Was passiert jetzt in Frankreich nach der Wahl?

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Emmanuel Macron am Tag nach der Wahl Foto: Lionel Bonaventure / dpa picture alliance

Wer wurde gewählt? Und was passiert jetzt? Wir haben Antworten.

1. Wer wurde gewählt?

Die meisten Stimmen haben der linksliberale Emmanuel Macron (23,9 Prozent) und die rechtsextreme Marine Le Pen (21,4 Prozent) bekommen.

Sie werden am 7. Mai in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Insgesamt gab es elf Kandidaten – aber weder bei den Vertretern der etablierten Parteien noch beim aussichtsreichen Kandidaten der Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, reichten die Stimmen für den zweiten Wahlgang.

Der Vertreter der Sozialisten, die zurzeit noch regieren, kam sogar nur auf den fünften Platz.

Marine Le Pen Foto: dpa picture alliance

2. Wie geht es jetzt weiter?

Es gilt als wahrscheinlich, dass Emmanuel Macron die Stichwahl gewinnt. Marine Le Pens Partei, der Front National, feierte am Sonntag zwar das beste Wahlergebnis ihrer Geschichte. Aber die meisten Franzosen lehnen die ausländerfeindliche Ausrichtung der Partei ab.

Viele werden deshalb im Mai für Macron stimmen – auch wenn sie ihn ursprünglich nicht unterstützt haben.

Ein ähnliches Szenario gab es schon 2002: Damals schaffte es Le Pens Vater mit dem Front National in die Stichwahl, verlor aber klar gegen Jacques Chirac. Mit einer gewissen Unsicherheit lässt sich also sagen: Frankreichs nächster Präsident heißt Emmanuel Macron.

3. Was bedeutet das für Frankreich?

Zunächst mal etwas Gutes – zumindest für EU-Freunde. Kritik an der Europäischen Union war ein Thema im Wahlkampf: Marine Le Pen hat ein Referendum über einen EU-Ausstieg versprochen, Jean-Luc Mélenchon einen „Frexit“ zumindest in Erwägung gezogen. Macron ist pro-europäisch.

Jean-Luc Mélenchon Foto: dpa picture alliance

Wird er Präsident, muss er sich vor allem um die Wirtschaft seines Landes kümmern: Die schwächelt seit Jahren; jeder vierte Franzose unter 25 hat keinen Job.

Für Macron ist das kein Neuland: Er hat früher als Investmentbanker gearbeitet, war später Wirtschaftsminister in der Regierung von François Hollande. Binnen fünf Jahren will er 50 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern investieren – unter anderem in bessere Aus- und Weiterbildung, um die Einstellungschancen von Jobsuchenden zu verbessern.

4. Wäre Macron ein erfolgreicher Präsident?

Schwierige Frage. Macron hat im Wahlkampf immer wieder gesagt, dass er weder ein rechter noch ein linker Politiker sei. Die von ihm gegründete Bewegung „En Marche“ war noch nie im Parlament vertreten. Er wird aber auf das Parlament angewiesen sein – und auf den Premierminister, der wiederum von der Parlamentsmehrheit bestimmt wird.

Entscheidend ist also, wen die Franzosen im Juni in die Nationalversammlung wählen. Und ob Macron seine Politik der Mitte in der Praxis umsetzen kann. Sollte er als Präsident scheitern, wäre das gefährlich für die Präsidentschaftswahl in fünf Jahren – das könnte nämlich dem Front National Auftrieb verleihen.

Emmanuel Macron mit seiner Frau Brigitte Trogneux Foto: dpa picture alliance

Quelle: Noizz.de

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