22 Prozent des Leders, das weltweit verwendet wird, kommt aus Brasilien.

In einem neuen Artikel von "Vogue Business" stellt Autorin Rachel Cernansky die Frage: Inwieweit ist die Sneaker-Industrie für die Brände verantwortlich ist, die gerade im Regenwald wüten? Wie wir bereits wissen, wird in der Region rund um den Amazonas vor allem Brandrodung betrieben, um Flächen zur Tierhaltung freizulegen und Futter für diese Tiere anzubauen. Besonders für Fleisch werden Rinder in den Regenwaldgebieten gehalten, doch auch das Nebenprodukt Leder ist ein gefragtes Gut.

>> Amazonas-Regenwald brennt seit Wochen – und die Regierung schaut einfach weg

Tatsächlich ist Brasilien der größte Exporteur von Tierhäuten der Welt – 22 Prozent der Exporte stammen aus dem lateinamerikanischen Land. Und wer kauft all das Leder aus der Lunge der Erde? Richtig, die Hersteller von Sneaker und Co. "Die Hälfte der weltweiten Lederproduktion ist für Schuhe", so Greenpeace. Die Produzenten achten beim Kauf häufig nicht auf die Umstände, unter denen der Rohstoff hergestellt wird und ob bei diesem Prozess etwa auch wertvolle Biosphäre vernichtet wird.

Mal ganz davon abgesehen, dass es oft auch gar nicht möglich ist, nachzuvollziehen, mit welchen Wegen und Mitteln die Tierhäute hergestellt wurden. Laut Cernansky ist es nämlich üblich, dass Rinderherden kurz vor der Schlachtung von Ranch zu Ranch gebracht werden, was den Brands das Tracking ihrer Zulieferer enorm erschwert.

Ganz zu schweigen davon, ist es für den Kunden oft überhaupt nicht ersichtlich, wie und wo das Leder, dass in den Nike Air Force oder den neuen Louis-Vuitton-Slippern landet, gesourct wurde. Bereits 2009 prangerte Greenpeace in einem Bericht namhafte Hersteller an, für die Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich zu sein. "Unsere Beweise verbinden eine [mit Leder aus dem Amazonas] kontaminierte Lieferkette mit Zulieferern vieler namhafter globaler Marken und Einzelhändler, einschließlich einer langen Liste internationaler Blue-Chip-Unternehmen wie Adidas, BMW, Carrefour, Ford, Honda, Gucci, IKEA, Kraft, Nike, Tesco, Toyota und Wal-Mart."

Nike reagierte auf die Anschuldigungen in dem Report "Slaughtering the Amazon" und lässt seit 2010 alle brasilianischen Zulieferer schriftlich versichern, dass das gelieferte Leder nicht aus dem Amazonas-Biom stammt. Außerdem sollen die Hersteller "ein laufendes, nachvollziehbares und transparentes System schaffen, um glaubwürdige Zusicherungen darüber zu geben", so Nike in einem Statement über die neuen Richtlinien, die zusammen mit Greenpeace festgelegt wurden.

Auch Adidas hatte sich nach der öffentlichen Anprangerung in einer Pressemitteilung den selben Regel verpflichtet, die zusammen mit der NGO ausgehandelt wurden.

Inwieweit die Zulieferer der beiden Sneaker-Marken diese Richtlinien wirklich einhalten oder ob es Strafen gibt, wenn die Regeln ignoriert werden, ist allerdings nicht klar. Viele große Hersteller von Lederschuhen haben sich außerdem noch immer nicht dazu geäußert, ob Materialien aus der eignen Produktion mit der Brandrodung im lateinamerikanischen Regenwald in Verbindung stehen.

>> 200 Schuh-Labels unterzeichnen Brief an Trump gegen Zollerhöhung

Quelle: Noizz.de