Eigentlich wollte ich mit ihm über Drogen reden. Doch dann wurde es ein Gespräch über das große Ganze.

Bjarne Mädel ist im Laufe seiner 51 Lebensjahre schon in einige Rollen geschlüpft: der verpeilte Bürotrottel Ernie in "Stromberg", der Tatortreiniger, der Polizeibeamten Dietmas in der Krimiserie "Mord mit Aussicht", um nur einige zu nennen. Hinzu kommen etliche Theater-Engagements.

>> Seht hier den ersten Trailer zu "How To Sell Drugs Online (Fast)"

Nun kann man ihn auch als Drogendealer sehen. Als Buba in der Netflix-Serie "How To Sell Drugs Online (Fast)" gibt er den – nicht fehlerfreien – schmierigen Provinzdealer, der in einer albanischen Pizzeria neben einem Reiterhof mit Ecstasy-Pillen dealt. Dabei bedient er sich, naja, eher brachialen Methoden.

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Auch wenn er in der Serie nur ein paar Auftritte hat, sind das immer Schlüsselmomente. Ohne Buba wäre Moritz schließlich niemals in die Verlegenheit gekommen, einen Onlineshop für Pillen hochzuziehen. Dabei tritt er gewohnt witzig auf.

Sollte irgendjemand nun aber auf die Idee kommen, Mädel als Komiker zu bezeichnen, liegt derjenige ganz falsch. Der Hamburger ist Schauspieler durch und durch und nur weil das große Publikum ihn eher durch seine kuriosen TV-Rollen kennt, bedeutet das nicht, dass er der Spaßmacher schlechthin ist.

Er ist zwar witzig, aber kann durchaus ernste Töne anschlagen.

Das musste auch ich feststellen, als ich mein Telefondate mit Bjarne Mädel habe – oder eher Speeddate, denn 15 Minuten sind jetzt auch nicht so lang. Eigentlich wollte ich mit Bjarne über Drogen reden, aber schnell schweifen wir ab und reden dann doch über was ganz Anderes.

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Aber lest selbst:

NOIZZ: Du hast schon viele – sagen wir mal eigensinnige – Rollen übernommen. Welche davon war deine liebste?

Bjarne Mädel: Uff, das ist eine schwere Frage. Das kann ich jetzt so gar nicht beantworten.

Rein optisch gesehen, war der Buba jetzt auf jeden Fall mein Highlight.

So schmierig mit dem Schnauzer und der großen Nase, dieser lässige Kleidungsstil, etwas schmuddelig. Das hatte schon was. Aber was meinst du mit eigensinnig? Ich finde die Figuren jetzt gar nicht so kurios …

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Es sind aber schon eher Randgestalten in der Gesellschaft und Außenseiter.

Na ja, aber die machen eben einfach ihr Ding. Der Buba als Provinzdealer verkauft eben seine Pillen, ohne große Vorsichtsmaßnahmen.

Der weiß ja auch nicht wirklich, was er da macht und auf was er sich mit den beiden Jungs einlässt.

Aber ich bereite mich da als Schauspieler einfach ganz normal auf die Rolle vor.

Hast du dich für den Buba besonders vorbereitet?

Ich war sechs Wochen auf einem Reiterhof, habe in einer albanischen Pizzeria nebenbei Drogen verkauft und joar ... Nein, habe ich natürlich nicht. Ich habe ganz normal das Drehbuch gelesen und hab mir vorgestellt, wie dieser Typ wohl tickt.

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Was war dein erster Gedanke, als das Angebot kam, du kannst einen Kleinstadtdealer spielen?

Als ich im Drehbuch den Dialog gelesen habe, in dem er bei Moritz und Lenny im Kinderzimmer steht und er sie mit der Pistole anraunzt und Moritz eine Ohrfeige mit den Worten "Falsche Antwort" gibt – und danach nochmal eine, aber direkt danach sagt "Ah, nee richtige Antwort". Da wusste ich, dass das ne schöne Rolle ist. Die wollte ich gerne spielen. Er ist neben all dem Wahnsinn dort, so etwas wie die Realität, die reinspielt, weil das, was im Internet für die beiden Jungs passiert ja doch sehr abstrakt ist. Aber Buba ist echt. 

