Zehn Städte waren dabei – darunter auch Berlin ...

Deniz Yücel ist Journalist. Nun sitzt er in Haft – weil er seinen Job gemacht hat. Denn die Türkei geht gerade alles andere als zimperlich mit kritischen Journalisten um. Nicht nur Yücel sitzt gerade in Haft – auch mehr als 150 andere Journalisten.

Deniz Yücel ist seit zwei Jahren Türkei-Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt". Er wollte genau hinschauen, nachfragen. Als Deutsch-Türke spricht er die Landessprache: Ein Vorteil gegenüber vielen anderen Korrespondenten. Denn er versteht, was getuschelt wird, was die Tageszeitungen schreiben, welche zweite Bedeutung manche Aussagen eigentlich haben.

Doch diese doppelte Staatsbürgerschaft ist Yücel nun zum Verhängnis geworden. Denn die Türkei kann nun strafrechtlich härter gegen ihn vorgehen. Sie wirft ihm „Terrorpropaganda" und „Aufwiegelung der Bevölkerung“ vor. Am Montagabend hat daher der Haftrichter entschieden, dass er in Untersuchungshaft muss. Das hatten viele bis dato für unwahrscheinlich gehalten.

Die Untersuchungshaft kann bis zu fünf Jahre dauern.

Bei der Anhörung vor dem Haftrichter ging es insbesondere um ein Interview, das Yücel 2015 mit einem Mitglied der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK geführt hat. Das könnten die Strafrechtler in der Türkei als „Terrorpropaganda” aufgefasst haben. Denn die PKK verübt aber auch immer wieder Anschläge in der Türkei, bei denen zahlreiche Menschen sterben.

Außerdem wurde im Zusammenhang mit Yücel immer wieder erwähnt, dass er über die E-Mail-Affäre rund um Erdogans Schwiegersohn berichtet hat. Hacker hatten Mails des Energieministers Berat Albayrak veröffentlicht, in denen es um Einflussnahme der türkischen Führung auf die Medien des Landes gegangen sein soll.

Ulf Poschard, Chefredakteur der „Welt“, hat Yücel einen ganzen Text gewidmet. Auch am Hochhaus seines Verlags steht heute in großer Leuchtschrift #FreeDeniz. Das ist der Hashtag, unter dem Unterstützer seine Freilassung fordern.

Es sind mittlerweile schon ganze Print-Kampagnen für den inhaftieren Journalist gestartet worden.

Auch seine Ex-Kollegen von der taz und Jungle World sind erschüttert. Sie gehören mit zu den Initiatoren des #Korso4Deniz.

Weil eine Latsch-Demo Yücel nicht angemessen gewesen wäre, sagt Mitinitiatorin Doris Akrap in der „Welt“. Die taz-Journalistin ist mit Yücel in Flörsheim aufgewachsen.

Yücel hatte sich vorher schon in der Jungle World als Fan von Autokorsos geoutet: „Canan heiratet? Haydi, lasst uns einen Korso fahren! Çetin wird beschnitten? Haydi Korso! Papa kommt von der Arbeit? Mama hat Bohneneintopf gekocht? Zeki hat eine Eins in Mathe? Tröööt!“

Und „Tröööt!“ hat es heute in ganz Deutschland gegeben. Gebt Deniz frei. Und lasst Journalisten ihren Job machen. Oder streicht den Begriff „Republik“ aus eurem Namen.

Quelle: Noizz.de