Michelle Obama sprach auf dem Parteitag der Demokraten. Und die ehemalige First Lady macht direkt klar: Ihr ist es ernst, sie ist nicht zum Spaß da. In ihrer Rede grillt sie Präsident Trump pointiert und eindeutig und zieht traurige Bilanz des jetzigen Amerika.

Michelle Obama fand eindeutige Worte. Ungewohnt scharf fiel ihre Rede auf dem Parteitag der Demokraten, der Democratic Convention, aus. Mit ihren Worten versucht sie, die demokratische Basis zu mobilisieren von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen – es ging ihr nicht darum, neue Wähler*innen zu überzeugen.

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Denn, Michelle Obama ist nicht naiv, sie weiß, dass es nur bestimmte Menschen gibt, die einer Woman of Color zuhören. Aber denen servierte sie eine Rede, die über politisches Gebaren und Machtkämpfe hinausgeht. Sie appellierte an Menschlichkeit und Liebe – und demontierte dabei Donald Trump so fein säuberlich, dass es eine einzige Freude ist, ihr zuzusehen. Hier unsere 5 Lieblingsargumente, mit denen die ehemalige First Lady den amtierenden Präsidenten grillt:

1. Trump und Corona: Ein Trauerspiel

Obama glaubt an das Amt des Präsidenten – vermutlich stärker, als Trump selbst es tut. Sie glaubt an die Verantwortung, die der oberster Machthaber der USA trägt. Sie sagt "Das Amt des Präsidenten verändert einen nicht, es zeigt, wer man wirklich ist." Sie zählt Eigenschaften auf, die sie von einem Präsidenten erwartet – und die sie bei Trump offensichtlich nicht sieht: einen klaren Kopf, einen moralischen Kompass, die Fähigkeit, auch komplexe Probleme zu verstehen und vor allem die Fähigkeit, anderen zuzuhören, um zu verstehen, welche Bedürfnisse die Menschen der USA haben.

Sie zieht Bilanz über das jetzige Amerika: Mehr als 150.000 Menschen sind gestorben, die Ökonomie ist zerstört, weil der aktuelle Präsident einen Virus zu lange heruntergespielt hat. Sie beschreibt, dass es vielen Amerikaner*innen aktuell an die Grundsubstanz gehe: Sie verlieren ihre Jobs, ihre Gesundheit, die Möglichkeiten, ihre Miete zu bezahlen. Obwohl sie hier noch nicht eindeutig wird, ist klar, was sie sagt: Es regiert ein Mann, der keinerlei Krisenmanagement an den Tag legt, der keine Strategie hat und der nicht weiß, was er tut. Noch schlimmer: Sie macht Trumps ignorantes Handeln dafür verantwortlich, dass die amerikanische Bevölkerung unter der Pandemie leidet.

2. Amerika und Rassismus

Obama spricht die Namen derjenigen aus, die ihr Leben aufgrund rassistischer Polizeigewalt lassen mussten: George Floyd und Breonna Taylor. Sie sind nur Symbol für die unzähligen PoC, die getötet wurden, weil sie die falsche Hautfarbe hatten, erklärt sie.

Obama erinnert an die Geschichte Amerikas: Sie erzählt von den Einwanderern und hoffnungsvollen Menschen, die in die Staaten gekommen sind, um dort etwas Besseres für sich und ihre Kinder zu erarbeiten. Sie spricht davon, wie viel Arbeit und Mühe das bedeutet. Und davon, dass diese Mühen aktuell nicht geachtet werden.

Am 20 Juli in San Franciso knien BlackLivesMatter-Demonstrant*innen für knapp 9 Minuten nieder, um an den gewaltsamen Tod George Floyds zu erinnern.

Trumps Umgang mit den #BlackLivesMatter-Demonstrationen, seine Art, diese als linksterroristische Unruhen abzutun, quittiert die 56-Jährige mit einem einfachen wie wahren Statement: "Die Liste der ermordeten People of Color zeigt die Tatsache, dass der Wert ihrer Leben vom obersten Amt immer noch mit Spott begegnet wird."

3. Obama fragt: Für welche Werte steht Trump?

"Ein Präsident kann einen Krieg anzetteln, oder für Frieden sorgen," erklärt Obama. Trump ist der Präsident der Spaltung, und aktuell fährt er einen Wahlkampf, der die Kluft zwischen den Menschen noch größer machen soll. Sein Umgang mit den #BlackLivesMatter-Demonstran*innen macht deutlich: Trump versucht sie als wilden Mop darzustellen, vor dem der weiße Mann große Angst haben muss.

