Niemand hatte bei witzigen TV-Produktionen so ein Händchen wie er. Dabei war er eigentlich Musiker.

Niemand würde wahrscheinlich Chuck Lorre erkennen, wenn er ihm auf der Straße begegnet. In den USA kennen ihn alle Branchen-Insider und Experten. In Deutschland aber eigentlich keiner. Dabei hat der 66-Jährige Erfolgsproduzent die Unterhaltung und das Sitcom-Genre der letzten Jahrzehnte geprägt. "Big Bang Theory", "Two and a Half Men" – alles aus seiner Feder.

Chuck Lorre Foto: dpa

Chuck Lorre wurde als Charles Michael Levine in einer jüdischen Familie an der US-Ostküste geboren und wuchs dort auf. Nach der Schule begann er ein Studium an der State University of New York in Potsdam im Bundesstaat New York.

Vom Studium hatte er allerdings nach knapp zwei Jahren genug, brach ab und tingelte dann als Gitarrist und Songwriter durch die USA. Damals war er Mitte 20. Er änderte seinen Namen in Chuck Lorre um und widmete sich vollkommen der Musik. Er schrieb mehrere hundert Pop-Songs, von denen jedoch keiner so richtig einschlug.

Das einzige, einigermaßen erfolgreiche Lied war Debbie Harrys "French Kissin' In The USA". Seine musikalischen Fähigkeiten sollten ihm später dennoch von Nutzen sein. Unter anderem schrieb er den ikonischen Titelsong von "Two and a Half Men" selber.

Vom Songwriter zum Erfolgsproduzenten

Über zehn Jahre tingelte Lorre mehr oder minder erfolglos als SOngschreiber durch die Gegend. Dann beschloss er, sich dem Fernsehen zu widmen. Er begann Drehbücher für Animationsserien von DC und Marvel zu schreiben und produzierte nebenbei den Soundtrack für Trickformate wie "Teenage Mutant Ninja Turtles".

Auf gut Glück schrieb er ein Primetime-Skript und ergatterte so ein freiberufliches Engagement bei der Comedy-Serie "Charles in Charge". NBC wurde auf ihn aufmerksam und heuerte ihn für die Sitcom "Ein Vater zu viel" an. Ein Job als einer von mehreren Serien-Autoren ist in Deutschland weder eine große Auszeichnung, noch extrem lukrativ. In den USA sieht das anders aus. Der Serienmarkt ist dort größer und viel lukrativer. Sogenannte Staff-Autoren, die bei einer TV-Serien-Produktion mitarbeiten, verdienen laut Online-Medien mindestens 3.703 Dollar pro Woche.

Unter Lorre erreichte die Sitcom "Roseanne" den Zenit des Erfolges Foto: dpa

Für Chuck Lorre kam der große Durchbruch dann 1991. Da war er schon fast 40. Er wurde Supervising Producer bei der auch in Europa sehr erfolgreichen Comedy-Serie "Roseanne". Unter Lorre schaffte es die Serie auf den Zenit ihres Erfolges, war bei Kritikern und dem Fernsehpublikum sehr erfolgreich. Und Lorre wurde Co-Executive Producer.

Lorres erste selbst entwickelte Show war die Serie "Grace under Fire". 1993 lief sie auf ABC an und bekam eine Nominierung bei den 52. Golden Globes für die "beste Fernsehserie – Musical oder Comedy". Ein Riesenerfolg wurde die Serie jedoch nicht. Sein nächstes Serien-Projekt "Cybill" mit Cybill Shepherd in der Hauptrolle lief vier Staffeln lang auf CBS und gewann in dieser Zeit einen Primetime-Emmy und zwei Golden Globes in der Kategorie „beste Fernsehserie – Musical oder Comedy“.

"Dharma & Greg" ist Sitcom-Kult bis heute Foto: Verleih

Seine nächste Serie startete 1996 (ein Jahr vor dem Ende von "Cybill") und ist bis heute Kult: "Dharma & Greg". Die Serie wurde ein großer Erfolg und gewann diverse Preise. Seitdem hat Lorre einen richtigen Lauf. 2003 startete "Two and a Half Men" (in Deutschland zunächst noch unter dem Titel "Mein cooler Onkel Charlie") und brach sämtliche Rekorde.

EIne Kultserie nach der anderen

Charlie Sheen erlebte ein Mega-Comeback durch die Serie und die Hauptdarsteller bekamen Traum-Gagen. Allein Charlie Sheen bekam rund eine Million Dollar Gage pro Folge. Allerdings ging die Serie für Charlie sehr unschön zu Ende.

