Das sind die großen Streitpunkte und Gründe für den Konflikt.

Die Empörung war auf beiden Seiten groß: Nachdem Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte, strömten hochgradig echauffierte und wütende Demonstranten mit zumeist muslimischem Hintergrund vor US-Botschaften auf der ganzen Welt und ließen ihrem Ärger freien Lauf. Dabei fielen auch antisemitische Parolen wie „Tod den Juden“ und Israel-Flaggen wurden angezündet.

Brennende Israel-Flagge im Libanon

Das machte wiederum Politik und die breite Öffentlichkeit in den westlichen Ländern wütend. Die Fronten sind – wieder einmal – verhärtet. Sowohl Israelis als auch Palästinenser und viele andere im Konflikt positionierte Parteien scheinen keinerlei Verständnis oder Einfühlungsvermögen für das Leid und den Ärger des jeweils anderen zu haben.

Der Konflikt ist vollkommen polarisiert, für die große Mehrheit der Menschen gibt es immer einen klaren Schuldigen und ein klares Opfer, häufig auch begleitet von einem jeweils einseitigen Rassismus. Die einen verachten Israelis und Juden, mit dem Bild, dass diese rücksichtslos Palästinenser aus deren Land vertreiben und sie in Kriegen abschlachten. Die anderen verachten die antisemitischen Muslime, mit dem Bild, dass sie Israel auslöschen wollen, Terroristen unterstützen und ein rückständiges Gesellschafts- und Weltbild predigen.

Moderate Stimmen, Positionen und Akteure auf beiden Seiten haben dadurch keine Chance. Das ist mittlerweile das Hauptproblem im Israel-Palästina-Konflikt: Auf beiden Seiten dominieren die Extremen, die Unbarmherzigen, die Radikalen, vielfach auch die Fundamentalisten. Auf beiden Seiten gibt es Täter und Opfer. In Kriegen sterben viele Palästinenser, der Terror tötet regelmäßig unschuldige Israelis.

Im Kern geht der Konflikt um Land. Vor etwa 100 Jahren, nach dem Ersten Weltkrieg, teilten die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich Gebiete im Nahen Osten unter sich auf. Das heutige Israel wurde damals von den Briten verwaltet. Dort lebten sowohl Juden als auch Araber. Bereits damals kam es zwischen beiden Gruppen zu Konflikten. Nach dem Zweiten Weltkrieg planten die Vereinten Nationen, das Gebiet zur Schlichtung zu teilen: Israel für die Juden, Palästina für die Araber, Jerusalem würde zur internationalen Zone werden.

Der UN-Teilungsplan von 1947

Doch die arabischen Nachbarn akzeptierten die Gründung Israels nicht. Sie erklärten dem neuen Staat direkt den Krieg. Israel gewann, und die Araber verloren dabei Land, das Palästina eigentlich unter dem UN-Plan bekommen hätte. Das führte zu einer großen Flüchtlingswelle der Palästinenser. Danach kam es über Jahrzehnte immer wieder zu weiteren Kriegen und Terrorwellen.

Auf beiden Seiten existieren Hindernisse, die eine endgültige Einigung unmöglich machen. Die israelische Regierung ist unter Benjamin Netanyahu – auch unter Druck von hochgradig konservativen, ultra-orthodoxen Gruppen in der Gesellschaft – in den letzten Jahren immer mehr nach rechts gerückt und nicht zu Kompromissen bereit. Die Gesellschaft wird zunehmend rassistisch, auf Demonstrationen wird mitunter auch „Tod allen Arabern“ gerufen.

Benjamin Netanjahu

Die Regierung lässt es zu, dass sich sogenannte Siedler in eigentlich palästinensischen Autonomiegebieten immer mehr Land nehmen, weil sie der Meinung sind, das gesamte „Heilige Land“ stehe ihnen aus religiösen Gründen zu. Mittlerweile leben mehr als 600.000 „Siedler“ in Gebieten, die eigentlich palästinensisch verwaltet werden. Vorherige Bewohner werden vertrieben oder gegängelt.

