Im Internet sorgt gerade ein Video für Aufsehen, das die Streitkräfte des größten mexikanischen Drogenkartells zeigt. CJNG hat seit El Chapos Verhaftung das Land übernommen. Sie posieren mit Panzern, Waffen und eigenem Logo. Die großspurigen Aufnahmen sagen einiges über die politische Situation in Mexiko aus.

Ein gefühlt endlos langer Konvoi von Panzern und anderen militärischen Fahrzeugen, dazwischen, dadrauf und dadrin perfekt ausgerüstete Soldaten in Ganzkörper-Uniform, die lauthals schreiend ihre Maschinengewehre in die Luft halten, einer ballert einfach in die Luft – die Männer grölen. Was man für eine übermütige Inszenierung der Armee eines Staats halten würde, sind in Wahrheit Streitkräfte von Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG), dem mächtigsten mexikanischen Drogenkartell seit der Verhaftung von El Chapo.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Mächtigstes mexikanisches Drogenkartell spricht Bände über politische Lage des Lands

Was als virales Video gerade weltweit durch das Internet geistert, gibt einen guten Einblick in die politische Situation Mexikos – die dem Einfluss der Drogenkartelle nach wie vor kaum etwas entgegenzusetzen haben.

>> Die Erben von "El Chap": Wie Drogen-Kartelle Mexiko ausbluten lassen

El Chapos Verhaftung im Jahr 2016 fühlte sich an, wie ein Machtzeichen der US-amerikanischen und mexikanischen Regierung. Doch sollte der einst größte Drogenboss des Landes recht behalten, als er im Interview mit "Rolling Stone" prophezeite, seine Festnahme könnte der Macht mexikanischer Kartelle nichts anhaben.

Im Video deutlich zu erkennen: "CJNG" steht in Farben der mexikanischen Flagge unübersehbar auf Fahrzeugen und Anzügen der Kriminellen. Das muss man sich mal vorstellen: Die schreiben sich ihre illegale Machenschaft offen sichtbar auf die Fahnen, nichts mit Versteckspielchen.

Auf Twitter versucht Sicherheitsminister Alfonso Durazo, einen kühlen Kopf zu bewahren: "Es gibt keine kriminelle Vereinigung, die den staatlichen Sicherheitsbehörden trotzen kann. Schon gar nicht mit so einer Inszenierung." Das sind Worte, die mit der mexikanischen Realität kaum in Einklang zu bringen sind.

>> "Operation Python": US-Behörden gelingt Schlag gegen mächtigen mexikanisches Drogenkartell

Der Drogenboss El Chapo: Das Sinaloa-Kartell war unter seiner Führung das mächtigste Drogenkartell der Welt – bis zu seiner Verhaftung 2016.

Drogenkrieg in Mexiko: Erschütternde Realität und Aussagen der Regierung passen nicht wirklich zusammen

Wie der "Spiegel" berichtet, wurden in Mexiko allein im April 337 Frauen ermordet – der Rekordwert seit Beginn der Statistik im Jahr 2020. Trotz Corona wurden im Jahr 2020 bis Juni 17.982 Morde registriert. Natürlich gehen die nicht alle auf Kosten der CJNG. Es gibt auch etliche andere Kartelle, die den mexikanischen Drogenkrieg seit Jahrzehnten zur Alltagshölle für Bürger*innen machen und untereinander täglich mit militärischen Konflikten um Vorherrschaft ringen.

Wie groß und einflussreich das eher junge CJNG unter Anführer "El Mencho" wirklich ist und noch wird, wird sich zeigen. Die Fußstapfen von Pablo Escobar und El Chapo sind groß. Wegen Korruption und Schmiergeldern ist der Kampf gegen die Drogenbanden für den mexikanischen Staat unfassbar schwer zu führen, ganz unabhängig von ihrer militärischen Stärke.

Quelle: Noizz.de