#wenigeristmehr gilt für uns alle.

Das Plastik kacke ist, weiß mittlerweile jeder. Den eigenen Kunststoffkonsum runter zu schrauben, ist aber oft gar nicht so einfach. Klar lässt sich der Jutebeutel zum Einkaufen mitnehmen, läuft man aber an Supermarkt- oder Drogerieregalen entlang, ist fast alles in Plastik verpackt – selbst Obst und Gemüse, das doch selbst eine schützende Schale besitzt.

In Deutschland werden pro Kopf und Jahr ganze 220 Kilogramm Verpackungsmüll verursacht. Na, wer will das auf 82,79 Millionen Menschen hochrechnen? Unser unnötiger und umweltschädlicher Mega-Plastikverbrauch soll jetzt endlich geändert werden: Denn gestern startete unter dem Motto #wenigeristmehr die Kampagne „Nein zur Wegwerfgesellschaft“ des Bundesumweltministeriums. Das erklärte Ziel: Durch gesetzliche und freiwillige Maßnahmen Plastikmüll vermeiden. Um das zu erreichen, veröffentlichte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) einen 5-Punkte-Plan, der dringend nötige Schritte im Kampf gegen Plastik und für mehr Recycling aufzeigt.

So sehen die 5 Punkte gegen Plastikmüll im Detail aus:

1. Verbot überflüssiger Plastik-Produkte

Bye, Bye Strohhalm, Plastikgeschirr & Co! Die Bundesregierung will sich dem europaweiten Verbot von Einweg-Plastikartikeln anschließen, das noch dieses Jahr beschlossen werden soll. Weil die Abschaffung der Plastiktüte so erfolgreich angenommen wurde (nach zwei Jahren ist der Verbrauch bereits um zwei Drittel reduziert), sollen auf Landesebene zusätzlich überflüssige Plastikverpackungen von Obst und Gemüse reduziert werden. Supermärkte sollen selbstständig und freiwillig versuchen, Verpackungsmüll zu vermeiden. Auch gegen Plastikflaschen soll weiter vorgegangen werden – etwa durch mehr frei zugängliche Leitungswasser-Spender an öffentlichen Orten.

>> Uruguay und Neuseeland führen Gesetze gegen Plastik ein

So kannst du diesen Punkt jetzt schon umsetzen:

  • Immer die eigene Einkaufstasche mitnehmen
  • Auf Plastikflaschen verzichten und verstärkt auf Leitungswasser umsteigen.
  • Beim Einkaufen unverpackte Produkte wählen, Obst und Gemüse lose kaufen
  • Bei Shampoo-, Duschgelflaschen oder auch Joghurtbechern auf Größe setzen: Wer statt vier 250-ml-Plastikflaschen eine 1-Liter-Flasche kauft, reduziert auch so schon seinen Verpackungsmüll

2. Umweltfreundlichere Verpackungen

Umweltfreundliche Verpackungsalternativen sollen stärker gefördert, umweltschädliche Verpackungen abgestraft werden. Ein Punkt, der hauptsächlich für die Hersteller gilt. Denn wer ab 2019 Verpackungen benutzt, die sich entweder gut recyceln lassen oder schon aus recycelten Materialien bestehen, muss weniger Lizenzentgelte zahlen.

So kannst du diesen Punkt jetzt schon umsetzen:

Auch wenn dieser Punkt für die Industrie, nicht für den Endverbraucher gilt: Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Wer beim Einkaufen zum einfach gestalteten Produkt greift und sich nicht von knallbunten, glänzenden Plastikverpackungen beeindrucken lässt, kann auch hier einen Schritt in die richtige Richtung machen.

3. Einsatz recycelter Kunststoffe

Ab 2019 werden die Recyclingquoten für Plastikverpackungen von derzeit gerade mal 36 Prozent auf 58,5 Prozent erhöht. Ab 2022 sogar auf 63 Prozent.

So kannst du diesen Punkt jetzt schon umsetzen:

Auch wenn es etwas aufwendig klingt: Schau dir nicht nur das Produkt selbst an, sondern beziehe in deine Kaufentscheidung auch mit ein, wie es verpackt ist.

4. Biomüll = Biomüll

Immer noch landet viel zu viel Plastik im Biomüll – das soll sich ändern. Die Regierung will das durch bessere Aufklärung bezüglich der Mülltrennung und strengere Anforderungen an die Kompostqualität durchsetzen.

So kannst du diesen Punkt jetzt schon umsetzen:

Müll. Trennen.

Kauf dir einen hübschen zweiten Mülleimer, in den wirklich nur organischer Abfall landet. Oder du legst dir deinen eigenen Kompost an – vorausgesetzt, du wohnst auf dem Land und startest das Experiment nicht gerade auf deinem Berliner Balkon.

5. Kampf gegen Verschmutzung der Meere

Auch gegen die alarmierende Meeresverschmutzung durch Plastik will Deutschland in Zukunft stärker eingreifen. Ab 2019 stehen erstmals 50 Millionen Euro für den Export von Technologien gegen die Vermüllung der Ozeane zur Verfügung.

Warum ist das so dringend nötig?

Wenn wir weiter machen, wie bisher, ersticken wir irgendwann in unserem eigenen Plastik. Und nicht nur wir: Da Plastik nur extrem langsam zersetzt wird, ist es vor allem die Umwelt, die unter den Tonnen an Müll leidet, die wir täglich produzieren. 150 Millionen Tonnen Plastik schwimmen aktuell in den Weltmeeren. Mikroplastik lässt sich mittlerweile in Meerestieren genauso wie in Menschen nachweisen: Im Oktober fanden österreichische Forscher Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen auf der ganzen Welt.

>> Toter Wal hatte 6 Kilo Plastik im Magen

So kannst du diesen Punkt jetzt schon umsetzen:

Achte beim Kauf von Kosmetika und Drogerieartikeln darauf, dass die Produkte kein Mikroplastik enthalten. Denn seien wir ehrlich: Es ist weder geil, das Zeug selbst auf der Haut zu haben, noch beim Abspülen zu wissen, das man gerade das gesamte Wasser damit verseucht.

Klingt doch alles machbar, oder? Man hätte sich fast drastischere Mittel gewünscht, andererseits: Irgendwo muss man ja anfangen.

Sollten diese fünf Punkte wirklich konsequent umgesetzt werden, könnten sie schon einiges bewirken – vor allem, wenn sie europaweit umgesetzt würden. Und ist das Umdenken erst mal im Gange, werden hoffentlich auch noch weitere Maßnahmen folgen.

Quelle: Noizz.de