Seitdem CBD, der nicht psychoaktive Stoff aus der Cannabispflanze, in Deutschland legalisiert wurde, kann man sich vor immer neuen CBD-Produkten quasi kaum retten. In Berlin kannst du dir dein CBD-Gras sogar wie eine Pizza bis vor die Haustür liefern lassen. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen – und haben den Gründern direkt ein paar Fragen gestellt.

Wenn man die "Urban Greens CBD"-Boutique in Berlin betritt, fühlt man sich, wie in einer kleinen "Großstadt-Oase" – so nennt Nanjing, die den Laden gemeinsam mit ihrem Partner Toni gegründet hat, den Shop auch gerne selbst. Ein großer Vintage-Apothekenschrank dient in der Mitte des Raumes als Tisch für die CBD-Sorten, eine Glasvitrine enthält CBD-Getränke, Cookies, Brownies, und Co. Auf der anderen Seite steht ein weiteres Regal – voller CBD-Ölen, Vapes und Tees. Und direkt daneben: das Keyboard, auf dem Nanjing bei Meditationen – die wegen Corona gerade online stattfinden – Live-Musik spielt und Mantras singt. Drumherum eine Menge Pflanzen. Es lässt sich hier sehr gut aushalten.

"Wir legen hier sehr viel Wert auf die Liebe zur Natur, zum Ursprünglichen und die Liebe zu uns selbst", sagt Nanjing. Die beiden 31-jährigen Gründer wollen mit "Urban Greens" ein Komplettpaket schaffen. "Es geht bei uns nicht nur um CBD und Rauchen, es geht um Gesundheit und darum, einen Platz zu schaffen und eine Community aufzubauen." Toni stimmt zu: "Wir wollen nicht der typische 0815- Headshop sein. Wir wollen den Leuten ein ganzes Paket bieten. Da ist CBD der Hauptbestandteil, aber wir bieten auch Meditationen, CBD-Massagen, Live-Events und Pop-Ups an."

Wir haben mit Toni und Nanjing von "Urban Greens CBD" in Berlin gesprochen und ihren Lieferservice getestet. Im NOIZZ-Talk haben die beiden uns außerdem verraten, wie CBD genau wirkt und angewendet werden sollte, und warum es auch – oder vielleicht sogar besonders – für Kiffer interessant ist.

Nanjing und Toni von "Urban Greens CBD" im NOIZZ-Interview

NOIZZ: Was ist CBD?

Toni von "Urban Greens": CBD ist neben THC der Hauptwirkstoff aus der Cannabispflanze. THC wirkt psychoaktiv, hat darüber hinaus aber noch viele weitere Vorteile. CBD hat die gleichen Vorteile, aber ohne die psychoaktive Wirkung.

Nanjing von "Urban Greens": Neben CBD und THC gibt es übrigens auch noch ganz viele andere Cannabinoide, die therapeutische Effekte haben, zum Beispiel CBG, CBC und CBN.

Wie wendet man CBD an?

Nanjing: Es gibt sehr viele verschiedene Anwendungsbereiche, die alle mit dem Endocannabinoid-System, also unserem körpereigenen Cannabinoid-System zusammenhängen. Mir hat CBD vor allem bei meiner Depression geholfen, um meine inneren Heilprozesse in Verbindung mit Meditation in Gang zu setzen. Es hilft aber auch gegen Schmerzen und Schlaflosigkeit, Migräne, Anxiety und Stress – das ist alles auch wissenschaftlich gut belegt.

Toni: Das ist auch das Feedback zu den Anwendungsbereichen von CBD, das wir von unseren Kunden bekommen. Im Grunde hängt auch alles zusammen: Schlaflosigkeit kann zum Beispiel durch Stress hervorgerufen werden.

CBD ist wie die gute kleine Schwester von THC, die man gerne vorzeigt.

Was kann CBD für Kiffer?

Nanjing: Wir selbst kamen zum CBD durchs Kiffen, deshalb finde ich CBD gerade auch für Kiffer besonders interessant. Langjähriger THC-Konsum kann irgendwann umschlagen in Negativität, Ängste, Paranoia, Sucht. Die meisten Kiffer wollen das nicht zu geben und sagen: Mir tut das gut, ich bekomme mein Leben trotzdem auf die Reihe. Das ist auch das, was ich ständig gesagt habe, obwohl es langsam nicht mehr so war. Bis man sich selbst eingesteht: Ich bin süchtig.

CBD hilft übrigens auch, von jeglicher Art von Sucht wegzukommen – sei es Alkohol, Nikotin. Es geht darum, seinem Körper bewusst etwas Gutes zu tun. CBD ist wie die gute kleine Schwester von THC, die man gerne vorzeigt (lacht). CBD hat keine psychoaktive Wirkung. Es geht darum, bewusst in deinem Körper zu sein, dich zu konzentrieren und entspannen, nicht um den Rausch oder darum, sich wegzuballern.

