Wir sind für 4,99 Euro nach Malle geflogen und hatten den geilsten Tag ever (Teil II)

Jana Kolbe

Mitarbeiterin der Woche

Marie-Julie May

Sport, Lifestyle & Musik
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Zwei Reporterinnen, 24 Stunden, hundert Euro Budget.

Traumhafte Strände, grandiose Landschaften, blaues Meer … Ach ja und dann wäre da noch der Ballermann. Deutschlands Lieblingsinsel Mallorca ist Partyhochburg und Traumort zugleich. Tausende Deutsche sparen jedes Jahr für einen Urlaub im siebten Bundesland. Während die Hotelpreise auf Mallorca ins unermessliche steigen, fallen die Flugpreise unter 5 Euro!

NOIZZ hat für 4,99 Euro zwei Flüge bei Laudamotion gebucht und zwei Reporterinnen nach Malle geschickt!

Die Challenge:

Innerhalb von 24 Stunden so viel wie möglich auf der Insel erleben.

Der Hacken:

Mit einem maximalen Budget von 100 Euro – inklusive Hotel und Flug!

Die Reporterinnen:

Team Party (Jana ) vs. Team Kultur (Marie-Julie). Beide schreiben hier abwechselnd, wie sie die Reise erlebt haben.

Der aktuelle Kontostand:

Nach der Partynacht bleiben uns noch 51 Euro!

Was ist Teil I passiert ist? Könnt ihr hier lesen.

7:01 Uhr: Der frühe Vogel...

Es ist sieben Uhr morgens. Meine Augen fühlen sich an, als müsste ich sie mit Streichhölzern offen halten. In jedem anderen Urlaub wäre ich jetzt bis 13 Uhr liegen geblieben. Heute steige ich unter die Dusche und hoffe, dass mir das Wasser wieder Lebensgeist einhaucht. Halb verschlafen packen wir unsere Koffer, bevor wir das Zimmer allerdings verlassen, zählen wir nochmal unsere Scheine: Tatsächlich sind im Portmonee noch 51 Euro, Wahnsinn!

Nach der Schiffbruch-Nacht fühle ich mich “wie vom Auto überfahren” - Guten Morgen, Mallorca! Drei Stunden Schlaf sind nicht viel, um die Eindrücke der letzten Nacht zu verkraften. Und schnell wird mir auch klar, dass ich das alles nicht geträumte habe. Denn ein Souvenir habe ich tatsächlich vom gestrigen Abend mitgenommen: Ohrwürmer von schrecklichen Ballermann-Hits. Phasenweisen sprudeln einige Passagen aus mir heraus. Ist das nun der Ballermann-Effekt? Ich hoffe nicht!

8:03 Uhr: Für den Tag stärken

Bevor heute das Kultur-Programm los geht, schlagen wir uns am Buffet den Bauch voll. Das Hotel überrascht uns nochmal: Verschiedene Brötchen, mehrere Wurst- und Käsesorten, Saft, Kaffee, Müsli, Eier, sogar Bacon stehen bereit. Weil es gerade mal acht Uhr ist, sind wir die ersten Gäste und sichern uns den Platz mit der besten Aussicht auf der Terrasse.

09:34 Uhr: Auf nach Palma

Heute muss Jana leiden. Ab jetzt übernehme ich hier das Ruder: Der erste Stopp wird Palma sein.  An der Hotelrezeption erfahren wir, dass der Bus (Linie 25) von der Strandpromenade abfährt. Wir laufen los. “Jana, du bist so ruhig heute, alles okay?”, fragte ich verwundert, “Joa, bin nur verkatert”. Am liebsten wäre sie wahrscheinlich am Ballermann geblieben. Aber davon habe ich genug.

Kater und Busfahren ist jetzt nicht die aller beste Kombination. Mir ist schlecht. Aber immerhin hat die Fahrt nur 1,50 Euro gekostet. Wir fahren ungefähr 40 Minuten vorbei an hässlichen Hotelbunkern, durch seeehr viele Kreisverkehre und kommen letztendlich am Hafen an. Sieht zwar schön aus, ist mir aber alles egal: Ich hab Durst, gibt’s hier irgendwo Wasser?

Endlich sehen wir auch mal Einheimische, denn die fehlen am Ballermann. Unser erstes Ziel ist Palmas Kathedrale, die gleichzeitig auch eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Der Eintritt kostet uns 7 Euro, 3 Euro hätten’s auch getan.

