Zuerst fand er die Idee nämlich toll.

Per einstweiliger Verfügung entschied ein Richter im amerikanischen Seattle kurz vor knapp, dass es nun doch untersagt sei, eine Druckvorlage für Waffen aus dem 3D-Drucker zu veröffentlichen. Denn ab heute hätte eigentlich jeder die Möglichkeit gehabt, die Vorlage dank weniger Mausklicks auszudrucken und so theoretisch ganz einfach eine Waffe in den Händen zu halten.

Die Firma hinter diesen Waffenvorlagen, Defense Distributed, hat ihren Sitz – wie könnte es anders sein – in Texas und kämpft seit Jahren dafür, ihre Vorlagen veröffentlichen zu dürfen. Die „Waffe per Download“ hatte KritikerInnen auf dem Plan gerufen: Denn an die 3D-Drucker-Waffe könnte jede/r kommen – ungeachtet ihres/seines Alters oder der geistigen Verfassung.

Außerdem können die gedruckten Waffen nicht von Metaldetektoren erkannt werden. Der grenzenlosen Waffenbenutzung würde also nichts mehr im Wege stehen!

Trump war eigentlich dafür – änderte aber spontan seine Meinung

Trump ist heißer Verfechter des Waffenrechts, und die Jungs aus der Waffenlobby NRA sind seine besten Freunde. Außerdem schreibt der Präsident sich gerne auf die Fahnen, das Amerika des kleinen Mannes zu verteidigen. Für viele AmerikanerInnen gehört das Recht, Waffen bei sich zu tragen und sich selbst verteidigen zu können zu ihrer amerikanischen Identität. Somit bedeutet die 3D-Drucker-Waffe also unendliche Freiheit für das amerikanische Gemüt.

Sah Trump eigentlich auch so – per Tweet änderte er seine Meinung aber wieder:

Anscheinend hat er sich mit seiner Waffenlobby-Clique zusammengesetzt und festgestellt, dass das mit den 3D-Drucker-Waffen ja doch keinen Sinn ergebe. Was genau er damit meint, weiß man nun nicht – er selbst vermutlich am allerwenigsten. Man kann nur mutmaßen, dass es wie so oft ums Geld geht: Die Waffenlobby ist natürlich daran interessiert, Waffen zu verkaufen – die Möglichkeit, diese auszudrucken, wird den Waffenmarkt verändern und könnte den Herstellern schaden. Die NRA scheint genau das auch Trumpie-Boy geflüstert zu haben, der dann natürlich fröhlich drauflostwitterte.

Der amerikanische Traum grenzenloser Schusswaffen ist noch nicht ausgeträumt

Die AmerikanerInnen und ihre Waffen – eine Beziehung, die wir in Europa wohl nie so richtig verstehen werden.

Waffen-Fans sehen aber in der Möglichkeit, eine Waffe bei sich zu tragen, nicht nur die Freiheit, sich jederzeit zu verteidigen, sondern auch die direkte, patriotische Verbindung zu ihren Urvätern, die 1791 das Recht auf Waffenbesitz in der amerikanischen Verfassung festhielten.

Die Firma Defense Distributed und vor allem ihr Gründer Cody Wilson kämpft mit genau dieses Argumenten für grenzenlose "Freiheit". Wilson ist als Waffen-Aktivist bekannt und fordert seit Jahren die kostenlose Veröffentlichung seiner 3D-Druckvorlage. Unter Obama waren seine Vorhaben gescheitert, unter Trump schien er Rückenwind zu bekommen – bis gestern.

Es ist wahrscheinlich, dass das letzte Wort an dieser Front noch nicht gesprochen ist. Das World Wide Web ist unergründlich und das illegale Up- und Downloaden einer 3D-Druckvorlage für Waffen ist nun wirklich keine Unmöglichkeit.

Bis zum nächsten Amoklauf

Nicht nur in Amerika werden spätestens nach jedem Amoklauf Diskussionen um den erlaubten Waffenbesitz laut: Immer wieder werden Studien (wie etwa die des Injury Control Research Centers der Uni Harvard) zitiert, die beweisen, dass mehr Waffen auch mehr Gewalt bedeuten: Waffen und ihre Gefahr werden durch einfache Beschaffung verharmlost. Wenn ein Gewehr zum Alltag gehört und in jedem Haushalt zu finden ist, ist die Benutzung ähnlich trivial.

Für die Waffen-Lobby sind all diese Argumente allerdings nichtig. Sie ist der Meinung, dass jedes Gesetz, das freien Waffenbesitz beschneidet, gleichzeitig das Recht einschränkt, als stolzer Amerikaner durch die Welt zu laufen – ein absolutes No-Go.

Für das mittelständische, weiße Amerika, das sich sowieso abgehängt und unverstanden fühlt, treffen diese Argumente den richtigen Nerv. Gemeinsam mit Trump und der Waffen-Lobby fordert es nämlich einfach noch mehr Waffen – vor allem auch an Schulen. Je mehr Schulpersonal Waffen trägt, desto besser kann beim nächsten Amoklauf verteidigt werden. So die Denke.

Nach dieser Rechnung – und gemeinsam mit der Waffe aus dem 3D-Drucker – dürfte es nicht mehr lange dauern, bis auch jede/r AmerikanerIn, jedes Kindergartenkind und jedes Haustier bewaffnet und schussbereit auftritt. Dann können sich endlich alle gemeinsam in die Luft jagen.

Quelle: Noizz.de