Man kann THC und CBD sehr gut kombinieren. Es gibt den sogenannten Entourage-Effekt: Die Cannabinoide und alle Duftstoffe, die in der Cannabispflanze enthalten sind, unterstützen und verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Das heißt, wenn du CBD und THC mischst, verstärken die sich gegenseitig. Es ist eine sehr geile Sache. Sollte jeder Kiffer ausprobieren. Das eine zu nehmen heißt nicht, dass man das andere nicht mehr nehmen muss.

Wir haben damit angefangen, tagsüber mehr CBD zu rauchen, um fokussiert zu bleiben und nicht so träge zu werden. Nachts zum Entspannen oder Einschlafen dann THC.

Toni: Die meisten Kiffer wissen gar nicht, wie viel CBD in ihrem Gras eigentlich drin ist. In den USA kannst du mittlerweile Weed anpassen, also etwa 10 Prozent CBD mit 10 Prozent THC.

Also ist es für jede Person unterschiedlich?

Nanjing: Genau, jeder braucht eine andere Dosis. Es ist ja eine Heilpflanze, die leider missbraucht wird. Wenn man sie aber richtig anwendet, kann jeder davon profitieren. Wir sehen es deshalb als unsere Aufgabe, zu entkriminalisieren und zu entstigmatisieren. Deutschland hinkt da echt hinterher.

Toni: CBD ist der erste Schritt in Richtung Legalisierung und da sollte man das volle Potenzial ausschöpfen. In der Forschung und Medizin wird CBD gerade sehr gut angenommen.

Nanjing: Wir würden sagen, CBD ist ein guter Einstieg um die Leute von der Pflanze zu überzeugen. Für die Kiffer ist es auch interessant. Die nehmen die ganze Zeit sowieso schon CBD, ohne dass sie es merken, denn im THC-Weed ist auch CBD drin.

Es geht darum, bewusst in deinem Körper zu sein, dich zu konzentrieren und entspannen, nicht um den Rausch oder darum sich wegzuballern.

Wo ist der Unterschied zwischen den CBD-Blüten und dem Öl?

Nanjing: Die CBD-Blüten sind sehr beliebt, aber am gesündesten und effektivsten ist die Einnahme von dem Öl. Das macht man direkt unter die Zunge. Hier kann man auch von einer Langzeitwirkung sprechen. Wenn man CBD nur aus therapeutischen Gründen nehmen möchte, dann sollte man das nicht rauchen, sondern als Öl einnehmen.

Toni: Wenn du CBD rauchst, hast du einen schnelleren Effekt, es geht schneller ins System, dafür aber einen kurzfristigen. Mit dem Rauchen ist durch die Inhalation natürlich auch eine gewisse gesundheitliche Gefahr verbunden, aber es geht schneller ins System.

Nanjing: Für Anxiety und Depression hat mir das Öl wirklich sehr geholfen. Man bekommt so ein inneres, warmes Gefühl.

Toni: Die Blüten und Öle wirken unterschiedlich an jedem Körper, das haben wir auch an uns selbst bemerkt.

Die CBD-Blüten sehen optisch eigentlich genauso wie THC-Gras aus.

Wie verwendet man die Produkte dann genau?

Toni: Die beste Methode ist eine Mischung aus beidem, Öl und Blüten. Aber Nichtraucher sollten beim Öl bleiben. Unsere Philosophie ist auf jeden Fall: less ist more.

Nanjing: Genau, man sollte niedrig anfangen, um sich an die individuell richtige Dosis heranzutasten. Es gibt keinen Richtwert. Man muss selbst herausfinden, was für einen am besten ist.

Gibt es Nebenwirkungen oder Risiken?

Nanjing: Es gibt keine großen Nebenwirkungen. Wenn du jetzt natürlich die Flasche auf einmal austrinkst, kann es sein, dass dir schlecht wird (lacht).

Toni: Bei höheren Dosen wirst du müde.

Nanjing: Was viele ja auch wollen. Aber gerade im Vergleich zu synthetischen Medikamenten, gibt es wirklich keine Nebenwirkungen. Bevor jemand zu Antidepressiva greift, sollte er CBD ausprobieren – ein natürliches Antidepressivum.

>> Neue Fallstudie: Kann CBD Drogenabhängigkeit und Depression behandeln?

Wie seid ihr auf die Idee mit dem Shop gekommen?

Nanjing: Wie haben letztes Jahr im November eröffnet. Wir sind durch unsere Liebe zur Cannabispflanze auf die Idee gekommen. Außerdem kommt Toni aus Österreich, wo auch unsere Produkte herkommen.

