Jede Woche gucken wir uns so viele Filme und Serien an, hören so viele Songs, sehen so viele Fotos, geile Designs und andere tolle Kunstwerke. Höchste Zeit auch mal die Künstler*innen nach ihren ganz persönlichen Eindrücken und Geschichten dahinter zu fragen. Den Anfang macht Alexa Karolinski, die gemeinsam mit Anna Winger und Maria Schrade die Miniserie "Unorthodox" für Netflix entwickelt hat.

Als ich die Serie "Unorthodox" auf Netflix gesehen hab, war ich fasziniert. Die vier Folgen gaben Einblicke in eine mir fremde Welt, zeigten aber auch den extremen Kontrast zu einem Leben, wie wir es kennen. Dem chassidischen, streng religiösen und reglementierten Leben Estys in New York auf der einen Seite und auf der anderen Seite ihr Befreiungsschlag im modernen, internationalen Berlin, indem sie ihre Träume verwirklichen kann, auch wenn die Vergangenheit sie einholt.

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Kurz darauf hatte ich die Möglichkeit mit dem Cast und den Machern über die Serie zu sprechen. Vom ersten Gespräch an wurde mir klar, dass das für alle Beteiligten ein sehr außergewöhnliches Projekt war. Mehr noch als bei anderen Film- und Serientiteln wurde einem bewusst, dass wirklich jede*r einen ganz individuellen Zugang zu ein und derselben Serie, eben "Unorthodox", hatte.

Hier gibt es den Trailer zu "Unorthodox":

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Eigentlich gilt diese Erkenntnis für so ziemlich jedes Kunstwerk, egal ob Film, Musik, Design, Malerei oder Literatur. Viel zu selten fragt man aber nach diesem persönlichen Blickwinkel, viel zu oft fokussiert man sich auf die große, universale Message. Als ich mich mit Alexa Karolinski über "Unorthodox" ausgetauscht habe, habe ich das zum Anlass genommen, den Blickwinkel etwas persönlicher zu gestalten.

Die 36-jährige Filmemacherin kommt aus Berlin und lebt in Los Angeles. Bekannt wurde sie vor acht Jahren mit Dokumentarfilm "Oma & Bella" über ihre jüdische Großmutter und deren Freundin, die beide den Holocaust überlebt haben. 2018 kam der Dokumentarfilm "Lebenszeichen" über jüdisches Leben im heutigen Berlin in die Kinos. Mit "Unorthodox" hat sie sich gemeinsam mit Anna Winger und Maria Schrade nun dem Thema aus einer neuen Perspektive angenähert. Wie es ihr dabei ging, hat sie uns verraten.

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NOIZZ: Wie war es für dich an diesen Stoff heranzugehen – oder eher: Was bedeutet dir die Geschichte?

Alexa Karolinski: Ohne Geschichte gibt es kein Jetzt und kein Morgen. Das bezieht sich auf diese Serie und auf alles andere.

Glaubst du, du hattest einen anderen Blick auf das Thema – weil du einerseits die deutsch-jüdische Community kennst, aber eben auch zwischen Los Angeles und Berlin lebst?

Alexa Karolinski: Ich denke, dass jeder ein anderen Blick auf dieses Thema hat. Das Verrückte an Netflix ist ja, dass die Serie in über 190 Ländern spielt. So kriegt man so viele verschiedene Sichten und Ansichten. Es ist so faszinierend, dass wir Messages aus dem Iran, sowie aus Südamerika oder Vietnam, bekommen. Das zeigt, dass Geschichten universell sind, wenn man die Menschen und deren Emotionen Leuten richtig Nahe bringt.

Wie bist du an die Story herangegangen – was war dir besonders wichtig, wie hast du dich vorbereitet, wie waren eure Reisen nach New York?

Alexa Karolinski: Anna und ich wussten, dass obwohl wir jüdisch sind, wir nicht genug über das Chassidische Judentum wissen, um diese Geschichte authentisch erzählen zu können. Wir haben Eli Rosen gefunden, der schließlich unser Übersetzer, Sprach-Coach, Spezialist und unser Rabbiner wurde –vor und hinter der Kamera.

Was war die größte Herausforderung an "Unorthodox" für dich persönlich?

Alexa Karolinski: Dem wunderbaren Stoff, also Deborahs Buch, gerecht zu werden.

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Erinnerst du dich noch an deine erste Begegnung mit Deborah? Und hattest du je Angst, dass du ihrer Geschichte nicht gerecht werden könntest mit der Umsetzung als Serie?

Alexa Karolinski: Deborah und ich wurde Freunde, bevor ich die Arbeit an der Serie begann. Es war klar, dass wir viel verändern müssen, damit wir eben Deborah, in ihrem heutigen Leben, beschützen können.

"Unorthodox" ist ja ein ziemlich ungewöhnliches Projekt für Netflix – ihr hattet ein kleines Budget, habt in Jiddisch, Englisch und Deutsch gedreht, brauchtet aufwendige Kostüme und musstet den Einblick in eine Welt geben, die den meisten eigentlich verwehrt bleibt. Wie war die Zusammenarbeit mit Netflix?

Alexa Karolinski: In jedem Projekt gibt es Diskussionen und Auseinandersetzungen. Das gehört dazu, und kann im besten Fall ein Projekt besser machen. In unserem Fall hätten wir diese Serie so, mit einem anderen Partner, nicht machen können. Alleine schon, weil die Serie überwiegend auf Jiddisch und Englisch ist. Das hätte kein deutscher Sender uns erlaubt.

Gab es Überraschungen für euch, als ihr die Serie entwickelt habt?

Alexa Karolinski: Immer.

Man mag ja gar nicht glauben, dass Deborah Feldmans Geschichte im 21. Jahrhundert stattgefunden hat – was glaubst du, was kann uns Estys bzw. Deborahs Geschichte heute lehren, worauf aufmerksam machen?

Alexa Karolinski: Dass Frauen immer noch in allen möglichen Gemeinden und Gesellschaften nicht gleich berechtigt sind. Dass Freiheit ein Privileg ist und nicht selbstverständlich. Und das viele sich dieses Privileg hart erkämpfen müssen.

Quelle: Noizz.de