch in mehr als nur einer Beziehung gleichzeitig ihre Liebe ausleben. Sie kann stolz darauf sein, Sex zu haben, und wird dadurch nicht gleich zu einem "Freak" oder einer "Schlampe". Mach das, worauf du Bock hast, ist die Quintessenz der Serie.

That being said: Viel Spaß beim Sex-Nachhilfeunterricht auf Netflix!

>> Mario Adrion über seine asexuellen Tendenzen: "Fast alle meine Fans glauben, dass ich schwul bin"

>> 21 LGBTQI*-Filme und -Serien, die du gesehen haben musst

Quelle: Noizz.de