Uber-Fahrer sind lässiger als normale Taxifahrer, aber irgendwie dann doch gescheiterte Existenzen – oder nicht? Wenn du auch zu denjenigen gehören solltest, die an Klischees hängen, solltest du dir vielleicht die neue Joyn-Serie "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" reinziehen. Wir haben mit Hauptdarsteller Kostja Ullmann über Hamburg, kuriose Rides und Klischees gesprochen.

Was machst du, wenn in deinem Leben so ziemlich alles schief gelaufen ist, was bisher schief gehen konnte? Ben (Kostja Ullmann) sieht sich mit Mitte 30 genau mit dieser Frage konfrontiert – und versucht nun, sein Leben zumindest halbwegs wieder in den Griff zu kriegen. Als – Trommelwirbel ... – Uber-Fahrer in Hamburg. So weit der Ausgangspunkt der neuen Joyn-Serie "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers".

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Denn der Job bietet, so glaubt Ben, zumindest ein bisschen Kohle und dank wechselnder Fahrgäste garantiert keine Langeweile – und zudem genügend Ablenkung von seinen eigenen Problemen. Ben wird nämlich zum ersten Mal Vater. Was eigentlich Grund zur Freude ist, ist in seinem Fall etwas komplizierter: Die Mutter seines Kindes, Nadja (Claudia Eisinger), will nichts mehr von ihm wissen, denn beide hatten eigentlich nur einen One-Night-Stand.

Hier kannst du den Trailer von "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" sehen:

In der Realität geht dieser Plan natürlich nicht ganz auf. Statt das alles einfacher wird, wird alles noch komplizierter: Taxifahrer hassen ihn, weil er ihnen die Fahrgäste klaut, seine Fahrgäste laden Ben nur noch mehr Probleme auf. Er hat keine eigene Wohnung, stattdessen betreibt er Haus-Sitting, ähnlich wie bei Uber auch über eine App.

Produziert wurde die Serie unter anderem vom Schauspieler Fahri Yardim, der auch einen Gastauftritt als Bens Fahrgast hat. Sie ist eine Adaption der australischen Serie "Diary of an Uber-Driver" mit Sam Cotton in der Hauptrolle. Allerdings spielt die fast nur im Auto, während die deutsche Version dann doch eine größere Rahmenhandlung zeigt.

So sieht die australische Version der Serie aus:

Nichtsdestotrotz spielt die Serie einen Großteil der Zeit natürlich im Auto und zeigt kurzweilige Episoden in 20 Minuten-Folgen. Das war vor allem bei den Dreharbeiten für Kostja Ullmann eine besondere Herausforderung. Wir haben ihn zum Start der Serie gefragt, wie er sich darauf vorbereitet hat und ob er dafür auch unter die Uber-Fahrer gegangen ist.

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Kostja Ullmann im NOIZZ-Talk: "Mein Trinkgeld ist jetzt auf jeden Fall größer geworden, wenn ich Uber fahre!"

NOIZZ: Wenn ich Uber-Fahrer höre, denke ich an einen etwas cooleren Taxifahrer, aber gleichzeitig auch an die ganzen armen Hunde in den USA, die neben ihren zwei anderen Jobs nachts noch für Uber fahren – was hattest du vor der Serie für Assoziationen damit?

Kostja Ullmann: Mir ging es da ziemlich ähnlich. Ich hatte immer das Gefühl, dass das eher jüngere machen – auch viele Studenten, die das als Gelegenheitsjob nutzen, um eben gerade etwas Geld zu verdienen, aber eigentlich etwas ganz anderes in ihrem Leben wollen. Insofern passten dann auch die Drehbücher erstmal doch ganz gut zu meinen Vorstellungen. Das war eben auch bei Ben nicht der Traumjob. Man braucht eben nicht wie beim Taxifahrer eine spezielle Ausbildung dafür, bei Uber einzusteigen, geht einfacher. Klar ist nicht alles toll, wenn man Uber-Fahrer ist – aber es ist eben auch eine anständige Möglichkeit, sein Geld zu verdienen.

Hat sich dein Bild nun geändert?

Kostja: Ja, schon. Das ist immer wieder das Spannende, wenn man sich als Schauspieler mit Dingen auseinandersetzt, von denen man vorher eben nicht so viel Ahnung hatte. Man weiß es dann viel mehr zu schätzen, dass das auch ein harter Beruf sein kann: Wie sie um Kunden kämpfen müssen, damit sie ihr Geld verdienen. Das ist eben nicht viel, was da übrig bleibt. Mein Trinkgeld ist jetzt auf jeden Fall größer geworden, wenn ich Uber oder Taxi fahre!

Auch die Konkurrenz zwischen Taxi- und Uber-Fahrern wird in der Serie thematisiert.

In der Serie thematisiert ihr auch die Rivalität zwischen klassischem Taxi und eben Uber – war dir das vorher auch so präsent?

