Täglich sterben 89 Menschen durch eine Kugel in den USA.

Über eine halbe Millionen Menschen haben am 24. März gegen Waffengewalt und für striktere Waffengesetze in den USA und vereinzelt in Europa demonstriert. Bei dem "March for Our Lives" sind Kinder, Eltern, Promis und Amok-Überlebende mitgelaufen.

Der Marsch wurde durch den verheerenden Amoklauf in Florida ausgelöst. Dabei wurden 17 junge Menschen ermordet und 15 verletzt. Die Diskussion wurde besonders durch die ameriikanische Waffenbehörde NRA (National Rifle Association) und Donald Trump angeheizt, da sie sich mit aller Kraft gegen härtere Waffengesetze stellten.

NOIZZ hat US-Amerikaner in Berlin nach ihrer Meinung zu Waffengesetzen und Waffengewalt gefragt:

Jordan, 28, New York

Er glaubt an das Recht, sich selber zu bewaffnen Foto: Alisha Mendgen / Noizz.de

„Ich glaube auf jeden Fall an das 2nd Amendment Right – das hebt Amerika vom Rest der Welt ab. Wenn jemand etwas Schlechtes tut, sollten andere Leute, die nie etwas Schlechtes getan haben, deswegen nicht bestraft werden. In den USA gibt es ja nicht nur ein Waffengesetz: Jeder Staat hat andere Gesetze. In NYC zum Beispiel ist es wirklich sehr schwer, eine Schusswaffe zu kaufen. Aber man kann es immer noch tun, weil das Recht es besagt. Das sollte man an anderen Orten, wo man einfach in Walmart hineinläuft und Kugeln kaufen kann, definitiv verbessern. Aber die Waffengewalt in den USA ist auf einem Allzeittief. Die Medien versuchen nur Menschen zu erschrecken."

Olivia, 27, Colorado

In ihrem Heimatstaat fand die erste Schulschießerei statt Foto: Alisha Mendgen / Noizz.de

„Ich fand mega schön, dass die Demonstration passiert ist und dass sie von Schülern ausging – so kam junge Energie rein. Ich bin auf jeden Fall für striktere Gesetze. Bis ich 12 Jahre alt war, habe ich in Colorado gelebt, in diesem Alter habe ich nicht wirklich über Waffengewalt nachgedacht. Ich komme aus dem Bundesstaat, wo Columbine (Anm. d. Red.: Amok-Lauf 1999) passiert ist, aber damals war ich noch zu jung um das zu verstehen. Natürlich überlegt man, ob das nochmal passieren kann – ich habe Familie da. Ich persönliche habe mich aber noch nie unsicher gefühlt."

Lena, 20, Kentucky

Waffen für das Jagen zu benutzen ist für sie in Ordnung Foto: Alisha Mendgen / Noizz.de

„Ich bin aus einer kleinen Stadt in Kentucky, 20 Jahre alt und lebe jetzt in Berlin. Ich bin mit Waffen und Jagd aufgewachsen. Obwohl meine Schule nie von Schusswaffengewalt betroffen war, hatten wir jeden Monat, seit ich im Kindergarten war einen Probealarm – das hat mir immer Angst gemacht. Ich wünschte, es gäbe mehr Waffenbestimmungen. Obwohl ich nicht glaube, dass es möglich wäre, sie komplett abzuschaffen. Das Tolle am „March for Our Lives“ ist, dass es nicht nur um Schießereien geht, sondern um das Bewusstsein für Waffengewalt im Allgemeinen. Ich finde es unglaublich schön, dass die jüngere Generation diese Bewegung geformt hat. Ich hoffe, dass dies zu politischen Maßnahmen führen wird."

Mo, 34, Florida

Mo stellt klare Forderungen an Donald Trump Foto: Alisha Mendgen / Noizz.de

"Das ist alles längt überfällig! Wir reden hier von Gesetzen, die über 250 Jahre alt sind. Passt die doch mal bitte der Realität an! Und dann immer diese Doppelmoral: Wenn es kein Christ ist, ist es immer ein Terrorrist und wenn es ein weißer Christ war, heißt es, er war krank im Kopf. Das ist Quatsch! Trump möchte für irgendetwas in Erinnerung bleiben, dann soll er doch der Präsident sein, der die Waffengesetze an die Realität anpasst! Denn ich fühle mich immer unsicher, wenn ich in den USA bin."

Es sieht aber nicht so aus, als ob Donald Trump auf den Willen der hunderttausenden Demonstranten und Demonstrantinnen eingehen wird – bisher schweigt der twitter-affine Präsident und sein Team zu den Forderungen und zu der Demonstration, die Geschichte schrieb.

Quelle: Noizz.de