Umhauen tut uns das alte Gemäuer bei weitem nicht. Zwar sind die bunten Fenster und ihre Reflektionen ein Hingucker, aber mehr verzaubert uns hier nicht. Jana hat sich auf eine Bank gesetzt und scrollt in ihrem Handy rum: “Ich hab Kreislauf!”

10:15 Uhr: Ab durch die Altstadt und wieder zurück

Nach der Kathedrale schlendern wir durch die Altstadt. Die zahlreichen Jugendstilgebäude erinnern an Barcelona. Die verwinkelte Gassen und kleine Plätze mit Cafés lassen selbst Jana den Ballermann für kurze Zeit vergessen: “Echt schön hier!”.

Zur Belohnung gönnen wir uns ein Eis. Man kann hier wirklich von Gönnen reden: 2,40 Euro für eine Kugel! Als wir den Stadtkern erreichen nehmen wir den Bus zurück. Die Fahrt hat sich mehr als gelohnt! Auf der Rückfahrt schauen wir noch eine ganze Zeit lang aus dem Fenster und verabschieden uns von der schönen anderen Welt...  

Bevor es weiter geht, rechnen wir noch mal kurz durch: 3 Euro für den Bus, 7 Euro für die Kathedrale, 2,40 Euro für das Eis ... achja und 2 Euro für Janas Kater-Wasser.  Aktueller Kontostand: 36, 60 Euro.

11:52 Uhr: Ohhh schööön

Im Bus auf dem Rückweg entdecken wir einen Fahrradverleih. Marie-Julie hat schon in Deutschland angekündigt, dass sie in eine andere Bucht radeln will. Für 5 Euro können wir uns hier ein Fahrrad für vier Stunden ausleihen, Deal! Wir fahren los. Auf einer Linie zu bleiben, fällt mir echt schwer … Entweder bin ich noch blau oder ich hab das Fahrradfahren verlernt. Auf der Promenade werden uns mal wieder Kommentare von besoffenen Fußball-Regionalligisten hinterher gerufen, “Ey Puppe!” ist da noch harmlos.

Wir fahren direkt am Strand entlang. Der eigentlich schöne Sandstrand mit traumhaftem Meer, wird leider von lautstarken Touristen belagert. Hier saufen welche aus Eimern, da feiern sie zu Schlagermusik, dort schläft einer am Strand seinen Rausch aus. Für mich der absolute Horror, für zehntausende junge feierwütige Deutsche der absolute Traumurlaub. Ich frage mich nur: Warum?! ... und trete noch etwas fester in die Pedale.

Am Ende der Promenade fahren wir einen kurzen Schlenker. Jetzt sind wir in einer anderen Welt: Ruhe, Villen und hauptsächlich Spanier, die sich hier ihre Zeit vertreiben. Zwanzig Minuten später schließen wir unsere Fahrräder ab und klettern einen Abhang zum Wasser hinunter: Während man am Ballermann über besoffene und Bierdosen stolpert, haben wir hier eine Minibucht mit kristallklarem Wasser für uns ganz alleine! “Ich muss da jetzt rein!”, sagt Marie-Julie und springt drei Sekunden später ins Wasser.

13:19 Uhr: Das andere Mallorca

Das ist das Mallorca, was ich mir vorgestellt habe. Hier hört man die Grillen zirpen und das Meer rauschen. Nur aus der Ferne ist der Ballermann zu erkennen. Gut so. Wer hätte gedacht, dass sich nur 15 Minuten vom  diesem Wahnsinn entfernt, solch ein Paradies versteckt?

Das ist mal Entspannung pur. Gerade fühlt es sich an, als wären wir schon seit drei Tagen hier. Die Müdigkeit und der Kater sind verschwunden. “Das war die beste Idee, die wir je hatten!” Ausnahmsweise sind wir uns absolut einig. Kurz kehrt Ruhe ein. Wir sitzen für 10 Minuten einfach nur da und genießen diese unbezahlbare Aussicht für lau.

14:29 Uhr: Zurück am Ballermann

Unser Hunger zieht uns weiter. Einen Boxenstopp legen wir bei einem Italiener ein: Pizza gibt’s hier nämlich für 6,50 Euro. Der Ausblick auf die Promenade mit all den feierwütigen Urlaubern ist inklusive. Für mich ist es wie Kino, nur besser. Nach dem bezahlen sind wir um 14 Euro ärmer, aber satt und für die letzten Stunden am Strand gewappnet. 

