Um Patienten zu retten, müssen die Ärzte teilweise zu drastischen Maßnahmen greifen.

Die Zahl der Toten nach dem Gebrauch von E-Zigaretten in den USA liegt bei 42, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC. Auch die Zahl der Erkrankten ist auf 2172 bestätigte Fälle gestiegen. Vor einer Woche hatte die CDC noch von 39 Toten und 2051 Kranken berichtet.

Im vergangenem Monat erhielt ein erkrankter 17-Jähriger eine beidseitige Lungen-Transplantation. In Deutschland und auch europaweit ist bislang kein ähnlicher Anstieg von Lungenschädigungen bekannt. Die Beschwerden scheinen sich weiterhin auf Nutzer in Nordamerika zu beschränken.

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Die Zahl der Zigaretten-Raucher in den USA sank 2018 auf 13,7 Prozent der Erwachsenen, was der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung dieser Zahlen vor rund 50 Jahren ist. Weitere 3,2 Prozent der Erwachsenen benutzen E-Zigaretten, vor allem junge Erwachsene gebrauchen deutlich öfter E-Zigaretten. Zigaretten sind dadurch trotzdem noch das am weitesten verbreitete Tabak-Produkt. Die CDC rät vom Rauchen und vom Gebrauch von E-Zigaretten ab.

Die Ursache für die Lungenschäden nach dem Gebrauch von E-Zigaretten ist immer noch nicht vollständig geklärt. Als eine mögliche Ursache war zuletzt ein aus Vitamin E gewonnenes Öl, ein Vitamin-E-Azetat, ausgemacht worden. "Es handelt sich um das erste Mal, dass wir eine mögliche besorgniserregende Chemikalie in Proben von Patienten mit diesen Lungenkrankheiten entdeckt haben", hatte die Behörde mitgeteilt. Es müsse aber noch weiter geforscht werden.

In Deutschland sind die Zusammensetzungen der Wirkstoffe von E-Zigaretten generell strenger reguliert als in den USA. Das sogenannte α-Tocopherylacetat – und auch andere Vitamine und THC – dürfen den Liquids von E-Zigaretten nicht zugefügt werden. THC (Tetrahydrocannabinol) steckt in Cannabis und ist hauptsächlich für die berauschende Wirkung verantwortlich.

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Zu den möglichen toxischen Wirkungen von α-Tocopherylacetat (Vitamin E-Acetat) sei bisher wenig bekannt, sagte Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). "Bisherige Bewertungen betrafen hauptsächlich den Kosmetikbereich, weil eine unbeabsichtigte Inhalation von Vitamin-E-Acetat durch bestimmte Produkte wie Haarsprays vorkommen kann." Dort kommen aber nur sehr geringe Mengen auf und die Risiken werden dementsprechend gering eingeschätzt. "Die aktuellen Vorfälle in den USA stehen dagegen mit einer deutlich höheren Exposition in Verbindung."

Vor einigen Jahren wurde die Verwendung von Vitamin E-Acetat als Tabakzusatzstoff diskutiert, weil durch die antioxidativen Eigenschaften erwartet wurde, dass der Tabakrauch weniger toxisch ist, erklärte Henkler-Stephani. Das BfR habe sich dagegen ausgesprochen, weil keine gesundheitsfördernde Wirkung erkennbar war und die gesundheitliche Unbedenklichkeit einer dauerhaften Anwendung von gerauchtem α-Tocopherylacetat nie belegt wurde.

"Auch aktuell liegen nur wenige und zum Teil widersprüchliche toxikologische Daten zur inhalativen Aufnahme von α-Tocopherylacetat vor." Aufgrund ihrer strukturellen Eigenschaften könnte sich die Substanz auf dem Flüssigkeitsfilm der Lungenbläschen sowie in den Membranen der Lungenepithelzellen anreichern, so Henkler-Stephani. "Bei entsprechend hohen Gehalten könnten Beeinträchtigungen des Gasaustausches sowie Gewebeschädigungen und Entzündungsreaktionen auftreten."

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Vitamin E-Acetat wird in den USA seit einiger Zeit zur Verdünnung "irregulärer" THC-haltiger Dampfprodukte verwendet, die zumeist in vorgefüllten Kartuschen erhältlich sind, sagte der BfR-Experte. "Einige Schwarzmarktprodukte wurden von Scheinfirmen sogar unter eigenem Markennamen verkauft". Analysen THC-haltiger Kartuschen in Utah haben sehr hohe Vitamin-E-Acetat-Gehalte von 31 bis 88 Prozent ergeben. "Nach jetzigem Kenntnisstand ist anzunehmen, dass derartig hohe Dosierungen schwere respiratorische Erkrankungen auslösen können", sagte Henkler-Stephani. Die THC-Gehalte hätten in diesen Proben deutlich unter den angegeben Werten gelegen.

"Vitamin-E-Acetat ähnelt in Konsistenz und Färbung den THC-Ölen und kann sogar höherwertige Konsumeigenschaften vortäuschen." Die Substanz scheine vorwiegend zur Streckung, also zur Produktmanipulation verwendet worden zu sein, "möglicherweise, um auf Lieferengpässe und Preissteigerungen für Cannabis zu reagieren".

Dass α-Tocopherylacetat auch in Deutschland in Liquids enthalten ist, ist zumindest für reguläre und rechtskonforme Produkte sehr unwahrscheinlich. "Nikotinhaltige Liquids dürfen nach den tabakrechtlichen Bestimmungen keine Vitamine enthalten", erklärte Henkler-Stephani. "Für einzelne E-Liquids wurde Vitamin E trotzdem als Inhaltsstoff gemeldet." Ob die Produkte tatsächlich im Handel sind oder bereits beanstandet wurden, ist unklar. "Nach Kenntnisstand des BfR gab es in der EU bisher keine Notifizierung von Vitamin-E-Acetat-haltigen Liquids."

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[Text: Zusammen mit dpa / Regina Wank und Christina Horsten]

Quelle: Noizz.de