Vier Schwangere kämpfen mit Push-Presents und Babymoons, um die glamouröseste Schwangerschaft.

Ich, bekennende Trash-Queen, bin immer auf der Suche nach den besten neuen Reality-Formaten. Als langwieriger GNTM-Fan, der sich durch keine Döner-Skandale beirren lässt, hangele ich mich an der „Bachelorette“, dem „Dschungelcamp“ und „Ru Pauls Drag Race“ durchs Leben. Meine letzte Entdeckung „Marie Kondo“ konnte mich aus Prinzip nicht enttäuschen, weil ich dysfunktionale Familien in Messy-Haushalten schon im Titelbild erkannte.

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Dass Netflix generell einen guten Bestand an Trash aufweisen kann, wusste ich spätestens, nachdem sie neben „Project Runway“ auch „Project Runway: Junior“ angeboten hatten. Da der Streaming-Dienst mittlerweile meine Vorliebe für überdrehte Möchtegern-Dokus über aufmerksamkeitssuchende Problemfälle erkannt hat, schob er mir letztens den Trailer zu „Yummy Mummies“ unter die Nase. Zuerst war ich skeptisch. Jetzt bin ich einfach fucking begeistert.

„Yummy Mummies“ ist der beste Trash, den Netflix zu bieten hat. Es geht bei der Serie um vier schwangere australische Socialites, die inmitten von Burberry-Stramplern, geschenkten Range-Rovern und devoteren, überreichen Ehemännern darauf warten, ihr Kind zu gebären. Es gibt bisher nur die erste von zwei Staffeln der Serie auf Netflix zu sehen. Doch das reicht schon, um sich direkt in die aufgespritzten jungen Muttis zu verlieben.

Der Grund: Hinter der Fassade der schwangeren Elite steckt viel mehr als der Wunsch nach einem Partyraum mit genügend Platz für eine menschengroße Versace-Torte aus Plastik. Das merkt man spätestens in Folge fünf, wo Maria (die bitchige Einzelgängerin) fast anfängt zu heulen, weil sie denkt, ihre Fruchtblase sei geplatzt, ohne, dass ihre Mutter bei ihr war.

Maria im Krankenhaus Foto: Promo / Netflix

Denn eigentlich sehnen sich alle der vier Frauen nur nach Nächstenliebe. Sie fragen ihre Partner nach 100.000-Dollar-Ringen und Luxus-Urlauben, weil sie sich damit Liebe vorgaukeln. Sie haten auf die Marken-fixierte Maria, weil sie kein eigenes Selbstwertgefühl haben, an dem sie sich ohne Abwärtsvergleiche orientieren können.

Und am meisten von allem wollen sie ein Baby, um zu beweisen, dass sie mehr als nur Mocktail-schlürfende Superreiche sind, die zur Freizeitbeschäftigung einen Instagram-Account pflegen.

Ob das wirklich die Schlüsse sind, die ich aus der schillernden Reality-Show ziehen soll, bezweifele ich. Doch schlussendlich sind diese Pseudo-Psychoanalysen genau das, was mich süchtig nach dieser Serie machen.

Im Angesicht dieser Beobachtungen könnte man fast davon absehen, dass die Serie in ihren Rollenbildern komplett im 20. Jahrhundert feststeckt. Aber schließlich gehört das irgendwo auch zu gutem Trash hinzu: Wut. Ganz viel Wut gegen Klischees und Dummheit. Gerade diese Aufreger-Momente machen Trash zum ehrwürdigen Produkt, dass irgendwo, tief im Kern, doch ganz liebenswürdig ist.

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Quelle: Noizz.de