Franka ist 30, macht Karriere in Berlin – und geht gerne feiern. Zwar sehr viel moderater als noch vor ein paar Jahren, aber den langen Nächten in der Hauptstadt hat sich definitiv noch nicht abgeschworen. Trotzdem will sie einen ganz bestimmten Rausch nie wieder erleben. NOIZZ erzählt sie von ihren Erfahrungen mit der beliebten Partydroge G – und warum sie mittlerweile ein absolutes No-Go für sie ist.

Ich war so 25 – da habe ich das erste Mal G genommen. Zu der Zeit raste ich auf dem Peak meiner Party-Karriere durch Berliner Clubs und Hauspartys. Eine extrem spaßorientierte Phase, in der ich mich von links nach rechts durchs komplette Drogen-Regal getanzt habe und jedes Glitzern mitnahm, das ich finden konnte. Heute würde ich G nicht mehr als glitzerndes Highlight bezeichnen. Damals eigentlich auch schon nicht, wenn ich’s mir genau überlege. Dafür war es mir einfach schon immer zu viel Felgenreiniger, to be honest.

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Von Felgenreiniger und "K.O.-Tropfen"

G, auch Liquid Ecstasy genannt, ist eine farblose Flüssigkeit und – richtig gelesen – eigentlich Felgenreiniger. Dementsprechend ist G eine sehr günstige Partydroge, quasi legal erhältlich. Schlimmer: Wenn du mal wieder von einer Vergewaltigung in den Medien liest, bei der dem Opfer "K.O.-Tropfen" in den Drink gemischt wurden, dann handelt es sich dabei um G.

Der dazugehörige Rausch lässt sich ungefähr so beschreiben: Stell dir vor, dein Kopf ist ein Luftballon, in den jemand eine volle Ladung Viagra kippt. Sobald das Viagra im Kopf ankommt, macht wer einen Knoten in dein Gehirn. Sauerstoffmangel! Puff! Du willst Sex in jeder Stellung. Mit jedem.

Ich persönlich mochte an G vor allem, dass es wie ein komprimierter Ecstasy-Rausch zu handlen war. Die Wucht eines Teils auf ein paar Minuten zusammengepfercht. Ich liebte, dass es schnell ging, geil geballert hat – und nicht lange anhielt. Heute sehe ich das anders. Ich konsumiere G nicht mehr, und will es auch nie wieder. Das hat viele Gründe und manifestierte sich vor einigen Jahren an einem Partyabend in Berlin, der mich locker mein Leben hätte kosten können.

Der Abend fing an wie viele andere Abende in dieser Zeit: Ich hatte in einem Berliner Club aufgelegt und ein paar meiner Freunde regulierten den Dancefloor. Ab und an kamen sie vereinzelt zu mir hinters Pult und zogen eine Line unter dem Tisch oder brachten mir Shots. So ging das ein paar Stunden, bis gegen Ende des Auflegens statt meiner Freunde plötzlich meine Ex-Freundin bei mir hinter dem Pult stand – und den 500. Rettungsversuch unserer Beziehung starten wollte. Um das Ende unserer den Bach herunter gegangene Liebe zu beschreiben, reicht ein Wort: Psychoterror.

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"Ich und mein Gehirn waren längst nicht mehr fähig, zielführende Entscheidungen zu treffen."

Weswegen ich mir dann auch direkt Shots und Lines ohne Mass und Ziel hinter die Stirnfalten transportierte und versuchte, sie irgendwie abzuwimmeln. Als sie nach meinem Gig immer noch nicht von meiner Seite gewichen war, waren ich und mein Gehirn längst nicht mehr fähig, zielführende Entscheidungen zu treffen. Ich ging mit einer Bekannten, die G dabei hatte, auf eine Clubtoilette und ballerte mir eine Dosis in den Rachen. Als meine Ex-Freundin an die Türe klopfte, um noch einen Versuch zu starten, unser Verhältnis um 04:00 Uhr morgens auf Drogen zu kitten, folgte eine Kurzschlussreaktion, die ich bis heute bereue. Ich dachte mir: "Ich komme aus dieser Situation nur raus, wenn ich mich komplett rausschieße."