Kostja: Ich habe das in Hamburg schon sehr mitbekommen. Dort wurde das vor gut einem Jahr erlaubt – davor haben sich auch die Taxifahrer quer gestellt und erfolgreich gewehrt. Ich glaube, deswegen ist Uber jetzt auch hier nicht so stark vertreten, wie in anderen Ländern. Es ist auch etwas teurer hier, was aber nicht unbedingt schlechter ist. Ich habe mich in der Vorbereitung auch mit vielen Taxifahrern unterhalten, um deren Meinung über die Uber-Fahrer zu hören – und das war schon manchmal echt heftig, wie groß einfach ihre Angst ist. Sie haben große Angst davor, dass Uber ihnen die Kunden wegnimmt, denn auch die Taxifahrer haben es nicht leicht. Das kommt ja auch in einer Folge in der Serie vor, unter welchen Umständen viele von ihnen arbeiten. Da stecken schließlich auch Existenzen hinter.

Wie hast du dich auf die Serie vorbereitet? Bist selbst viel mit Uber oder anderen Ride-Anbietern gefahren?

Kostja: Ich habe die Vorbereitung – also auf der Gastseite – unbewusst schon vorweggenommen, denn ich fahre wirklich sehr viel Taxi, Uber und Co. Obwohl, wenn ich Familienmitglieder rumkutschiere, fühle ich mich manchmal selber wie ein Taxifahrer. Ansonsten habe ich natürlich die australische Originalserie durchgeschaut. Aber den Machern und uns Schauspielern war sehr schnell klar, dass wir uns davon lösen, es auf Deutschland anpassen müssen und unser eigenes Ding daraus machen. Wir hatten die Chance, Bens Handlungsstrang noch weiter auszubauen und somit tiefer in die Geschichte einzutauchen.

Du bist gebürtiger Hamburger, die Serie spielt auch in Hamburg, wie war das für dich bei den Dreharbeiten durch Hamburg zu cruisen und die Stadt auf diese Art wahrzunehmen?

Kostja: Das ist eigentlich immer etwas Besonderes, wenn man in seiner Heimatstadt drehen darf – und vor allem auch sehr selten. Nur im Auto als Uber-Fahrer unterwegs zu sein, war großartig, weil du einfach die Chance hattest, durch die ganze Stadt zu fahren. Egal, wo wir waren, ich hatte immer eine Geschichte zu erzählen: "Da bin ich zur Schule gegangen, da habe ich meine erste Freundin geküsst, da ist das leckerste indische Restaurant!" Ich glaube, das Team wusste am Ende alles über mich. Aber für mich war es wirklich schön, Hamburg so zu erleben. Wenn nicht alle von mir genervt sind, habe ich große Lust noch eine Staffel zu drehen!

Ben (Kostja Ullmann) mit Edin Hasanovic als Fahrgast.

Ben erfüllt in der Serie so ziemlich das Klischee einer gescheiterten Existenz, wenn man an Taxi- oder Uber-Fahrer denkt. Was hat dich an so einer Rolle gereizt?

Kostja: Auf der schauspielerischen Seite fand ich die Möglichkeit cool, jeden Tag mit so vielen verschiedenen Kollegen zu drehen. Alle hatten unterschiedliche Energien, auf die man sich dann neu einstellen musste, das war wahnsinnig abwechslungsreich. So ist das letztendlich auch als Uber-Fahrer: Du weißt nie, was als Nächstes kommt und wer da bei dir einsteigt. Und Ben als Figur ist jemand, der einen wahnsinnigen Struggle in seinem Leben hat: Er hat ein riesengroßes Herz, will all seinen Gästen helfen und versucht dabei auch seine eigenen Probleme zu bewältigen.

Ich bin echt lange kein Taxi, Clevershuttle, Uber und Co. mehr gefahren, aber jetzt seit Corona notgedrungen schon. Geht es dir da auch so?

Kostja: Seit Corona fahre ich etwas häufiger mit meinem eigenen Auto oder bin mit dem Rad unterwegs, wenn das Wetter passt. Tatsächlich bin ich jetzt viel seltener mit Uber und Co. unterwegs. Mir kam das dann doch zu eng vor und dass man dann ja eigentlich doch mehr Kontakt mit Menschen hat, als es notwendig wäre in so einer Pandemie. Sobald sich die ganze Lage aber wieder beruhigt und es sicher ist, freue ich mich auch wieder, mit dem Uber durch Hamburg zu fahren.

Ben (Kostja Ullmann) mit seiner Ex Nadja (Claudia Eisinger) – ausnahmsweise mal nicht im Auto.

Ist dir selber schon mal was Außergewöhnliches im Taxi passiert?

Kostja: Ich war mal in Sri Lanka und hatte drei Stunden Fahrt vor mir, um von der Südspitze bis nach Colombo, der Hauptstadt zu kommen. Mein Taxifahrer hat die Nacht zuvor wohl nicht sehr viel Schlaf abbekommen – er war extrem übermüdet, ist immer wieder sekundenweise eingenickt. Ich hatte die Panik meines Lebens und habe ihm dann angeboten, dass ich selber fahre. Nach kurzer Bedenkzeit haben wir dann die Plätze getauscht und ich bin drei Stunden bis nach Colombo Airport gefahren während der Fahrer neben mir schlief. Der Stadtverkehr, dieses andauernde Hupen – ich habe deren System bis zum Schluss nicht verstanden. Aber ich bin heil angekommen und bereit für alle Straßen auf dieser Welt!

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"Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" kannst du ab dem 28. Mai auf Joyn PLUS streamen.

Quelle: Noizz.de