In den meisten US-Bundesstaaten ist Gras mittlerweile legal erhältlich – unter bestimmten Voraussetzungen. Klingt nach unendlicher Freiheit, aber sehen wir der Wahrheit ins Auge: Auch die legale, medizinische Produktion von Cannabis in den USA unterdrückt systematisch Schwarze.

Seitdem der gewaltsame Tod des Schwarzen George Floyds durch einen Polizisten, eine neue Black-Lives-Matter-Protestwelle in den USA ausgelöst hat, kommen jeden Tag neue Ungerechtigkeiten ans Tageslicht. Auch das Drogenbusiness bleibt davon nicht verschont. Die legale Cannabis-Industrie in den USA ist da nicht anders als die Fashion-Industrie. Aktivisten, Ärzte und Unternehmer fordern nun Cannabis-Konsumenten auf, den systematischen Rassismus der Branche abzubauen, wie das Online-Magazin "Mashable" berichtet.

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Ein Bericht der Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU) geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, für Schwarze wegen Marihuana-Besitzes verhaftet zu werden circa 3,64-mal höher ist – obwohl sowohl weiße, als auch Schwarze Cannabis etwa gleich häufig konsumieren. Obwohl seit 2010 immer mehr Staaten Marihuana legalisieren und entkriminalisieren, hätten sich die nationalen Trends zwischen Schwarzen und Weißen nicht verringert.

2018 habe es laut ACLU tatsächlich mehr Verhaftungen bei Schwarzen wegen Marihuana gegeben als 2015. In manchen Bundesstaaten war die Wahrscheinlichkeit, dass Schwarze wegen Marihuana-Besitzes verhaftet wurden, sogar sechs- bis zehnmal höher.

Cannabis als Wellnessprodukt der Weißen, Marihuana als kriminelle Dealer-Ware

CBD-Tropfen für den Wellnessfaktior – in den USA vor allem für weiße Menschen.

Auch in der Vermarktung legaler Cannabisprodukte zeigt sich der Rassismus: So werden viele legale Cannabisprodukte medizinisch vermarktet für eine überwiegend weiße Zielgruppe, die sich Stressabbau und Wellness einiges kosten lässt. Der Begriff "Marihuana" wirst du in diesen Shops vergeblich suchen – denn er ist ebenfalls rassistisch konnotiert. Er kommt von mexikanischen Gastarbeitern, die so ihre Joints nannten.

Im Zuge des "War on Drugs" wurde der Begriff für Propagandazwecke missbraucht und wird bis heute eher mit kriminellen Machenschaften als heilsamer Wirkung in Verbindung gebracht.

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White Privilege gibt es auch beim Drogenkonsum

Die Cannabisindustrie ist zu einem milliardenschweren Business in den USA geworden. Laut Mashable wird sie 2020 etwa 77 Milliarden US-Dollar Umsatz machen, das sind umgerechnet etwa 68 Milliarden Euro. Tendenz: steigend. Dass sich auch in diesem florierenden neuen Wirtschaftszweig Unterschiede innerhalb der konstruierten "Rassen" breitmachen, ist verheerend und bedeutet neben dem Klischee kriminell zu sein, auch mehr Armut.

Der Grund dafür ist tief in der US-Gesellschaft verwurzelt: Generationen lang wurde der Krieg gegen Drogen propagiert, indem immer wieder Schwarze in Gangs und Latinos zur Rechenschaft gezogen wurden – und sie stigmatisierte.

Cannabis

Die meisten Schwarzen dealen auch heute weiterhin illegal mit Gras, die wenigsten schaffen den Sprung in die Legalität. 2017 waren nur knapp über vier Prozent aller legalen Cannabisunternehmer Schwarz. Zum Vergleich: 81 Prozent aller im Business sind weiß. Das liegt auch daran, dass es hohe juristische Hürden gibt, um ins Weed-Business einzusteigen.

Wenn du zum Beispiel irgendwann einmal in deinem Leben illegal mit Drogen erwischt wurdest, bekommst du keine Lizenz. Und leider ist das bei der Mehrheit von Schwarzen Menschen viel häufiger der Fall als bei weißen. Fakt ist es in den USA auch, dass Schwarze viel seltener einen Gründungskredit für ihre Firma bekommen, selbst wenn alle Voraussetzungen stimmen. Auch hier machen sich also finanzielle Nachteile bemerkbar aufgrund von systematischen Rassismus.

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Quelle: Noizz.de