Danach erinnere ich mich nur noch an Ausschnitte: Das war einmal meine Ex, die von außen weiter an die Klotür hämmerte und ich, die die G-Flasche noch einmal von der Bekannten in die Hand gedrückt bekam. Ich weiß noch, dass ich da schon dachte, dass das eigentlich keine gute Idee ist: Sich nach 15 Shots und ebenso vielen Lines ‘ne doppelte Dosis G zu geben? Well.

Der nächste Moment, an den ich mich erinnere, war ich im übergelaufenen G-Fass: Ich lag auf dem Boden. Vorm Club. Ein Stück neben mir meine Ex, die einen Polizisten schubste. Und ein alter Kumpel aus meiner Heimat stand über mir, der da eigentlich nicht hätte stehen sollen — und fragte mich, ob alles gut sei. Die ganze Situation machte mich unfassbar wütend, weil ich zwar wenig wusste, aber eines sicher: Nichts war gut! Daran erinnere ich mich noch. Dann wurde ich wieder ohnmächtig.

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Als ich wieder zu mir kam, lag ich im Bett meiner Ex. Sie saß neben mir. Neben ihr der Kumpel aus der Heimat. Ich wusste weder, wie er, noch wie ich dahin kamen. Ich stand auf und ließ mir erklären, was passiert war. Danach wollte ich einfach nur weg. Also so weit wie möglich und eigentlich auch nie wieder darüber sprechen, was da passiert ist.

Ich habe erfahren, wie ich mich auf G benommen habe, wie ich mit den Türstehern und Barleuten des Clubs gesprochen habe und dass ich als unbändiges Arschloch, das dann den Club verlassen musste, plötzlich einen epileptischen Anfall vor der Türe erlitt. Als Polizisten helfen wollten, hatte meine Ex Angst vor den Folgen und fing an die Beamten zu beleidigen, was – wie jeder weiß – keine sehr gut überlegte Idee ist.

"Zu hören, was für ein Arschloch ich war und wie ich mich benommen hatte, war sehr schlimm für mich."

Die Story zu hören war so beschämend. Ich hatte die komplette Kontrolle verloren, nicht nur über meinen Körper, sondern auch über meinen Geist – und mich in einen Menschen verwandelt, der ich im Inneren nicht bin. Auch, dass meine Ex, die eigentlich gar keinen Einfluss mehr über irgendwas in ihrem Leben hatte, plötzlich für kurze Zeit die Kontrolle über mich hatte, konnte ich in diesem Moment nur schwer verarbeiten.

Ich hab' in meinen Leben schon viele Drogen genommen und das sicher oft nicht in ungefährlichen Maßen, aber mir war bei jedem noch so heftigen High bewusst, wo ich bin, wer ich bin und was ich tue. G hingegen kann dich komplett von den Schienen ziehen und einen absoluten Totalschaden verursachen.

Leuten, die darüber nachdenken, G auszuprobieren, sage ich immer: Versucht es, wenn ihr unbedingt wollt. Aber in minimalen Mengen, ohne Alkohol und andere Drogen. Dazu sei gesagt, dass es sich mit G verhält, wie mit allen Rauschmitteln: Es kommt immer auf die Person an. Ich kenne viele Leute, die G konsumiert haben. Manche haben aufgehört, manche sind umgestiegen auf Meth und andere komplett drauf hängen geblieben. Ich kenne auch Leute, die es "normal" nutzen und auch ohne G können.

Aber: Wenn du den Teil im Drogenregal, in dem G zu finden ist, auslassen kannst, dann tu das auf jeden Fall. G macht aus meiner Erfahrung sehr abhängig und lässt wundervolle Menschen verdummen – und wenn du schon high sein willst, dann gibt es weitaus geilere Rauschmittel für weitaus geilere Highs. Schoko-Space-Cakes zum Beispiel, und die schmecken auch noch.

Protokolliert von Lisa Kempke

Quelle: Noizz.de