Es hält sich wie mit dem Essen: Kiffen macht das Ganze noch geiler.

Ich habe kurz überlegt, ob ich übertreibe, wenn ich in der Überschrift dieses Artikels schreibe, dass ich ausschließlich völlig breit durch Berlins Museen streife. Schnell musste ich mir dann aber eingestehen, dass ich in den letzten Monaten vor jedem einzelnen Ausstellungsbesuch genüsslich an einem Joint gezogen habe.

Als ich einer Freundin aus der Heimat kürzlich von eben dieser Vorliebe berichtete, konnte ich die großen Fragezeichen am anderen Ende der Leitung nur so aus ihrem Kopf ploppen hören. Sie kifft nicht. Sie geht aber mindestens genauso gerne in Museen wie ich. Und ich bin mir sicher: Sie hat dabei nicht weniger Spaß.

Im letzten Jahr haben laut dem „Deutschen Hanfverband“ 2,8 Millionen Menschen Cannabis konsumiert Foto: deanna_j / unsplash.de

Wie erklärt man also jemandem, der die Wirkung von Cannabis nicht kennt – und somit nicht zu schätzen weiß – was bitte schön so geil daran sein soll, leicht verpeilt und mit vorübergehender Kurzzeitgedächtnisstörung durch Räume voller Bilder oder Skulpturen zu latschen?

Ein Versuch.

Erst einmal muss festgehalten werden, dass das Rauchen von Gras – wie der Konsum jeder anderen Droge auch – für jeden eine unumstritten individuelle Erfahrung ist. Die Dosis, die Cannabis-Art, der eigene State of Mind und die Umgebung beeinflussen das Rauscherlebnis.

Abgesehen davon lassen sich im Falle eines positiven Rausches fünf grundlegende körperliche Veränderungen feststellen – vier davon machen einen Museumsbesuch für mich das entscheidende Mü interessanter:

1. So fühlst du high im Museum

Wenn alles glatt läuft, folgt auf den Joint ein euphorisches Gefühl mit gleichzeitiger emotionaler Gelassenheit. Diese unschlagbare Kombi ist der Grundpfeiler meiner großartigen Kunst- und Weed-Erlebnisse. Die Kollabo aus Euphorie und Entspannung – das muss man dazu sagen – ergibt sich allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Der gemeine Konsument weiß, dass das Weed-High stark von der eigenen Verfassung beeinflusst wird. Wenn man also emotionale Belastungen verspürt oder sich am Museumsbesuchstag nicht wohlfühlt, sollte man von einem berauschten Museumsgang lieber die Finger lassen.

2. So denkst du high im Museum

Das Spannendste am Kiffen ist für mich aber nicht die mentale Entspannung, sondern die veränderte Art des Denkens. Übliche Denkmuster verabschieden sich in den Hintergrund und machen Platz für neue Ideen oder Einsichten.

Wie die Wissenschaftlerin Gráinne Schafer vom University College London 2011 feststellte, kann kreatives Denken mit dem Konsum von Cannabis in Verbindung gebracht werden. Laut „Psychology Today“ nimmt die Forscherin an, dass das Gehirn durch den Cannabis-Wirkstoff Gedanken verknüpfen kann, die im rauschlosen Zustand in keiner Beziehung zueinander gestanden hätten.

Was kann es also Besseres geben, als sich mit seiner angerauchten Super-Kreativität an Orte zu begeben, die den einzigen Sinn verflogen, Kreatives zu präsentieren.

Cannabis gehört zu den beliebtesten, illegalen Drogen. Foto: lexscope / unsplash.de

3. So verändert sich deine Wahrnehmung high im Museum

Macht sich der Cannabis-Wirkstoff in deinem Körper breit, wird deine subjektive Wahrnehmung intensiviert. Dinge, die dir sonst als nebensächlich erscheinen, können deutlich in den Vordergrund treten.

Der Rauschzustand durch gewisse Drogen ruft außerdem sogenannte Visuals hervor. Im Falle von LSD siehst man besonders starke, kaleidoskopartige Formen, die sich auch mit geschlossenen Augen weiter entfalten. Aber auch beim Kiffen verändert sich die eigene Optik. Cannabis sorgt ebenfalls – auch, wenn nicht so intensiv – dafür, dass man visuelle Veränderungen wahrnimmst. Video und Bilder erscheinen viel intensiver, Fotos können einem eine ganz andere Welt eröffnen.

Eine großartige Voraussetzung, um sich zum Beispiel die farbenfrohen Werke in der Ausstellung „Pissing in the River again“ (alleine der Name bereitete meinem breiten Gehirn den größten Spaß) im Kunstraum Bethanien in Kreuzberg reinzuziehen.

4. So kommunizierst du high im Museum

Das Schönste an einem highen Museumsbesuch ist aber, wenn du dabei Gesellschaft hast. Jemandem bei dir zu haben, mit dem du über das intensive Erleben der Kunstobjekte quatschen kannst, ist Gold wert. Dabei geht das Erlebnis über das Staunen hinaus. Bekanntermaßen macht Gras nicht nur geselliger, sondern auch unverblümt albern.

Zusammenfassend …

Stell dir also vor, du stehst nicht nur euphorisch und entspannt zwischen Gemälden und Skulpturen – und kannst dich deshalb viel leichter auf das Gesehene einlassen. Du bist außerdem in der Lage, die Kunst aufgrund neuer Denkmuster viel kreativer als sonst zu interpretieren.

5. So wirkt sich das High auf dein Gedächtnis aus (der einzige Nachteil)

Abgesehen von den vielen Vorteilen verändert sich auch das Kurzzeitgedächtnis. Was du vor wenigen Augenblicken gesehen hast, gerät schneller in Vergessenheit als sonst. Was in Gesellschaft allerdings besonders amüsant sein kann.

Das große Aber

An dieser Stelle soll noch einmal ganz deutlich gesagt sein, dass Jugendliche in jedem Fall auf den Konsum von Cannabis verzichten sollten. Das Gehirn ist erst mit Ende 20 vollständig entwickelt und kann im Gegensatz zum ausgewachsenen Gehirn von Erwachsenen möglicherweise Schaden davon tragen.

Quelle: Noizz.de