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Als der gemäßigte Premierminister und politische Rivale Netanyahus, Jitzchak Rabin, in den 90er-Jahren Friedensgespräche mit den Palästinensern führte und ihnen mehr Land zugestehen wollte, bekam er zwar den Friedensnobelpreis, wurde dann aber von einem rechtsextremen, jüdisch-religiösen Terroristen erschossen. Die gleichen Fanatiker versuchten sogar, die muslimische Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem in die Luft zu jagen. Das konnte vom israelischen Geheimdienst aber verhindert werden.

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In den vergangenen zehn Jahren kam es zu mehreren Kriegen in Gaza: 2008, 2012 und 2014. Dabei starben bei israelischen Luftangriffe häufig auch viele Zivilisten, Menschenrechtsorganisationen warfen Israel den Einsatz von geächteten Brandbomben vor.

Verursacht wurden diese Kriege wiederum von terroristischen Gruppierungen auf palästinensischer Seite – die bedeutendste ist die „Hamas“. Sie will das „Heilige Land“ komplett für sich und die Muslime, Israel soll ausgelöscht werden. Sie schoss über Jahre Tausende Raketen auf Israel. Während der „Intifadas“, den bewaffneten Aufständen, kam es am Ende der 80er-Jahre und zu Beginn der 2000er zu diversen Bombenanschlägen mit tausenden Terroropfern auf israelischer Seite.

Außerdem provozierte die Hamas die hohen Zivilopfer in den Gaza-Kriegen, indem sie ihre Raketen aus Wohngebieten abschoss und die Menschen dort als Schutzschilde benutzte. In den letzten Jahren kam es in Jerusalem immer wieder zu Messerangriffen auf unschuldige Zivilisten. Die Hamas trainiert mitunter auch schon Kindern den Hass auf Israel an.

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Arabische Regierungen nutzen den Konflikt derweil gerne oft, um sich zu profilieren, so wie es jetzt wieder der türkische Präsident Erdogan tut. Doch ein wirkliches Interesse an einer Lösung des Konfliktes haben sie nicht. Im Gegenteil, er nutzt ihnen immer wieder, um sich mit einem klaren Feindbild – nämlich Israel – bei ihrer Bevölkerung anzubiedern.

Auch die gemäßigte Palästinenser-Regierung ruht sich im Grunde auf ihrem Status aus und nutzt vermeintlich unter anderem Hilfsgelder aus Europa, um inhaftierte Terroristen und deren Familien zu bezahlen. Der Iran unterstützt die radikale Hamas derweil seit Jahren mit Geld.

Die Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, ließ den Konflikt jetzt erneut hochkochen. Denn beide Seiten wollen die „Heilige Stadt“ Jerusalem aus religiösen Gründen komplett für sich. Faktisch wird das gesamte Stadtgebiet bereits seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 von Israel kontrolliert und verwaltet, nachdem die israelische Armee den Osten der Stadt eroberte.

Jerusalem

Gemäßigte Palästinenser wünschen sich jedoch für die Zukunft, dass ihnen zumindest ein Teil der Stadt zugesprochen wird. 40 Prozent der Bevölkerung Jerusalems sind Palästinenser, denen viele Bürgerrechte verwehrt bleiben. Sie dürfen an keinen Wahlen teilnehmen, ihre Gebiete werden notorisch von der Verwaltung vernachlässigt.

Eine mögliche Lösung des Konfliktes mit einer möglichen Gründung eines palästinensischen Staates müsste immer auch eine Lösung für Jerusalem finden. Die EU ist beispielsweise dafür, Jerusalem beiden Seiten als Hauptstadt zuzugestehen. Bill Clinton schlug einst vor, Jerusalem aufzuteilen. „Was jüdisch ist, bleibt jüdisch, was arabisch ist, wird palästinensisch“, sagte er.

Doch Kompromissbereitschaft findet sich nach Trumps Entscheidung nun kaum mehr. Die israelische Regierung bejubelt Trumps Entscheidung, auch um von eigenen innenpolitischen Problemen abzulenken: Wenige Tage vor der Ankündigung aus den USA gingen 10.000 Menschen in Tel Aviv auf die Straße, um wegen Korruptionsvorwürfen gegen Ministerpräsident Netanjahu zu protestieren. Und auf palästinensischer Seite wird wieder zu Gewalt aufgerufen: Hier fordert die Hamas die dritte Intifada und damit erneute Terroranschläge gegen Israelis.

Quelle: Noizz.de