Gibt es Bio-Fairtrade-Kokain?

Wie viel Quadratmeter Wald gehen eigentlich für dein gepflegtes Näschen im Berghain drauf? Wie viel Wasser schluckt dein Feierabend-Blunt? Und wie viele Leichen liegen im Keller deine Emma-Schorle?

Drogen funktionieren basically so: Du nimmst eine Substanz, die schlecht für deinen Körper ist und dich bei regelmäßigem Konsum wahrscheinlich in irgendeiner Form abhängig macht, und hast dafür ein paar Minuten oder auch Stunden eine geile Zeit. Gesundheit gegen Glück – ein Handel, der sehr geil sein kann, der katastrophal sein kann und der jedem selbst überlassen sein sollte.

Klimawandel wegen Hanf-Plantagen?

Aber wessen Gesundheit rauben Drogen eigentlich auf ihrem Weg von der Herstellung bis zum geruchsneutral verpackten Produkt in der Baggy? Achtung, Spoiler: die Gesundheit der Umwelt. Um mal ein bisschen Licht ins Dunkel deiner berauschenden Chemiekeulen zu bringen, haben wir in die Tasten gehauen und präsentieren dir folgendes Listicle, mit dem du koksende Öko-Veganer der Doppelmoral überführen oder durch deinen eigenen verantwortungsbewussteren Drogenkonsum ein bisschen was für deinen ökologischen Fußabdruck tun kannst.

Ready für den grünsten Schuss seit Fixer Fans von Greta Thunberg sind? Wir haben deine Lieblingsdrogen nach ihrer Umweltschädlichkeit sortiert:

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Keep in mind

Vor allem illegaler Drogenanbau ist schädlich. Unter staatlicher Kontrolle könnten extrem viele Umweltschäden vermieden werden. In der Regel werden Drogen aber nicht staatlich kontrolliert angebaut, sondern heimlich, weil Drogen staatlich verboten sind. Deshalb bezieht sich unser Ranking auf den illegalen Anbau. Oder, sag selbst: Ist auf deiner Baggy etwa ein offizielles staatliches Siegel der Niederlande oder von Kolumbien?

Schlafmohn

6. Heroin

Heroin entsteht auf der Basis von Schlafmohn – eine genügsame Pflanze, die gut mit wenig Wasser und wenig Nährstoffen auskommt. Zu gut. Deshalb besiedeln Afghanen ihre Wüstenregionen zunehmend mit Schlafmohn. Was erst mal clever klingt, ist verheerend: Dann die Pflanzen ziehen sich ihr Wasser aus tiefen, solarbetriebenen Brunnen, was den Grundwasserspiegel immer weiter sinken lässt. Außerdem werden unkontrolliert Pestizide verwendet, die das Grundwasser vergiften. Nachzulesen zum Beispiel bei "VICE". Weltweit ist die Heroinproduktion leicht rückläufig und ohnehin ist Heroin schon länger keine Modedroge mehr und nicht ansatzweise so verbreitet wie Koks oder Gras. Aber dennoch: Afghanistan trocknet stellenweise immer weiter aus.

>> Von Heroin bis Schlaftablett: Das sind Deutschlands Süchte

Tabak bei der Trocknung

5. Tabak

Tja, liebe Raucher, ihr dachtet wohl, ihr seid hier nicht mit im Rennen? Nix da! Unmengen an Wasser, Dünger und Energie dreht ihr euch in eure Ziesen. Und was kommt dabei heraus? Klimaschädlicher Rauch. Nach einer Studie des "Deutschlandfunks" ist der Wasserverbrauch eines Rauchers zehnmal höher als der eines Fleischessers. Zehn! Mal! Natürlich gibt es heute richtig viele Gelegenheitsraucher. Aber für alle richtigen Raucher, die über 50 Jahre circa 20 Zigaretten pro Tag wegziehen: Ihr verbraucht im Laufe eures Lebens 1,4 Millionen Liter Wasser, eine Anbaufläche von 3.200 Quadratmetern und 1,3 Tonnen Öl an fossiler Energie.

Insgesamt wird hier aber "nur" Wasser verbraucht. Das könnte schlimmer sein. Noch gibt es Wasser auf der Erde. Trotzdem: Bedenkt man, wie viele Menschen auf der ganzen Welt Tabak rauchen, kann man sich vorstellen, wie viel Wasser dabei draufgeht (Auflösung: viel zu viel).

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4. Crystal Meth

Methamphetamine sind – wer hätte es gedacht – synthetische Drogen. Bei deren Herstellung chemische Abfälle entstehen. Die einfach in den Boden geschüttet werden. Wodurch in Südostasien, wo viel Meth produziert wird, immer mehr Grundwasser verunreinigt wird. Fische und andere Tiere im Wasser sterben. Pflanzen können nicht mehr wachsen. Ganze Ökosysteme werden zu langfristig ruiniert. Die Lebensqualität der Menschen sinkt und führt dazu, dass diese teilweise ganze Landstriche verlassen und umsiedeln.

Zu den synthetischen Drogen gehören unter anderem auch Speed, LSD, GHB oder Ketamin. Die globalen Umweltschäden halten sich dabei aber in Grenzen der Popularität der Drogen.

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3. Marihuana

Wirklich jeder kifft heutzutage. Und mit "wirklich jeder" meine ich "echt viele". Aber no joke: Wenn man durch irgendeine beliebige Straße Berlins spaziert, riecht man garantiert alle paar Hundert Meter verbranntes Marihuana in der Luft. Kiffer, bereit für eure größte Klimasünde in Zahlen und lateinischen Schriftzeichen?

