Deutsche Netflix-Serien scheinen sich wie geschnitten Brot zu verkaufen. Mit "Biohackers" steht gleich der nächste Kandidat in den Startlöchern. Was sich hinter dem mysteriösen Titel verbirgt und wie gut die Serie mit unter anderem Jessica Schwarz, Luna Wedler und Caro Cult wirklich ist, haben wir gleich mal mit dem Cast abgeklärt.

Ich habe schon lange keine Scheu mehr, mich als Serienjunkie zu bezeichnen. Was kann mir also Besseres passieren als die neuerliche Flut an deutschen Netflix-Serien? Als aber "Biohackers" vom Streamingdienst angekündigt wurde, hatte ich so gar keinen Bock – und das, obwohl es aus der Feder von Christian Ditter stammt, der mich mit "Türkisch für Anfänger", "Girl Boss" oder Rom-Coms wie "Love, Rosie" und "How To Be Single" bisher nie enttäuscht hat.

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Das lag vor allem am Thema und dem obskuren Titel: "Biohacking" klang nach Menschen, die sich irgendwelche NFC-Chips im Unterarm implantieren oder sich magnetische Fingerkuppen verpassen. Oder aber nach kruden Gen-Experimenten. Immerhin, der Cast mit Schauspieler*innen wie Luna Wedler, Jessica Schwarz, Caro Kult und Benno Fürmann klang ziemlich in Ordnung. Nur der Trailer, der wirkte dann so, als ob das eine Science-Fiction-Serie statt Wissenschafts-Thriller werden sollte. Dummerweise turnt mich Sci-Fi ziemlich ab.

Hier kannst du den Trailer zu "Biohackers" auf Netflix sehen:

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"Es ist ja eben keine Science-Fiction-Serie!" – versucht mich Schauspielerin Luna Wedler gleich zu überzeugen, als wir uns zum Zoom-Call verabreden, um über die Serie zu reden. Alles sei jetzt schon möglich. Okay, ich muss zugeben, am Ende war ich zumindest in den Bann gezogen von "Biohackers". Aber eins nach dem anderen.

Eben zitierte Luna, die auch schon in "Das schönste Mädchen der Welt" die Filmkrititer*innen begeistern konnte, spielt in der Serie Mia, eine ambitionierte Medizinstudentin, die gerade frisch an die Freiburger Uni gekommen ist. Dort zieht sie in eine WG mit Lotta (Caro Kult), dem Bodyhacker Ole (Sebastian Jakob Doppelbauer) sowie der Pflanzenliebhaberin und Biologin Chen-Lu (Jing Xian).

Darum geht es in "Biohackers":

Was zuerst wirkt wie eine harmlose Uni-Coming-of-Age-Story, hat jedoch einen sehr viel düsteren Touch. Was passiert, wenn Studenten hinter verschlossenen Türen mit den Biotechnologien von morgen experimentieren? Im Mittelpunkt steht das Duell zweier Frauen: Mia (Luna Wedler) verfolgt mit ihrem Medizinstudium einen geheimen Plan, denn sie trägt ein düsteres Geheimnis in sich.

Ihre Gegenspielerin ist die Star-Dozentin und Bio-Wissenschaftlerin Professorin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz), die mit ihren Arbeiten zum "Biohacking" ganz bescheiden findet, dass sie die Welt verändert. Um ihr Ziel zu erreichen und in den elitären "Inner Circle" von Professorin Lorenz zu gelangen, bandelt Mia mit Jasper (Adrian Julius Tillmann) an. Dessen bester Freund, Niklas (Thomas Prenn), verknallt sich aber leider auch in Mia – ein kompliziertes Lovetriangle.

Luna Wedler als Mia in "Biohackers" mit der fluoreszierenden Maus Mendel.

Es geht also um Freundschaft, Liebe und Rache – alles vor dem Hintergrund von DNA, Gentechnik und seiner ethischen Implikationen. Eben der Frage "Darf man das?!" Jessica Schwarz, die eben die unterkühlte und ebenso zielstrebige Professorin Tanja Lorenz spielen darf, sieht gerade in diesem Themenmix den Reiz der Serie:

"Da ist Liebe dabei, Rache, zwei Generationen, zwei Frauen in den Hauptrollen – was heute nach wie vor sehr ungewöhnlich ist, auch im Bereich der Wissenschaften. Vor zehn Jahren hätte man diese Rollen dann vielleicht doch eher mit zwei Männern besetzt. Das Thema nimmt einen mit: Auch diese ganzen Biohacking-Sachen. Ich dachte oft: 'Oh, wie toll, ich will auch Mitten in der Nacht sehen oder unter Wasser länger die Luft anhalten können!'"

