Wir haben die wichtigsten Facts und Argumente zusammengetragen.

Jedes Jahr wandern schätzungsweise 350.000 Menschen aus Mittelamerika illegal in die USA ein. Im April begannen Donald Trump und Justizminister Sessions im Rahmen einer „Null-Toleranzpolitik“ dagegen vorzugehen und die Einwanderer zu inhaftieren. Da Kinder nicht inhaftiert werden durften, wurden kurz nach Passieren der mexikanischen Grenze und der Einreise in die USA unzählige Familien getrennt. Die Kinder landeten in Auffanglagern.

Die grausamen Bilder von den Käfigen und Tonaufnahmen von verzweifelten Rufen der Kinder nach ihren Eltern gingen um die Welt. Trump erntete dafür nicht nur internationale Zurechtweisung, sondern auch Kritik aus den eigenen Reihen. Selbst Ehefrau Melania war mit dem Asylverfahren nicht einverstanden und drängte in mehreren privaten Gesprächen auf eine Änderung. Trump erklärte, er habe bloß nach dem Gesetz gehandelt. Dabei gibt es kein geltendes Gesetz, das besagt, man solle Kinder bei illegaler Einwanderung von ihren Eltern trennen. Sein Verhalten dient womöglich dazu, die Demokraten, die sich im Parlament gegen schärfere Asylmaßnahmen und den Bau der Mauer an der Grenze zu Mexiko stellen, unter Druck zu setzten und an den Verhandlungstisch zu bewegen.

Nun gab Trump endlich nach und unterschrieb ein Dekret, welches die Familientrennungen aufhebt. Das bedeutet allerdings, dass ab jetzt Kinder gemeinsam mit ihren Familien inhaftiert werden. Davon werde nur abgesehen, wenn ihr Wohl dadurch gefährdet würde.

Im Rahmen der Kritik um die Situation an der Grenze zu Mexiko spielten Vergleiche mit dem Holocaust eine große Rolle. Eine kontroverse Debatte entbrannte, inwiefern derartige Vergleiche sinnvoll sind. Wir haben die Argumente der Politiker, Journalisten und privaten Social Media User zusammengetragen.

Diese Argumente nutzen Menschen, die den Holocaust mit Trumps Migrationspolitik vergleichen

1. Ex-NSA-Chef Michael Hayden war der erste, der die Praxis mit den Methoden der Nazis verglich. Er postete ein Foto des KZ Auschwitz und schrieb: "Andere Regierungen haben ebenfalls Mütter von ihren Kindern getrennt." Dieses Argument bringen auf Social Media viele Menschen an.

2. Zum Teil wird der Vergleich auch auf Basis sehr oberflächlicher Dinge gezogen, etwa, wie die Lager von oben aussehen, oder auch dass Menschen aus bürokratischen Gründen eine Nummer zugewiesen wird.

3. Auch wenn Konzentrationslager mit der Situation an der Grenze zu Mexiko nicht viel gemein haben, geht es vielen Usern darum, möglichst früh auf eine kritische Entwicklung aufmerksam zu machen:

Argumente, die einen Vergleich als sinnlos bewerten

1. Konzentrationslager dienten der Massenvernichtung von Menschen. Juden, aber auch andere Minderheiten und Andersdenkende wurden auf grausamste Art und Weise umgebracht. Die Maßnahme von Trumps Null-Toleranz-Politik, illegal immigrierte Kinder von ihren Eltern zu trennen, geschieht weder dem Ziel der Ausbeutung durch Zwangsarbeit, noch dem Testen medizinischer Substanzen an Menschen oder gar der Vernichtung von Menschenleben.

2. Der Holocaust belastet die Deutsche Geschichte maßgeblich und ist mit dem zwar schlimmen, aber eben temporären Zustand in den USA nicht vergleichbar.

3. Vielmehr verharmlost der Vergleich den Holocaust, bei dem etwa sechs Millionen Menschen ermordet wurden.

Eine grausame Situation - aber nicht Vergleichbar mit dem Holocaust

Was sich an der Grenze zwischen den USA und Mexiko abspielt ist ein unbeschreibliches Leiden. Während dieses inzwischen per Dekret gestoppt wurde, bleibt eines fraglich: Wie und wann, wenn überhaupt, werden die Familien wieder zusammengeführt? Die Lage wird also weiterhin kritisch bleiben. Die Migrations-Politik Trumps aber aufgrund einzelner Gemeinsamkeiten wie dem Aussehen der Lager oder der Trennung von Familien mit den Taten der Nazis zu vergleichen, hat weder Hand noch Fuß. Die Debatte um den Vergleich lenkt vielmehr ab von dem ursprünglichen Aufschrei um die schrecklichen Bilder von schreienden, weinenden Kindern in Käfigen.

Quelle: Noizz.de