Toni: Wir haben uns in Berlin kennengelernt, als wir beide zu Besuch hier waren. Wir hatten beide den Traum nach Berlin zu ziehen. Es war Schicksal – und dann ging alles Schlag auf Schlag. Auch mit dem Laden ging es ganz schnell, nachdem wir beide unsere Liebe zur Pflanze gefunden haben. Wir haben sofort das Potenzial in CBD gesehen.

CBD ist ein guter Einstieg um die Leute von der Pflanze zu überzeugen.

"Erdbeerli"-CBD bei "Urban Greens" in Berlin

Wo kommen die Produkte her?

Nanjing: Unsere Produkte stammen alle aus organischem Indoor-Anbau in Österreich.

Toni: Genau, die Produkte kommen aus Österreich, so wie ich selbst. Ein sehr guter Freund von uns betreibt eine große Indoor-Glashaus-Halle außerhalb von Wien, in der er CBD anbaut. Wir waren dort selbst vor Ort und haben uns Produkte ausgesucht. Alles ist organisch und ohne Pestizide. Hohe Qualität von der Produktion über die Ernte bis zu den österreichischen Böden.

Unsere Produkte sind hoch an CBD und haben, wie für den deutschen Markt bestimmt, weniger als 0,2 Prozent THC. Bei uns gilt Qualität vor Quantität: Wir haben derzeit vier CBD-Straines hier und wechseln die immer wieder durch, um zu schauen, welche Sorten bei unseren Kunden am besten ankommen.

Aktuell bekommt ihr bei "Urban Greens" diese Sorten.

Der Test

Als meine CBD-Lieferung bei mir ankommt, bin ich schon einmal vom Aussehen begeistert. Alles kommt schlicht, aber schick verpackt in einer weißen Tüte mit "Urban Greens CBD"-Logo. Drinnen sind drei fertig gedrehte CBD-Joints in unterschiedlichen Geschmäckern: "Erdbeerli", "Green Gold" und "Lemon", ein CBD-Tee, ein CBD-Brownie und CBD-Blüten, die wiederum in schlichten Metallboxen verstaut sind. (Was genau in der Tüte ist, bestimmt jeder bei der Bestellung natürlich selbst.) Der Geruchstest fällt schon einmal sehr positiv aus: Alle Sorten riechen ziemlich lecker – beerig, zitronig, na ja und eben nach Gras.

"Urban Greens CBD"

Die fertig gedrehten Joints sind ein Segen für all die, die vorher noch nie Joint oder Zigarette gedreht haben – oder für unterwegs. Die losen CBD-Blüten haben mir als Nicht-Kiffer aber besonders Spaß gemacht: Ich kaufte zum ersten Mal einen eigenen Grinder und Longpapers, baute meinen ersten CBD-Joint und war am Ende ziemlich zufrieden (Stolz auf meine Leistung oder CBD-Effekt? Sucht's euch aus!). Meine Freunde sind vor allem davon begeistert, dass es Blüten mit bis zu 19,7 Prozent CBD gibt. Bekannt waren bisher eher Sorten mit 8 bis 12 Prozent.

Fazit

Der Lieferservice für CBD-Produkte funktioniert – und macht Spaß. Wer für den Abend mit Feunden oder Netlix & Chill mit der Pizza in Zukunft auch CBD geliefert bekommen will, ist bei "Urban Greens" auf jeden Fall bestens aufgehoben. Die Produkte sind qualitativ hochwertig, mit Liebe verpackt und tun das, was CBD tun soll: entspannen. Wie effektiv die langfristige Einnahme von CBD ist, kann ich aktuell natürlich noch nicht bewerten. Ich werde ab jetzt aber öfter CBD-Joints rauchen – zur Entspannung, gegen Schmerzen und weil es Spaß macht, gerade in der Runde mit Freunden.

"Urban Greens CBD"

Grundsätzlich gilt: Wer von CBD Verballertheit erwartet, wird enttäuscht werden – so funktioniert CBD einfach nicht. CBD wirkt sehr sanft und unterschwellig – wer sich aber darauf einlässt, wird den Effekt merken. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein zumindest teilweiser Wechsel auf die nicht-psychoaktiven CBD-Blüten insbesondere auch für Kiffer große Vorteile haben könnte.

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Zum Schluss ein Gedanke, der mir während des Tests nicht aus dem Kopf ging: Wie krass wäre es, wenn wir uns in Zukunft nicht nur CBD-, sondern auch THC-Gras ganz legal vor die Haustür liefern lassen könnten – in verschiedenen Geschmacksrichtungen, mit individuell zusammengestellten CBD- und THC-Prozentsatz und verarbeitet in Cookies und Ölen. Ich zumindest kann's kaum erwarten. Bis dahin regelt "Urban Greens".

Mehr zu Toni und Nanjing und "Urban Greens CBD" findest du auf der Website oder auf Instagram.

Quelle: Noizz.de