Wer einen Drogendealer spielt, muss natürlich auch über Drogen reden. Glaubst du, dass Drogenkonsum in Deutschland irgendwann legalisiert oder entkriminalisiert wird?

Man muss da schon differenzieren. Marihuana als Schmerzmittel bei chronischen Krankheiten kann sehr effektiv sein und ich finde es gut, dass es als Medikament eingesetzt werden darf. Aber wenn jetzt einfach eine Partydroge wie Ecstasy entkriminalisiert werden würde oder gar legal, fände ich das nicht richtig, sogar verantwortungslos. 

Buba in action.

Aber in Portugal ist Drogenkonsum zum Beispiel weitesgehend entkriminalisiert und man hat gute Erfahrungen damit gemacht.

Kann sein, aber es ist doch so, dass ein Laie nie wirklich einschätzen kann, was er da gerade zu sich nimmt oder wie er etwas dosieren sollte. Auf einen Hochzustand folgt immer auch ein Tief.

Hast du etwa schon mal schlechte Erfahrungen gemacht?

Sagen wir es so: Ich hatte schon immer einen sehr großen Respekt vor harten Drogen. Ich war sehr lange starker Raucher. Mich davon runterzukriegen war schon schwierig genug. Ich weiß also, wie suchtanfällig ich bin. Und das war 'nur' Nikotin! Und jetzt bin ich, glaube ich viel zu alt, um mit so etwas wie Ecstasy dauerhaft anzufangen.

Und wie sah das früher aus?

Haha, uns haben damals Chips und Alkohol gereicht, um Spaß und eine gute Party zu haben. 

Buba schiebt Lenny im Rollstuhl.

Findest du denn, die Serie hat einen guten Umgang mit dem Thema Sucht und Drogen gefunden?

Die Serie war nie als eine Moralinstanz geplant, die mit erhobenem Zeigefinger darauf hinweist, was richtig oder falsch ist. Sie will eher unterhalten. 

Aber trotzdem muss sie sich der Frage stellen, welchen Platz Drogen in unserer Gesellschaft haben …

Klar und es ist wichtig darüber mal zu reden. Es aus der Tabuzone rauszuholen. Humor als Mittel funktioniert für mich da besser als der erhobene Zeigefinger, das ist "How To Sell Drugs Online (Fast)" gut gelungen. So können auch Eltern mal eher mit ihren Kindern das Gespräch suchen. Jeder hat ja auch ein unterschiedliches Suchtpotenzial. Bei jungen Menschen ist das noch einmal was ganz anderes.

Was meinst du damit?

Naja, sie glauben ständig einem Bild entsprechen oder besonders cool sein zu müssen und verspüren eben einen Druck, dem einige dann mit Drogen zu begegnen versuchen. Das thematisiert die Serie finde ich auch sehr gut, dass es einen Generationsunterschied gibt beim Thema Medien aber auch beim Thema Drogenkonsum.

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Meinst du, "How To Sell Drugs Online (Fast)" hat das Zeug dazu, sowas wie das junge, deutsche "Breaking Bad" zu werden?

Das lässt sich immer schwer vergleichen. "Breaking Bad" war damals schon sehr ungewöhnlich, etwas Neues, aber eben doch ein hartes Drama. Die Überschneidung besteht darin, dass der Protagonist aus einer guten Intention heraus böse wird und du mit ihm mitfieberst. 

Findest du keine Ähnlichkeiten?

Vielleicht kann man es so sagen: "How To Sell Drugs Online (Fast)" ist wie "Breaking Bad" mit Humor, auf Speed. Es erzählt ja alles noch schneller und rasanter, aber durchaus mit einem Augenzwinkern. 

Und was glaubst du, wird mit Buba passieren? Drogendealer nehmen ja bekanntlich nie so ein gutes Ende in Serien.

Du kennst die letzte Folge der ersten Staffel noch nicht, oder? Haha, da kannst du dich noch auf einiges gefasst machen. Mehr kann ich aber auch nicht verraten …

>> MDMA, Nerds und Erwachsen werden: So gut ist "How To Sell Drugs Online (Fast)"

Quelle: Noizz.de