Obama fasst zusammen: "Jedes Mal, wenn wir aufs Weiße Haus schauen mit der Hoffnung auf Führung, Trost oder irgendeine Art von Beständigkeit, bekommen wir Chaos, Spaltung und ein totales Fehlen an Empathie." Bäm!

US-Präsident Donald Trump

Bei Empathie und Nächstenliebe bleibt sie: Ihrer Meinung nach ist es der Schlüssel zu einem friedlichen Zusammenleben. Eine Eigenschaft, die sie Trump komplett abspricht: Sie beschreibt den amerikanischen Präsidenten als jemanden, der die Überzeugung hat und befeuert, dass nur bestimmte Menschen nach Amerika gehören, dass Habgier wichtig ist und dass das Einzige, was zählt, ist, zu gewinnen – und dabei auch über Leichen zu gehen. Und sie hat recht: Das, was Trump an Werten repräsentiert, ist durchtränkt von Rassismus, Egoismus und Intoleranz.

4. Obama: "Donald Trump ist der falsche Präsident für dieses Land"

Ob sich schon jemand mit einer solchen Audience getraut hat, so deutlich zu sprechen? Michelle Obama macht den Job: "Lasst mich so ehrlich und deutlich sein, wie ich kann: Donald Trump ist der falsche Präsident für dieses Land." Sie sagt, dass Trump genug Zeit hatte, um sich zu beweisen, um zu zeigen, dass er seinen Aufgaben gewachsen ist. Allerdings ist er gescheitert, wie Obama sagt.

Danach nutzt sie dieselben Worte, wie die, die Trump nutzte, als er in seinem legendären Interview mit Jonathan Swan auf die sterbenden Menschen in Amerika und die von ihm verleugneten Zahlen der Corona-Pandemie in Amerika hingewiesen wurde: "It is, what it is." – Es ist, was es ist. Trump meinte mit diesen Worten, dass man die Pandemie nun mal so hinnehmen müsse. Obama meint mit diesen Worten: Es ist Zeit, die Dinge beim Namen zu nennen. Und genau das tut sie, indem sie sagt, dass Trump nicht ins Amt des Präsidenten gehört.

5. Joe Biden – das Gegenteil von Trump?

Natürlich ist es einfach, dieser Rede zu jubeln, wenn man Trump sowieso schwierig findet. Natürlich fühlen wir, die wir irgendwo Mitte Links sind, uns bestätigt, wenn uns aufgezählt wird, was für ein unfassbarer Loser Donald Trump ist. Aber die Fakten, die Michelle Obama nutzt, und die Haltung des Präsidenten, die sie aufs Äußerste verurteilt, lassen sich nicht wegdiskutieren.

Joe Biden spricht im Rahmen seines Wahlkampfs in Delaware über systematischen Rassismus und Gerechtigkeit. Dürften auch Harris' Anliegen sein.

Menschen verlieren ihre Jobs und ihre Leben, Amerika verliert Verbündete und Geld. Weiße stehen gegen Schwarze, Menschen hassen einander, weil sie Angst haben. Das alles schafft zweifelsohne ein Amerika, für oder gegen das man sich entscheiden muss. Und genau das zeigt Michelle Obama in all seiner Konsequenz und Ausweglosigkeit in ihrer Rede auf.

Im weiteren Verlauf zeichnet sie ein Bild von Joe Biden, der dem Trumps genau entgegen steht. Er glaubt an Menschlichkeit, Wissenschaft, Empathie, hat eine lange politische Geschichte, setzt sich gegen Rassismus und Ausgrenzung ein und weiß, was es bedeutet, für das Gute zu kämpfen. Klar, sagt sie: Wählt Biden! Aber was Michelle Obama mit ihrer flammenden Rede eigentlich meint ist: Wählt NICHT Trump! Denn, und auch hier ist die ehemalige First Lady sehr eindeutig: Es kann und wird noch schlimmer kommen, wenn Trump an der Macht bleibt. Wenn diese Rede nicht zum Wählen animiert, dann wissen wir auch nicht.

  • Quelle:
  • Noizz.de