Ein einziger Joint setzt circa 4,5 Kilo Kohlenstoffdioxid frei. Natürlich nicht der Joint an sich, sondern der Weg zum Joint. Das kann man zum Beispiel in der "Wirtschaftswoche" nachlesen.

Die große Krux beim Gras ist: Eigentlich könnte man das Kraut easy draußen anbauen und wachsen lassen. Da das aber nun mal fast überall auf der Welt verboten ist, züchten immer mehr illegale Weed-Bauern ihre Plants indoor – und verbrauchen dabei unfassbar viel Strom. Das brauchen die empfindlichen Pflanzen nämlich: frische Luft, die richtige Temperatur, feste Schlafzeiten und das Ganze – je nach Wachstumsphase – mal wärmer, mal kälter, mal anderes getaktet. Das frisst Saft, und der kommt nicht von ungefähr: Der kommt aus Kraftwerken.

Illegaler Outdoor-Anbau ist leider auch nicht das Wahre: Hanf hat nämlich auch ordentlich Durst und will vor Insekten und Befall geschützt werden. Ohne staatliche Auflagen nimmt Hanf-Bauer da natürlich das Pestizid seiner Wahl, und das ist in der Regel ein starkes. Viel zu starkes. Umweltzerstörendes.

Fazit: Dein Blunt hat 'nen verdammt großen CO2-Fußabdruck. Auch, oder gerade dann, wenn dein Homie das Zeug selbst in seinem Wandschrank hochzieht.

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MDMA

MDMA, Ecstasy, Molly

Alles das Gleiche. MDMA ist ein chemisch erzeugter Stoff, der Glückshormone ausschüttet und als Pulver entweder direkt aufs Zahnfleisch gerieben oder auch gerne als Getränk (Emma-Brause oder -Schorle) gesippt wird. Eine Ecstasy-Pille enthält in der Regel eine Mischung aus MDMA und Speed – macht also glücklich und wach. Eine Molly ist MDMA in Pillenform.

Believe it nor not, aber ein Großteil des weltweiten MDMAs wird von Gangs in den Niederlanden hergestellt, die sich die Rohstoffe klassischerweise aus Kambodscha importieren. Das ist direkt der zweifache Spatenstich ins Herz von Mutter Erde.

Zur Gewinnung von Safrol (ein klassischer Grundstoff für die MDMA-Produktion) geht ordentlich Grün drauf. Das Öl wird aus dem Cinnamomum Partheonxylon gewonnen, einem Baum, der in einem Urwald in Kambodscha wächst, in dem mehr als 50 bedrohte Tierarten leben. Zur Gewinnung des Öls werden die Bäume des Waldes gefällt und mit Feuerholz (das man praktischerweise ebenfalls aus dem Urwald nimmt) dampfdestilliert. Der Holzverschleiß ist damit nicht nur groß, sondern sogar noch größer, als er eigentlich sein muss. Gegen das Safron-Öl wurde aber erfolgreiche Anti-Drogen-Politik gemacht. Deshalb …

… deshalb gibt es mittlerweile ein neues Verfahren, das ohne Safrol auskommt (super), dafür aber noch mehr chemische Abfälle produziert, als ohnehin schon anfallen (nicht super).

So oder so: Die niederländischen Gangs verursachen bei der Produktion der Drogen jede Menge umweltschädlichen Mist und kippen diesen praktischerweise einfach in Parks, Wälder, Kanalisationen oder auf die Straße: Salzsäure, Schwefelsäure und Aceton. Am einfachsten geht es aber in entlegenen Naturschutzgebieten. Weil da niemand ist, wird man da auch nicht erwischt. Erst massig MDMA produzieren und danach nicht mal erwischt werden: klassische Win-Win-Situation. (JK).

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1. Kokain

Kokain wird durch ein chemische Verfahren aus der Kokapflanze gewonnen, die fast ausschließlich im Dschungel Kolumbiens und Perus angebaut wird. Beim Prozess der Herstellung werden verschiedene gesundheitsgefährdende Stoffe (zum Beispiel Zement, Ammoniak, Benzin, Aceton, Salzsäure) verwendet, die in den Boden sickern und diesen verseuchen. Ein Gramm Koks zerstört in etwa vier Quadratmeter Regenwald, wie die "Süddeutsche" schon vor fast zehn Jahren berichtete. In 17 der 59 ökologisch geschützten Naturparks Kolumbiens wird mittlerweile Kokain hergestellt. Wer sich dem vor Ort in den Weg stellt, wird umgelegt, wie erst im August 2019 eine Reportage des "ZDF" gezeigt hat.

Den Regierungen gefällt der illegale Anbau auch nicht. Also bekämpfen sie die Gebiete regelmäßig mit Pestiziden, die nicht nur die Kokapflanzen, sondern natürlich auch alle anderen Pflanzen, Lebewesen und Mikroorganismen zerstören oder wenigstens bedrohen. In Kolumbien sind zum Beispiel 2015 Flugzeuge mit einem Pestizid im Schlepptau angerückt, von dem nicht einmal klar war, ob es nicht auch krebserregend ist.

Tatsächlich könnte Kokain eigentlich wie Kaffee angebaut werden und unter Einhaltung von Umweltstandards sogar in Bio-Qualität und Fairtrade. Dafür bedürfte es allerdings eines legalen und regulierten Markts, wie "VICE" in einer umfassenden Doku zeigte.

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  • Quelle:
  • Noizz.de