Warum das trotzige „Jetzt erst recht“ die beste Reaktion auf den Terror ist.

Als ich heute Morgen aufwachte, hatte ich eine WhatsApp-Nachrichten auf dem Handy, sie ging ungefähr so: „Was ist in London los? So langsam wird es wirklich gruselig: Jeden Tag passiert woanders ein Anschlag.“ Mein erster Gedanke war: Das stimmt nicht. Es ist doch der Normalzustand, dass keine Bombe explodiert, niemand in Kaufhäusern um sich schießt, keiner mit einer Axt auf andere Menschen losgeht.

Dann dachte ich an die vielen Attentate, die wir kaum auf dem Schirm haben, weil sie uns – sind wir ehrlich – weit entfernt erscheinen: die Explosion vor einer Eisdiele in Bagdad, die am Dienstag gemeldet wurde, die Anschläge auf Polizisten in Kenia vor zwei Wochen. Vielleicht stimmt es ja doch, dass jeden Tag etwas passiert.

Es scheint, als wäre die Welt in Unordnung geraten. Aber viel wahrscheinlicher ist, dass sie nie in Ordnung war. In den 70er Jahren zog die RAF mit Bomben durch die Bundesrepublik. In den 90ern wurden in London öffentliche Abfalleimer abmontiert, damit die IRA keine Sprengsätze hineinwerfen konnte. Am 11. September 2001 sah ich, sah meine ganze Generation die Türme des World Trade Centers in sich zusammenstürzen, Fernsehbilder, für die wir viel zu jung waren und die wir nie vergessen werden. Wir waren ja noch Grundschüler.

Polizisten bringen nach dem Anschlag Menschen in Sicherheit Foto: Tolga Akmen / dpa picture alliance

Jetzt wird in London der Toten gedacht, schon wieder. Attentäter sind am Samstagabend mit einem Kleintransporter über die London Bridge gefahren und danach mit Messern auf Menschen losgegangen. Mindestens sieben Menschen sind tot, die Premierministerin spricht von „islamistischen Terroristen“.

Passiert ist das nur zwei Wochen nach dem Anschlag auf das Ariana-Grande-Konzert in Manchester. Damals schrieb mein Kollege Henry, selbst Engländer, in einem NOIZZ-Kommentar: „Geht zu jedem Konzert, auf das ihr Bock habt! Geht zu jedem Fußballspiel, das ihr sehen wollt, und vor allem, macht alles, was euch Spaß macht!“

Rettungskräfte an der London Bridge Foto: dpa picture alliance / dpa picture alliance

Wir entscheiden, ob wir in Angst oder in Freiheit leben. Das ist eine Binsenweisheit, die immer wieder ausgepackt wird, wenn Menschen bei einem Terroranschlag sterben. Aber es ist wahr. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen. Wir müssen weiter auf Konzerte und in Kneipen gehen, weiter U-Bahn fahren, weiter in Hochhäusern arbeiten, weiter in Urlaub fliegen und uns daran erinnern, dass dieses trotzige „Jetzt erst recht“ die beste Reaktion auf den Terror ist.

Quelle: Noizz.de