Ich liebe „Star Trek“, aber Patrick Stewart möchte ich dennoch nicht zurück.

Als der Schauspieler am Wochenende mit warmen Worten verkündete, dass er in seiner Rolle des Jean-Luc Picard für eine neue „Star Trek“-Serie zurückkehren würde, ist in meiner Filterblase für ein paar Stunden alles eskaliert.

Und warum auch nicht: Für viele ist Picard DER „Star Trek“-Captain, ein Vorbild, der die Enterprise aus jeder noch so misslichen Lage manovrierte, der selbst die Assimilation durch die Borg überlebte und der wohl so manchen zum passionierten „Earl Grey“-Teetrinker gemacht hat.

Stewart selbst fasst es in seinem Post auf Instagram noch am besten zusammen: „Über die Jahre war es demütigende Erfahrung all die Geschichten zu hören, wie ‚The Next Generation‘ den Menschen Mut gemacht hat, sie in schwierigen Passagen ihres Lebens begleitet hat oder wie das Beispiel von Jean-Luc Picard sie inspirierte, in seine Fußstapfen zu treten.“

Und auch wenn ich das alles nachvollziehen und auch nachfühlen kann, denn auch für mich sind „The Next Generation“ und Jean-Luc Picard der Inbegriff von „Star Trek“, ist eine neue Serie mit dem inzwischen 78-jährigen Patrick Stewart ein Artmutszeugnis.

Und um das zu erkennen, reicht es schon, sich den Satz ins Gedächtnis zu rufen, mit dem William Shatner damals zu Beginn jeder Folge die Prämisse für die komplette Serie setzte: „To boldly go where no man has gone before!

Es ist ein Satz, den sich die „Star Trek“-Macher bei CBS vielleicht in großen Buchstaben an ihre Büro-Wände schreiben sollten.

Denn einen alten Fan-Liebling wieder hervorzukramen und mithilfe dessen Beliebtheit eine neue Cashcow heranzuzüchten, ist weder mutig noch neu. Es ist der Serie nicht würdig.

Aber wie sehr es CBS daran gelegen ist, lieber Fan-Service zu betreiben als Risiken mit „Star Trek“ einzugehen, haben wir bereits bei „Star Trek: Discovery“ gesehen. Denn anstatt die Chance zu ergreifen und eine frische Geschichte zu erzählen, bekommen Zuschauer hier lediglich das immer gleiche Klingonen-Szenario serviert.

Was ist aus „Star Trek“-Serien wie „Voyager“ geworden, in der mit Kathryn Janeway das erste Mal eine Frau das Kommando inne hatte, die ihre Protagonisten 70.000 Lichtjahre weg von der Erde in den Delta-Quadranten schleuderte und reinen Tisch mit all den etablierten Aliens, Planeten und Allianzen machte?

Bitte versteht mich nicht falsch: Ich gönne euch die Freude über die Rückkehr von Picard, schließlich ist auch für mich „Star Trek“ ohne einen Patrick Stewart als Jean-Luc Picard kaum noch vorstellbar. Doch das war es eben auch bereits schon acht Staffeln und vier Filme lang, die uns auch für immer erhalten bleiben. Ich wünsche mir für „Star Trek“ einfach mehr Fantasie, mehr Mut zu Neuem, to boldly go where no man has gone before.

Quelle: Noizz.de