Wir haben einen Werbeprofi um eine Wahlplakat-Kritik gebeten

Hannah Schwär

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... und das Ergebnis ist gnadenlos.

Kinder, Eisbären und Bikinis: Das sind die Motive, mit denen die Parteien für eure Stimme bei der Bundestagswahl am 24. September werben.

Die Kampagnen lassen sich die Parteien einiges kosten: Bei der Bundestagswahl 2013 gab die SPD etwa 23 Millionen Euro für den Wahlkampf aus, bei der CDU waren es nach Recherchen der WELT etwa 20 Millionen Euro.

Trotz des dicken Budgets fragt man sich bei einigen Plakaten: Was zur Hölle ist den Politikern dabei durch den Kopf gegangen?

Wir haben deswegen Werbeprofi Johannes Buzási gebeten, die Wahlplakte zur Bundestagswahl zu analysieren.

Johannes Buzási Foto: Johannes Buzási / Noizz.de

Buzási ist Geschäftsführer bei der Werbeagentur fischerAppelt. Zu seinen Kunden zählen die Tagesschau, die Deutsche Telekom, Lidl und Viessmann.

Das ist sein Urteil:

1. DIE LINKE

Foto: DIE LINKE / die-linke.de

Autsch! Die Linke setzt weiterhin auf die Farben Rot, Weiß und Schwarz. Hinzu kommen für diesen Wahlkampf allerdings noch stillose Farben und eine Schriftart, die an Unverschämtheit nicht zu übertreffen ist.“

Foto: DIE LINKE / die-linke.de

„Kann es einem wirklich so egal sein? Anscheinend schon ...“

2. CDU

Foto: CDU / cdu.de

„Bloß nicht anecken: schön weichgespülte, happy Getty-Familie, eingewickelt in den deutschen Nationalfarben. Bei den Lines schläft man fast ein.“

Angela Merkels Wahlplakat Foto: CDU / cdu.de

„Trotz langweiligem Portrait profitiert Angie von der dynamischen Hintergrundgestaltung. Einzig und allein die graue Fläche bleibt ein Rätsel und lässt dieses Wahlplakat ein wenig unfertig erscheinen.“

3. AfD

Foto: AfD / afd.de

„AfD, dein Ernst? Zum Handwerklichen: Der AfD-„Swoosh“ wirkt fett und träge, die Blau-Rot-Kombination tut weh. Paul Renner würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er mitbekäme, für was sich seine schöne Futura alles hergeben muss.“ (Anm. d. Red.: Paul Renner war der Erfinder der Schriftart Futura, die die AfD hier verwendet.)

Foto: AfD / afd.de

„Joa... Headline, Motiv, Claim, Logo, alles da.“

4. SPD

Foto: SPD / spd.de

„Wirkt durch die roten Quadrate recht statisch, trotz professioneller Fotografie. Leider hat das Mädchen, vermutlich der unglücklichen Perspektive geschuldet, nur einen Arm und warum der junge Mann neben ihr nur mit halbem Kopf eingespiegelt wurde, wissen vermutlich nur die Sozialdemokraten selbst.“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Foto: SPD / spd.de

„Auch hier wieder fotografisch gut umgesetzt, allerdings durch die roten Quadrate mit riiieeeesiger Schriftart eher bieder und langweilig.“

5. FDP

Foto: FDP / fdp.de

„Schöne Idee! Gestaltungstechnisch machen die Wahlplakate der FDP nach dem großen Redesign wirklich Spaß.

FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner Foto: FDP / fdp.de

„Auch hier geht das Konzept „Denken wir neu“ voll und ganz auf: Der in schwarzweiß fotografierte Christian Lindner in lockerer Pose, umgeben von ansprechend gesetztem Text. Endlich mal ein bisschen frischer Wind.“

6. Bündnis 90/ Die Grünen

Foto: Bündnis 90/ Die Grünen / gruene.de

Frische Farbwahl, ansprechende Gestaltung. Als kleines Manko sehe ich die Schriftwahl: Die Serifen erschweren dem Betrachter die schnelle Erfassbarkeit. Ob gewollt oder ungewollt: Schön, wie die Sonnenblume als Feigenblatt fungiert.“

Der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir Foto: Bündnis 90/ Die Grünen / gruene.de

„Durch das Abdrucken eines riesigen Cem Özdemirs verliert die schöne visuelle Bildsprache leider etwas an Wirkung.“

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