Chemische Drogen sind der schmale Grad zwischen euphorischer Ekstase und dem Tod. Während Ketamin nicht gerade für seine Todesfälle bekannt ist, bucht man Nahtoderfahrungen im K-Hole beim Konsum der Droge quasi mit dazu. Wissenschaftlicher erklären nun, warum man ins K-Hole fällt.

Ketamin gilt eigentlich immer als Schmerzmittel für Pferde, wird in Wahrheit aber auch in der Humanmedizin, sprich Anästhesie, verwendet – oder eben um 04:00 Uhr morgens auf irgendeinem Floor im Berghain, Corona mal außen vor gelassen. Keta ist quasi die Droge der Stunde und hat sich in den letzten Jahren seinen Platz neben Ecstacy, Koks und MDMA auf deutschen Techno-Dancefloors erobert.

Keta.

In der medizinischen Verwendung wirkt Ketamin als Schmerzmittel, bei dem Patient*innen bei Bewusstsein bleiben, ohne, dass körperliche Schmerzen zum Gehirn durchdringen. Erfahrungsberichte vom Gebrauch als Partydroge zeigen, dass bei richtiger Dosierung ein halluzinogener Rausch erlebt wird, bei dem sich Raum und Zeit aufzulösen scheinen.

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K-Hole Basics

Das Ding bei Keta ist, dass das mit der richtigen Dosierung immer ein kleiner Glücksgriff ist, der im schlimmsten Fall im sogenannten "K-Hole" endet. Wer im K-Hole landet, der erlebt Nahtoderfahrungen und das Gefühl, seinem eigenen Körper entzogen zu werden, kann sich nicht bewegen und wirkt nach außen wie bewusstlos, obwohl das nicht der Fall ist.

Das Berghain ohne Schlange. Eigentlich undenkbar, aber Corona machts möglich.

Ketamin vs. Gehirn

Eine Studie, die in "Scientifc Reports" erschien, und von A.U. Nicol und A. J. Morten der Cambridge-Universität durchgeführt wurde, kann nun endlich erklären, was während des "K-Holes" passiert: Das Gehirn wird ausgeschaltet beziehungsweise schaltet sich aus. Für ihre Studie haben sie Schafen Ketamin gegeben und über den Verlauf der Wirkung die Gehirnaktivitäten untersucht. Sechs Schafe haben eine erhöhte Dosis des Wirkstoffes bekommen und zum Zeitpunkt, an dem menschliche Konsumenten von Nahtoderfahrungen berichten, haben sich die Gehirne der Schafe einfach abgestellt – um wenige Minuten später wieder "ganz normal" weiter zu laufen. Für die Wissenschaftler*innen ein Phänomen, das sie noch nie zuvor beobachtet hättet.

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Keta bis zum Herzstillstand

"Das war nicht einfach nur eine verringerte Gehirn-Aktivität. Nach der erhöhten Ketamin-Dosis haben die Gehirne der Schafe komplett gestoppt. Das haben wir nie zuvor gesehen", so Morton. "Ein paar Minuten später haben die Gehirne wieder normal funktioniert. Das war, als hätte man sie einfach aus- und eingeschaltet."

Für Nicol und Morten ist das Ergebnis eine mögliche Erklärung des K-Holes. Die Dosierungen, die Menschen nehmen, sind allerdings ungefähr sieben Mal höher als die der Schafe. Damit können sie nicht nur psychische Schäden verursachen, sondern auch die Leber angreifen und sogar bis zum Herzstillstand führen.

Quelle: Noizz.de