16:47 Uhr: Die letzten Stunden Malle

Ich freue mich jetzt richtig auf den weißen Sand und das klare Wasser. Eigentlich ist S’Arenal doch ganz schön … wären da nicht die ganzen Ballermann-Urlauber. Trinkende Männergruppe zieren das Bild des Strands – bei 28 Grad im Schatten knallt der Alkohol den Jungs natürlich so richtig schön in den Kopf und das merkt man ihnen auch echt an.

“Hallo, Lady-Gaga? Heute billig, morgen teuer!” Alle fünf Minuten wird man hier angequatscht. Melone, Massage, Bier, Plüschäffchen – es gibt nichts, was nicht angeboten wird. Die Strandverkäufer erinnert mich an einen 1-Euro-Shop. Bloß, dass ich halt am Meer liege und die Preise extrem utopisch sind. Diskussion und Streitgespräche hört man dauernd. Es nervt. Aber der Blick ins Meer versöhnt mich.

17.28 Uhr: „Ich will wenigstens einmal ins Meer!“

Ich beobachte einen Helmut dabei, wie er zum zehnten Mal versucht einer Fußballmannschaft ein Äffchen anzudrehen. Sie gehören eben zur Playa wie Sangria und die Schlagersongs. Ein paar Minuten später steuert wieder jemand auf uns zu: Diesmal kein Helmut, sondern ein Deutscher mit Sonnenbrand. “Kann ich euch um einen Gefallen bitten?”, fragt er freundlich. “Kommt drauf an”, antworte ich. “Kann ich meine Sachen bei euch lassen? Meine Freunde sind alle fertig und schon auf dem Zimmer. Aber ich will wenigstens einmal ins Meer!”, sagt er. Ich nicke sofort: “Klar!” Gott, der war jetzt aber schon ein bisschen süß.

Als er zurück kommt, spendiert er uns ein Abschiedsbier. Wir quatschen über unseren Tag, Partyurlaube und echte Freundschaften. Bis Marie-Julie die grauenhaften Worte ausspricht: „Ich glaube wir müssen jetzt los...“ Ein letzter wehmütiger Blick Richtung Meer, dann biegen wir in die Straße zu unserem Hotel ein. Tschüss, Arenal! Es war mal wieder sehr schön mit dir. Vorher geht’s aber noch kurz in einen Souvenir-Laden. Wir kaufen Magnete und Armbänder für 4 Euro.

18:03 Uhr: Adios, Arenal!

Wir schnappen uns die Taschen und gönnen uns zurück zum Flughafen ein Taxi für 21 Euro. Auf dem kühlen Lederrücksitz fühle ich mich wohl. Während der Fahrt Richtung Flughafen,  stelle ich endgültig fest, dass der Trubel am Ballermann nichts für mich ist. Mit dem Blick aus dem Fenster und den vorbeikommenden Malle-Touristen muss ich an die vergangenen 24 Stunden denken. “Unterhaltsam war es ja, trotz allem ,” gestehe ich Jana ein. Sie nickt zufrieden und sinkt ebenfalls erschöpft in ihren Sitz. Hier Urlaub zu machen, mag für viele ein Eldorado für Party und Narrenfreiheit sein, doch nach dem Abenteuer Ballermann wieder für eine Woche Urlaub zu gebrauchen, weil zu hart gefeiert wurde, ist für mich keine Option! Klare Sache also: Ballermann - einmal und gerne NIE wieder!

19.27 Uhr: Challenge completed?

Ich bekomm schon Fernweh, bevor ich überhaupt wieder im Flieger sitze. Eins ist sicher: Mallorca, wir sind noch nicht fertig miteinander! Der Blick in die Handy-Kamera verrät uns jetzt trotzdem: Wir sind völlig fertig. Meine Haare sind mit Meerwasser getränkt, die Schultern brennen: “Du hast mega den Sonnenbrand!”, stellt Marie-Julie fest. Na, hoffentlich wird das schnell braun! Bevor wir unser Experiment beenden, zählen wir noch mal die letzten Groschen in unseren Geldbeuteln: 2,60 Euro sind noch übrig geblieben ... das reicht sogar noch für ein Wasser aus dem Automaten.

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