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Auch Luna musste sich erst einmal in die Unterschiede zwischen Bio- und Bodyhacking und dem ganzen medizinischen Background einlesen, war dann aber ziemlich schnell Feuer und Flamme: "Ich hatte das Glück, dass mein Papa Arzt ist, und ich konnte ihn ganz viel dazu fragen."

Jessica konnte sich, ähnlich wie ich, erst mal nur wenig unter dem Titel vorstellen. "Am Anfang haben wir nur drei Folgen zum Lesen bekommen – das hatte ich noch nie, dass ich nicht das ganze Drehbuch kenne und trotzdem zusage." Die ersten drei Folgen hätten sie aber voll überzeugt.

"Christian Ditter meinte zu mir: 'Künstliche Intelligenz ist vielleicht gerade das Greifbarere für viele Menschen, aber eigentlich ist Biohacking das viel spannendere und auch kommende Thema. Es ist nicht morgen oder übermorgen, es ist heute.'"

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In "Biohacking" treffen etablierte Schauspielgesichter auf absolute Newcomer

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Für Sebastian Jakob Doppelbauer, der als Ole in "Biohackers" seine erste Serienrolle ergattern konnte, war der ganze Dreh eine sehr aufregende Erfahrung. Seine Rolle steht für die andere Seite des Biohackings – dem Bodyhacking. In der Serie sieht man, wie er sich munter Chips und Magneten implantiert oder aber Tabletten einwirft, um wie ein Tiefseetintenfisch sehen zu können.

"Also, ich bin natürlich nicht davon ausgegangen, dass ich das wirklich machen muss. Aber als ich meinen ersten Termin beim Maskenbildner hatte, ist mir erst mal klar geworden, was für ein Aufwand das ist. Ich musste Abdrücke vom Körper nehmen und habe mir die ganze Zeit die Frage gestellt: Wie sieht das am Ende aus? Und auch, wie viel Coolness kriege ich in diese Rolle rein, obwohl er so ein Riesen-Nerd ist."

Auch für Newcomerin Jing Xiang war der Dreh einer Netflixserie eine Premiere. Zwar hat sie schon in der Joyn-Serie "Tagebuch eines Uber-Fahrers" einen kleinen Part übernommen; das hier war aber doch eine Nummer größer. Sie spielt Chen-Lu, die Mia quasi in die Gentechnik einführt – aber eigentlich nur vollkommen fasziniert von Pflanzen ist: "Ich fand meine Rolle total cool – so eine nerdige Pflanzenliebhaberin. Gleichzeitig dachte ich aber auch: 'Puh …' – weil ich die ganze Zeit einfach so schnell reden muss!"

Auch hier hatte die Corona-Pandemie ihren Einfluss

Jessica Schwarz als Professorin Tanja Lorenz in "Biohackers".

Wer "Biohackers" einschaltet, wird gleich zu Beginn mit ziemlich drastischen und teils verwirrenden Bildern konfrontiert: Ein ICE auf der Strecke von Freiburg nach Berlin, die Landschaft zieht an uns vorbei. Doch plötzlich kippen im Abteil immer mehr Fahrgäste um, liegen bewusstlos auf dem Boden, müssen mit Defibrillatoren wiederbelebt werden, alles ohne Erfolg.

Der maximal konfrontative Einstieg war unter anderem der Grund dafür, dass der Starttermin um mehrere Monate verschoben worden war. Er war eigentlich für April geplant, also ziemlich zu Beginn der Corona-Pandemie. Die Macher befürchteten, dass Sequenz und Kontexte der Serie auf manche Zuschauer verstörend hätten wirken können.

"Im April, als die Serie eigentlich kommen sollte und das Virus relativ neu war, wussten wir noch nicht so viel darüber, vieles war unklar. Inzwischen wissen wir sehr viel mehr Details", sagt Mia-Darstellerin Luna Wedler dazu.

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Auch Jessica Schwarz stand voll hinter der Entscheidung, die Serie zu verschieben. Dass irgendwelche Corona-Skeptiker die Serie jetzt noch in den falschen Hals kriegen könnten, sieht sie zwiegespalten:

"Es gibt immer Menschen, die irgendwelchen Verschwörungstheorien folgen und die Gesundheit aller aufs Spiel setzen. Deswegen hier auch noch mal der Aufruf: Setzt einfach die Masken auf und haltet Abstand. Das ist doch nicht zu viel verlangt."

