Der Besuch der mexikanischen „Puppeninsel“ ist eine Mutprobe.

23 Kilometer vom Stadtzentrum Mexiko Citys entfernt liegt eine Insel. Nachts kommen Jugendliche mit Booten her, um ihren Mut unter Beweis zu stellen. Schaffen sie es bis zum nächsten Morgen durchzuhalten, gelten sie als unerschrocken. Dann hängen sie eine Puppe an einen Baum.

Die „Insel der Puppen“ (spanisch: Isla de las Muñecas) mit einer Länge von 200 und einer Breite von 100 Metern ist ein verlassener Ort – nur ein Mensch lebt hier. Bis auf die Puppen und ihn verirren sich nur ein paar Touristen hierher, die sich von Einheimischen auf Booten herbringen lassen. Obwohl der Ort verhältnismäßig dicht am Zentrum liegt, braucht man circa zwei Stunden für die Überfahrt.

Die „Puppeninsel“ ist das Werk eines Mannes – das von Julián Santana Barrera. Es ist eine Geschichte von Isolation, Sammelwahn und einer lokalen Legende.

In den 50er Jahren verließ Don Julian, so der Spitzname des Mannes, seine Frau und seine Kinder, um auf der einsamen Insel als Emerit zu leben. In seiner Heimatstadt war er aufgrund seiner religiösen Predigten, dem Hang zum Alkohol, einem Leben abseits der Öffentlichkeit und dem Sammeln von weggeworfenen Puppen geächtet. Durch das Sammeln glaubte er vor bösen Geistern beschützt zu sein. Er zog auf die unbewohnte Insel im Teshuilo See.

Hier – so sagt es eine Legende – ertrank 1951 ein junges Mädchen in der Nähe des kleinen Stegs, dessen Geist nun die Insel unsicher mache. Ob Don Julian zu dieser Zeit bereits selber auf der Insel war und den Tod des Mädchens vielleicht sogar miterlebte oder ob er wegen der Legende hierher zog ist nicht bekannt – die Geschichten sind sehr unterschiedlich.

Besessen von der Legende und überzeugt, dass er die Stimme des Mädchens in der Nacht hören könne, begann er Puppen in den Bäumen aufzuhängen. So wollte er den Geist des Mädchens besänftigen und sich selbst vor dem Ertrinken retten. Als das nicht half, hackte er den Puppen Teile ab und verstümmelte sie.

Nachdem er sein landwirtschaftliches Können unter Beweis gestellt hatte und die Einheimischen auf dem Land überzeugt waren, dass er zwar geisteskrank aber nicht gefährlich war, begannen sie mit ihm zu handeln. Für Gemüse und Blumen erhielt er Puppen. Aus hunderten wurden so tausende. Barrera lebte fünf Jahrzehnte alleine auf der Insel – mit seinen Puppen.

2001 ertrank er an der selben Stelle wie das Mädchen 50 Jahre vor ihm. Während Ärzte einen Herzinfarkt diagnostizierten, gehen manche Einheimische von Ertrinken aus. Der gleiche Todesgrund wie bei dem Mädchen. Die Legende lebt weiter.

Das Format „Destination Truth“ besuchte die Insel. Hier ein kurzer, schauriger Ausschnitt.

Mittlerweile ist die Insel auch ein Ort für Touristen geworden. Da sie jedoch abseits der normalen Routen liegt, müssen Interessierte Einheimische fragen, ob sie sie zur Insel bringen können. Aber Achtung: Viele werden euch nicht dahin fahren wollen – der Aberglaube ist zu stark. Hin- und Rückfahrt kosten ganz nebenbei auch zwischen 100 und 120 US-Dollar (umgerechnet 86 bis 103 Euro).

Don Julian habe gerne Touristen empfangen, heißt es. Er habe sie dann über die Insel geführt und oftmals Geschenke erhalten. Heutzutage sitzt ein Mann am Rand des Eilands – er nimmt einen Euro Eintritt.

Quelle: Noizz.de