Nirgendwo wird mehr illegaler Schlafmohn angebaut als in den Wüsten Afghanistans. Aus dem Saft der Mohnsamen lässt sich Opium gewinnen – die wichtigste Zutat für Heroin. Obwohl für kleine und mittelgroße Heroin-Produzenten Umweltschutz wahrscheinlich das Letzte ist, woran sie denken, steigen in Afghanistan immer mehr dieser Mohnbauern auf Solarenergie um – und verbessern ihren Gewinn damit erheblich.

Alternative Energien schön und gut für die Umwelt, aber wie sieht es mit der wirtschaftlichen Rentabilität aus? Richtig gut sieht es damit aus. Anstelle der üblichen Öko-Verdächtigen mit Klimaprognosen und Moral-Keule im Gepäck, sorgen gerade kriminelle Heroin-Produzenten für Schlagzeilen dank Ökostrom. Was geht da vor?

Runde 80 Prozent des in Afghanistan produzierten Heroins stammt aus dem Süd-Westen. In erster Linie aus der Provinz Helmand, der gefährlichsten Ecke im ganzen Land. 80 Prozent der afghanischen Produktion, das sind ungefähr zwei Drittel der globalen Heroin-Produktion – Afghanistan dominiert den Weltmarkt.

Ernte von Schlafmohn

Heroin & Solarenergie – so funktioniert es

Was mittlerweile kein Geheimnis mehr ist: Die Produktion von Drogen ist eine Katastrophe für die Umwelt. Gerodete Wälder, Böden voller Chemikalien und der Kohlenstoffausstoß beim internationalen Transport sprechen eine klare Sprache: Mutter Natur spielt nur so lang eine Rolle, wie sie Drogenbauer mit den nötigen Substanzen versorgt. Alles in allem ist Helmand also der letzte Ort der Welt, an dem man so etwas wie ökologisches Bewusstsein vermuten würde.

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Doch wie "BBC" berichtet, verlässt sich heute quasi ganz Helmand beim Anbau von Schlafmohn auf Solar-Panels. Das Prinzip ist dabei immer das Gleiche: Bauern graben ein Loch bis zum Grundwasser, legen eine elektrische Pumpe und lassen diese mithilfe einer Anlage von mehreren Solar-Panels betreiben. Durch das Grundwasser können sie so den eigentlich trockenen Wüstenboden bewässern – umsonst. Mit 5.000 Euro Startkosten bekommt man die Pumpe inklusive Solar-Panels. Danach läuft der Laden von alleine. Nach Dr. Mansfield, der die letzten 25 Jahre über afghanische Heroinbauern geforscht hat, ist es die größte technische Innovation, die er dort je beobachten konnte – denn Heroin ist für die Bauern so günstig herzustellen wie nie zuvor.

Afghanistan: seit Jahrzehnten im Kriegszustand – gegen politische Terrorgruppen aus dem eigenen Land, sowie gegen internationale Truppen, die nicht nur afghanischen Terror, sondern gleich ganz Afghanistan angreifen.

Durch das quasi kostenlose Wasser können Bauern nun auch Gebiete bewässern und bepflanzen, die eigentlich ungeeignet sind – in der Wüste. Aufnahmen der Landschaft zeigen, wie viel grüner die eigentlich trockenen Gebiete Afghanistans in den letzten Jahren geworden sind.

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Afghanistan trocknet aus. Warum auch Ökostrom nichts gegen die Umweltschäden von illegalem Drogenanbau bewirkt

Unabhängig von der beispielhaften Nutzung der Solar-Panels und damit von Ökostrom, ist leider nicht alles rosarot. Denn der Heroinanbau senkt den Grundwasserspiegel des gesamten Lands und trocknet Afghanistan immer weiter aus. Langfristig geht das so nicht gut. Außerdem gelangen ungehindert Pestizide in den Boden und verschmutzen das kostbare Wasser.

Was lernen wir? Solarenergie ist wirtschaftlich rentabel, Drogenanbau fickt die Umwelt – und trotzdem kann beides Hand in Hand gehen.

Quelle: Noizz.de