Es ginge in der Serie schließlich auch viel weniger um Viren als eher darum, was heutzutage in den Laboren möglich ist. Im Umkehrschluss gebe es natürlich aber immer auch Menschen, die so etwas wie die DNA zu lesen missbrauchen wollten. Aber auch das thematisiere die Serie schließlich.

Die Power der Wissenschaft

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Doch noch heute ist die Serie hochaktuell, denn es geht um Ethik in der Wissenschaft. Und die erfährt in diesen Monaten eine gesellschaftliche Relevanz, wie sie sie – zumindest in der breiten Öffentlichkeit – selten erlebt. Bei Jing Xiang hat die Auseinandersetzung mit dem Thema auf jeden Fall dafür gesorgt, dass sie viel wachsamer geworden sei. Neben der Tatsache, dass man Algen als Verpackungsstoff einsetzen könne und Gentechnik im Pflanzenbereich für viel Nachhaltigkeit sorgen könne, fand sie manche Seiten aber auch ziemlich gruselig:

"Biohacking ist ja dadurch entstanden, dass Student*innen dachten, dass sie nicht nur das erforschen wollen, was ihnen die Uni vorschreibt. Das ist auf der einen Seite auch gut und wichtig, dass die Wissenschaft frei ist, aber die Frage ist auch: Wie weit kann sie gehen?"

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Caro Cult, die die etwas ausgeflippte Mitbewohnerin Lotta spielt, sieht gerade in dem Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Gesellschaft die Stärke der Serie. Auch Lotta sei ein gutes Beispiel dafür: "Sie sagt ja selber: Wieso kann man als Frau nicht sexy und smart sein?". Die Schauspielerin glaubt, dass sie ein Vorreiter sein kann. Auch für sie war das Themenfeld absolutes Neuland.

"Meine Rolle muss ja nicht so viel Biohacken, aber ich fand das total faszinierend, dass auch die ganze Zeit Wissenschaftler und Forscher am Set waren, damit alles so nah wie möglich an der Realität ist. Mit einem davon habe ich fast jede Mittagspause darüber gequatscht, und er hat mir das alles versucht, ausführlich zu erklären. Das war so interessant!"

Caro lebt seit acht Jahren vegan, kauft nur Bioprodukte ein, versucht, so natürlich und regional wie möglich zu leben – und war daher schon etwas sensibler gepolt auf das Thema. "Aber ich muss schon sagen, dass die Serie mich eben einfach ein bisschen mehr aufgeklärt hat. Man bekommt Sachen mit, die man sonst nicht mitgekriegt hat."

"Biohackers" hat seine Stärken und Schwächen – trotzdem will man irgendwie eine zweite Staffel

Jasper (Adrian Julius Tillmann) und Mia (Luna Wedler)

Wer noch nicht im Thema Biohacking und Gentechnik drin war, dürfte spätestens nach diesen sechs Folgen angefixt sein, mehr darüber zu erfahren. Zwar braucht die Serie ein bisschen Anlauf, bis man drin ist – bei mir hat es etwa bis zur dritten Folge gedauert –, dafür wird man aber spätestens dann in eine eher ungewöhnliche deutsche Serienproduktion eingeführt.

Eine Serie, die mal nicht in Köln, Frankfurt, Berlin, Hamburg oder München spielt und die keine Angst davor hat, ein kompliziertes, wissenschaftliches Thema für die breite Masse aufzubereiten – damit alle es verstehen. Manchmal wünscht man sich ein bisschen mehr Mut bei den Entscheidungen der Protagonisten – dass ist dann doch alles ziemlich vorhersehbar.

Für das große Ganze, das dieser Serie vorschwebt, über die Vorteile, das Potenzial als auch Gefahren von Gentechnik hinzuweisen, ist aber auch das – vor allem in einer ersten Staffel – zu verzeihen.

Vielleicht findet der ein oder andere Mias WG ein bisschen zu überdreht, aber ganz ehrlich: Wer hatte nicht solche Mitbewohner? Ein bisschen durchgedreht sind wir doch alle in unseren Studi-Jahren. Nach dem mega Cliffhanger am Ende – den wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden – will man auch eigentlich alleine deswegen eine zweite Staffel – oder zumindest ein Serien-Special.

Caro kann eine zweite Staffel für ihre Figur Lotta zumindest kaum erwarten: "Ich fände es schön, wenn Lotta sich ernsthaft verlieben würde und ein bisschen mehr Ruhe findet – auch wenn ich es schon geil finde, dass sie ihr Ding so durchzieht."

Die sechs Folgen der ersten Staffel "Biohackers" kannst du ab dem 20. August auf Netflix streamen.

  • Quelle:
  • Noizz.de