Warum diese junge Künstlerin am Sonntag Putin wählt

Tamara Vogel

Freie Journalistin aus Berlin
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Natalia Maksakova zeichnet regelmäßig politische Cartoons Foto: Natalia Maksakova

Sie malt politische Cartoons für den Präsidenten Russlands.

Am 18. März wählt Russland einen neuen Präsidenten. Die meisten unabhängigen Künstler im Land sind apolitisch. Kritiker haben oft Angst sich zu äußern. Die Künstlerin Natalia unterstützt Putin und zeichnet politische Cartoons.

Schon als junges Mädchen wusste Natalia Maksakova, dass sie später Künstlerin werden möchte. Für sie kam nie ein anderer Beruf in Frage. Besonders geprägt hat sie dabei ihre Heimatstadt Kaliningrad. Die vormals deutsche Stadt an der Ostsee beeindruckte Natalia mit ihrer Historizität und Natur. So zeichnete sie die Ruinen alter Burgen, Blumen und Gebäude in der Region. Die 34-Jährige studierte Kunst und volkstümliche Handwerkskunst in Kaliningrad. Dies beinhaltet auch das Studium russischer Kunsthandwerke wie das Zeichnen religiöser Heiliger der orthodoxen Kirche und traditionelle (Lack-)Miniaturmalereien.

Während Natalia die alten Mauern und Gebäude in ihrer Umgebung zeichnete, spürte sie eine tiefe Trauer. Sie konnte sich den Grund dafür nicht erklären. Darum begann sie, sich genauer mit der Geschichte der Region zu beschäftigen.

„Der 9. Mai, der ‚Tag des Sieges‘ über das Deutsche Reich, ist für mich ein Tag von großer Trauer. Die Mehrheit der hier lebenden russischen Bevölkerung versteht meiner Meinung nach nicht die wahre Bedeutung dieses Tages. Während des Krieges sind unzählige Soldaten und Zivilisten ‚auf beiden Seiten‘ gestorben. Das ist tragisch und sollte nicht gefeiert werden. Doch einige Russen posieren lieber in Militärkleidung mit Waffen vor dem Hintergrund eines Panzers. Sie trinken Alkohol und haben Spaß. Diese Leute werden stark von den Medien beeinflusst. Sie glauben, ihr Land sei überlegen. Das passiert nicht nur in Russland, sondern auch in anderen mächtigen Ländern, wie den USA. Das schürt nur Hass bei den Menschen und macht mir Angst!“

Doch Natalia bildet nicht nur die Natur um sie herum ab. Seit ein paar Jahren gab sie ihrer künstlerischen Arbeit auch eine politische Ausrichtung. So zeichnet sie Cartoons von Wladimir Putin oder Donald Trump. Auf diese Weise verspricht sie sich Aufmerksamkeit von ihren Followern. Das gilt besonders für Zeichnungen von Putin. „Normalerweise sind politische Karikaturen eher bösartig – sie machen sich über die abgebildete Person lustig. Ich habe aber ein ganz anderes Ziel! Ich möchte zeigen, dass Staatsoberhäupter dieselben Menschen sind wie du und ich.“

„Ich male für Menschen in der ganzen Welt.“

Die junge Russin möchte erreichen, dass sich die Bürger besser mit Politikern identifizieren können. „Wir haben doch alle die gleichen Probleme. Wir treffen falsche Entscheidungen, werden krank, trennen uns von unseren Partnern. Ich möchte mehr Nähe schaffen und die Leute dafür sensibilisieren. Sie sollen verstehen: die ‚politische Elite‘ - das sind keine Götter, sondern gewöhnliche Menschen!“

Natalia möchte die Menschen auch zum Lachen bringen und gibt ihren Zeichnungen oft eine humorvolle Note. „Die Leute lachen gerne und das bringt sie zum Reden. Ich male nicht nur für Russen, ich male für Menschen in der ganzen Welt.“

Künstlerin Natalia Maksakova zeichnet schon, seit sie ein Kind ist Foto: Pavel Maksakov / privat

Am 18. März wird Natalia an der russischen Präsidentschaftswahl teilnehmen. Sie möchte Wladimir Putin ihre Stimme geben. Gewinnt er, wird er Russland für sechs weitere Jahre regieren. „Putin hat viel für Russland getan“, behauptet die 34-Jährige. „Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gelang es ihm, die Stärke des Landes wiederherzustellen. Auch der Lebensstandard der Bevölkerung hat sich deutlich verbessert. Ich fühle mich wohl im modernen Russland! In meinem Land kann jeder Bürger Bildung, gute medizinische Versorgung, einen Arbeitsplatz und einen bezahlbaren Wohnraum bekommen. Ich glaube, dass die anderen Kandidaten bei der Wahl keine Chance haben. Die Leute sind an Putin gewöhnt.“

Dennoch sieht sie auch negative Seiten im Land, vor allem die Korruption. „Dieses Problem lässt sich jedoch meiner Meinung nach nicht so einfach aus der Welt schaffen. Dafür braucht es Zeit.“

Natalia möchte auch in Zukunft politische Cartoons zeichnen. „Ich mag es, dass meine Bilder Aufmerksamkeit erregen. Die meisten Menschen reagieren mit Kommentaren wie „das ist lustig“. Es freut mich die Leute zum Lachen zu bringen. In Russland und dem Rest der Welt.“

Eine Sache überrascht sie allerdings immer wieder. „Viele meiner Landsleute fragen mich, ob ich nicht Angst habe, politische Cartoons zu zeichnen. Andere trauen sich nicht einmal, unter meinem veröffentlichten Foto im Internet einen Kommentar zu hinterlassen. Dabei handelt es sich doch um „gute“ politische Kunst. Da müssen die Leute keine Angst haben.“

Wie das jedoch mit kritischen, politischen Zeichnungen aussieht, ist eine andere Frage.

Quelle: Noizz.de

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