„Keeping up with Wladimir“ oder eher: wöchentliche Propaganda fürs russische Volk.

Präsident Putin liebt alle Menschen, ist in Top-Form, und so einschüchternd, dass sogar Bären ängstlich kuschen – das ist in etwa der Ton, der in der ersten Folge der neuen Sendung angeschlagen wurde.

Die wurde am Sonntagabend zur besten Sendezeit auf dem staatlichen Fernsehsender „Rossiya 1“ ausgestrahlt und zeigt den russischen Präsidenten beim Urlauben in der wilden, sibirischen Taiga. Bergsteigen und Beeren sammeln inklusive.

„Private Einblicke“: Putin beim Wandern – natürlich fit wie ein Turnschuh.
Foto: / dpa

Das Ganze mutet an wie eine Bear-Grylls-Wildnis-Expedition ­– nur eben auf putinisch:

Also keine Gefahrensituationen, die eine Schwäche des Präsidenten zeigen könnten (denn dieser Mann hat keine Schwächen), dafür einen Studio-Kommentator, der den russischen Politiker regelmäßig in den Himmel hebt aka ihm in den Arsch kriecht.

Zwei der kommentatorischen Höhepunkte:

„Das ist wilde Natur, dort gibt es Bären! Die Bodyguards sind bewaffnet, nur für den Fall. Obwohl, Bären sind keine Idioten – wenn die Putin sehen, werden sie sich richtig verhalten.“ WTF?

Auch schön:

„Wenn Putin mit der Mutter eines Kindes spricht oder ein Kind anschaut, ist klar, wie sehr er Kinder liebt. Er hat eine menschliche, aufrichtige Einstellung gegenüber Kindern“, erzählt der (hoffentlich gut bezahlte) Moderator. Dmitri Peskow, Kremlsprecher und Studiogast, antwortet darauf (gar nicht einstudiert): „Putin liebt nicht nur Kinder, er liebt Menschen im Allgemeinen.“

Wow. Erzähl das bitte mal der russischen LGBTQ-Szene.

Eine Stunde lief die Sendung, die von nun an Einblick in die wöchentlichen Aktivitäten Putins geben soll – schließlich muss der dringend Nähe zum Volk zu schaffen:

Nur wenige Stunden vor der Ausstrahlung hatten sich Tausende in der Nähe des Kreml-Sitzes in Moskau versammelt, um gegen unpopuläre Rentenreformen zu protestieren, die Putins Zustimmungswerte gerade ziemlich in den Keller getrieben haben. Über 50% der russischen Bevölkerung sind laut einer unabhängigen Meinungsumfrage gegen die Pläne der Regierung zur Erhöhung des nationalen Ruhestandsalters. Autsch!

In der Sendung wurden die Proteste (Überraschung!) nicht erwähnt – nur Lobesreden auf die Bereitschaft des Präsidenten gesungen, die Verantwortung für notwendige Reformen zu übernehmen.

Natürlich hagelte es für das neue Format ordentlich Kritik.

Der Online-Oppositionskanal „TV Doschd“ verglich die Rossiya-1-Show mit dem sowjetischen Personenkult um Wladimir Lenin – ein Vergleich, den auch Twitter-Nutzer trafen.

Andere Kritiker wunderten sich, wie zur Hölle die staatlichen Medien eigentlich noch mehr Präsentationsfläche für den russischen Präsidenten frei machen konnten ­– denn eigentlich taucht der eh schon überall auf: Alleine im März widmete der Fernsehsender Putin mehr Sendezeit als allen anderen Kandidaten der russischen Präsidentschaftswahlen zusammen.

Hier könnt ihr euch einen Zusammenschnitt der Sendung (mit englischen Untertiteln) anschauen:

Quelle: Noizz.de