Bankrotter Wahl-Berliner trifft auf dementen Kleinstadt-Vater.

Am 17. Oktober feierte der neue Streamingdienst Joyn in Berlin die Premiere von "Check Check", der neuen deutschen Comedy-Serie, die die Nation im Sturm erobern soll. Die Idee stammt von niemand geringerem als Klaas Heufer-Umlauf, der auch noch als Produzent und – na klar – Hauptprotagonist fungiert. Wer jetzt denkt, was soll denn das werden, der denkt genau das, was ich gedacht habe, bevor ich mir die ersten drei Episoden reinziehen durfte. Die gute Nachricht: Die Serie lohnt sich, nicht nur, weil sie einfach wahnsinnig witzig ist.

Man hat gleich nach wenigen Minuten das Gefühl "Check Check" bringt den guten alten "Stromberg"-Humor zurück ins deutsche Fernsehen. Die Geschichte entführt uns in eine verschlafene Kleinstadt mit einem räudigen Provinzflughafen, wo jede Person ein Klischee auf zwei Beinen ist. In den meisten Fällen sorgt das bei mir für verschmitztes Grinsen und auch den einen oder anderen lauten Lacher beim Gucken, nur bei den weiblichen Rollen kann man diese Stereotypen 2019 einfach nicht mehr sehen. Sie sind hysterisch, emotional und viel zu sehr auf ihr Liebesleben fixiert – ja, "Stromberg"-Humor eben. Mit ein bisschen Wohlwollen kann man da im Gesamtbild aber mal darüber hinweg sehen.

Denn zwischen den Lachern greift "Check Check" eine Thematik auf, die man zu Beginn der Serie so gar nicht erwartet. Neben dem Humor des Provinzlebens geht es vor allem um die Themen Älterwerden und Demenz. Man muss als Zuschauer mit Hauptprotagonist Jan zwischen all dem Spaß dabei zusehen, wie sein Vater nach und nach seinen Verstand verliert und immer verwirrter wird. Wie er regelmäßig vergisst, dass seine Frau seit 20 Jahren tot ist, oder seine Hose voll pinkelt und danach der festen Überzeugung ist: "Ich war das nicht." Das Thema Demenz ist schwer mit anzusehen und schlicht und einfach tragisch, trotzdem schafft es die Serie die Dramatik der Storyline immer gerade rechtzeitig mit Comic Relief aufzulockern.

"Check Check" bekommt es überraschend gut hin, Comedy und Tragödie so zu verweben, dass ein stimmiges Gesamtbild entsteht, das man bei deutschen Fernsehproduktionen meist vergeblich sucht. Das ist zum einem dem Witz von Klaas, zum anderen der beeindruckenden Performance von Uwe Preuss geschuldet, der den dementen Udo in all seinen Fassetten perfekt verkörpert. "Das Komische ist immer dem tragischen geschuldet", fasst Regisseur Lars Jessen die thematische Dynamik der ProSieben-Serie passend zusammen.

Wer Bock auf Comedy mit einer Prise Tragik hat, erhält hiermit eine eindeutige Empfehlung , sich die Serie reinzuziehen. Ab dem 21. Oktober gibt es fünf Wochen lang jeweils zwei neue Folgen bei Joyn. Danach soll "Check Check" auch im Free-TV auf ProSieben laufen.

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Quelle: Noizz.de