In Europa werden die Drogen genommen, die aus Afrika, Asien und Südamerika kommen. So war das lange. Inzwischen werden viele Drogen, egal ob synthetisch oder natürlichen Ursprungs, auch bei uns in riesigen Mengen hergestellt. Das wird zum Problem für unsere Umwelt, wie Zahlen der EU-Kommission zeigen.

Hier mal ein Joint, am Wochenende eine Line Koks im Club oder eine Ecstasy-Pille – alles kein Problem, solange man sich keine Gedanken darüber macht, wohin die Substanzen später gehen – oder welche Ressourcen für ihre Produktion draufgingen. Aus Sicht der EU-Kommission wird die illegale Herstellung synthetischer Drogen im "industriellen Maßstab" zu einem immer größeren Umweltproblem bei uns.

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Jährlich würden tonnenweise chemische Abfälle illegal entsorgt, heißt es in einem nun veröffentlichten Aktionsplan gegen Drogen in Europa. Bei der Herstellung von einem Kilogramm Amphetamine fielen beispielsweise bis zu 30 Kilogramm Abfälle an. Hinzu kämen Chemikalien aus der Herstellung von Vorprodukten. Insgesamt entwickle sich Europa vom Kontinent der Drogennutzer zum Exporteur von Rauschgiften, sagte die für Sicherheit zuständige EU-Kommissarin Ylva Johansson.

„Wir produzieren synthetische Drogen (...) im industriellen Maßstab in der Europäischen Union.“

30 Milliarden Euro macht das illegale Drogenbusiness in Europa

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Der neue Anti-Drogen-Plan soll helfen, die Bürger binnen fünf Jahren spürbar besser gegen die vielfältigen Gefahren des Drogengeschäfts zu schützen – von Gesundheitsrisiken, über Gewaltkriminalität, Korruption und Drogenmissbrauch in Gefängnissen bis hin zu den Umweltlasten.

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Laut dem EU-Drogenbericht aus dem Jahr 2019 ist das Nummer-eins-Aufpuschmittel in Europa mit weitem Abstand Kokain. Vor allem in der jungen Zielgruppe ist es beliebt: Etwa 2,6 Millionen Menschen zwischen 15 und 34 Jahren hätten die Droge 2017 konsumiert. Und ob du es glaubst oder nicht, dein Kokskonsum lässt sich im Abwasser nachweisen. Die am meisten illegal konsumierte Droge in Europa ist aber immer noch Cannabis – trotz Teillegalisierung. Aber auch für die Zucht der Cannabispflanzen gehen Wasser- und Energieresosurcen drauf.

Cannabis

Die EU-Kommission kann mit ihrem Plan aber nur koordinieren. Sie stellte "strategische Prioritäten" vor, an denen sich die EU-Staaten ausrichten sollen, darunter der verstärkte Kampf gegen Drogenkartelle, der Ausbau von Gesundheitsvorsorge sowie Therapieplätzen.

Der Drogenhandel sei die wichtigste Geldquelle für die rund 5.000 Verbrecherorganisationen in der EU, mit denen Korruption, Auftragsmorde und andere Straftaten finanziert würden. Die illegalen Umsätze werden auf 30 Milliarden Euro geschätzt. Allein 100 Tonnen Kokain seien im vergangenen Jahr beschlagnahmt worden, sagte Johansson.

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[Text: Zusammen mit dpa / sw]

Quelle: Noizz.de