"Wall Street Market" war eine der größten Onlineplattformen, um an Stoff zu kommen. Vor gut einem Jahr flogen die Betreiber auf. Nun wird ihnen der Prozess gemacht. In einem Interview mit dem Funkformat "STRG_F" und dem "Spiegel" zeigt sich der Betreiber wenig einsichtig. Für ihn war der Shop eher ein Start-up.

Es klang nach einem perfekten Plan: In einem stillgelegten NATO-Bunker in Traben-Trarbach in Rheinland-Pfalz standen rund 400 Server für eine Darknet-Infrastruktur, mit der Cyberangriffe und auch Geschäfte mit Drogen, Falschgeld und Kinderpornografie abgewickelt wurden. Der Ort war abgeschirmt von der Öffentlichkeit und hatte NATO-Sicherheitsstandards. Eine der Seiten, die über diesen Server gehostet wurden: "Wall Street Market". Der Shop war der zweitgrößte Darknet-Marktplatz für Drogen. Geschätzter Umsatz: 40 Millionen Euro.

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War wohlgemerkt. Denn Anfang Mai 2019 flog der "CyberBunker", wie sich die Serverhosting-Firma nannte, auf. Nun, ein Jahr später, beginnt der Prozess gegen die Betreiber. Der "Wall Street Market" funktionierte wie ein ganz normaler Onlineshop: Per Mausklick konntest du dir Koks, Ecstasy, Gras und Co. in den Warenkorb packen. Bezahlt wurde mit Bitcoins, geliefert wurde per Post, die Ware konntest du sogar bewerten. Bequemer als jeder Straßenkauf.

Die drei mutmaßlichen Täter, die nun vor Gericht angeklagt sind, verkauften die Drogen zwar nicht selbst, die stellten aber die Plattform bereit. Für jeden Verkauf erhielten sie eine Provision. Im Prinzip also schon irgendwie digitale Dealer, oder nicht? Die Beschuldigten sehen das ein bisschen differenzierter. So sagt einer der Betreiber in Interviews mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" und dem Funk-Format "STRG_F":

″Der Unterschied ist, dass wir nicht selbst Drogen verkaufen. Wir haben die Plattform angeboten. Natürlich ist das auch nicht in Ordnung, ich will das nicht schönreden. Aber ich finde, das ist schon noch ein Unterschied. Es ist ja nicht so, dass wir mit Kokain oder Gras durch die Gegend gefahren sind. Ich hatte so was nie in der Hand.″

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Hier kannst du das ganze Interview mit dem "Wall Street Market"-Betreiber bei STRG_F sehen:

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Vier Jahre lang waren die Behörden den Cyberkriminellen auf der Spur. Denn die Betreiber haben den Bunker legal für 450.000 Euro erworben, ein Business angemeldet und versprachen dem Kreis mit ihrem neuen Datenzentrum Arbeitsplätze für die Region. Mit der Zeit gab es natürlich Gerüchte: Einige vermuten, es gebe eine Hanf-Plantage dort, andere denken dort wird Giftmüll gelagert. Als der Bürgermeister von Traben-Trarbach sich bei den Betreibern für einen Besuch anmeldete, konnte er nichts dergleichen feststellen. Was auf den Servern lag, konnte er ja nur schwer überprüfen.

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Aber egal wen man von den Betreibern befragt, alle betonen die technische Seite ihrer Dienstleistung – und das sie mit den kriminellen Geschäften ja eigentlich nichts zu tun hatten. Sie sind sich keiner Schuld bewusst. Besser noch: Eigentlich wussten sie gar nicht, was auf den Servern gehostet wurde. Eine Haftstrafe wegen Beihilfe zum Drogenhandel droht den Angeklagten aber trotz allem.

  • Quelle:
  • Noizz.de