Wegen schweren Drogen- und Alkoholmissbrauch des Stars kam es mehrfach zum Abbruch von Dreharbeiten. In einem Radio-Interview beleidigte Sheen Lorre antisemitisch, wurde gefeuert und ersetzt durch Ashton Kutcher, der ab der neunten Staffel dazu kam.

Das Ensemble von "Two and a half Men" bei einer Preisverleihung Foto: dpa

2007 feierte Lorres nächster Sitcom-Hit Premiere: Die erste Folge von "The Big Bang Theory" lief auf CBS und löste "Two and a Half Men" als meist gesehene Sitcom ab. In Deutschland ist die Serie um die nerdige Wissenschaftler-WG eines der Aushängeschilder von ProSieben, neben den "Simpsons" insbesondere seitdem Wegfall der Produktionen von Stefan Raab. Auch die darauf folgende Lorre-Produktion "Mike & Molly" läuft dort.

"The Big Bang Theory" kennt jeder, egal ob Fan oder nicht Foto: Verleih

"Mike & Molly" lief zunächst erfolgreich, brach ab der dritten Staffel jedoch in den Zuschauerzahlen ein. Die vierte Staffel wurde dennoch ausgestrahlt. Seit 2013 läuft außerdem Lorres Sitcom "Mom" mit "Scary Movie"-Star Anna Faris in der Hauptrolle.

"Mike & Molly", ein weiterer Lorre-Stoff Foto: Verleih

Lorres Serien sind von den Thematiken her zwar sehr unterschiedlich.

Eine Gemeinsamkeit haben sie aber alle. Am Ende einer Serien-Episode im Abspann erscheinen Lorres sogenannten "'Vanity Cards": Mal mehr oder weniger lange Darstellungen von Lorres Gedanken, meist in Form eines Essays oder Beobachtungen über das Leben.

Oft drückte Lorre seine Verachtung gegen Krieg oder seine Unterstützung für Präsident Obama aus. Im Oktober 2012 veröffentlichte Lorre ein Buch mit einer Zusammenstellung aller "Vanity Cards", die er seit der ersten "Dharma & Greg"-Episode veröffentlicht hatte.

Lorre gilt als Perfektionist, was die Umsetzung und den Realitätsbezug der Stoffe angeht. Bei "The Big Bang Theory" war ihm vor allem wichtig, dass sie immer korrekt in der Wissenschaft blieb. Es wurde sogar ein Astrophysiker eingestellt, der darauf achtete, dass alles stimmte.

Lorre sagte in einem Interview: "Ich meine, ich bin fasziniert von der Wissenschaft und seit wir an dem Piloten gearbeitet haben, versuche ich die großen Lücken meiner Bildung zu füllen, indem ich bekannte Bücher über die Quantenphysik lese, aber ich identifiziere mich mehr mit Penny." Über den Verkauf der Spin-Off-Serie "Young Sheldon" sagte Lorre in einem Interview: "Ich bin zu CBS-Chef Leslie Moonves gegangen und sagte: 'Sheldon. East Texas. 9 Jahre alt.' Seine Antwort: 'Erledigt!" Es war der einfachste Pitch meiner Karriere."

Der alte und der junge Sheldon Foto: dpa

Lorres geschätztes Gesamtvermögen liegt Online-Medien zufolge mittlerweile bei etwa 655 Millionen Euro. Unbeschwert ist sein Leben dennoch nicht. Berichten zufolge kämpft er seit Jahrzehnten schon gegen seine Depressionen, Angst- und Wutzustände

In einem Interview sagte er: "Selbst im Paradies würde ich noch die eine Sache finden, die mich wütend macht und mich nur darauf fokussieren." Er finde immer etwas, das ihm Sorge oder Wut bereite. Lorre ist zweimal geschieden. Seit 2017 ist er mit der Verhaltenspsychologin Arielle Mandelson verlobt. 

Chuck Lorre und seine dritte Frau Arielle Mandelson Foto: dpa

Lorre gibt dennoch nicht auf, arbeitet weiter an neuen Stoffen. Zuletzt hat er den Entwurf für eine neue Comedy-Serie fertiggestellt, die in einer Ausgabestelle für legales Marihuana spielt. Die Protagonisten der neuen Sitcom sind allesamt Kiffer. Wie der Hollywood Reporter berichtet, wird die noch unbetitelte Serie gerade den Sendern angeboten.

Auch den Streaming-Diensten hat Lorre sich nicht verschlossen. Für Netflix produziert er seit 2018 die gefeierte Sitcom "The Kominsky Method" mit Michael Douglas und Alan Arkin den Hauptrollen.

"The Kominsky Method" ist Lorres erste Serie für Netflix Foto: dpa

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Quelle: Noizz.de