„Sie stecken Chemikalien in unser Wasser und machen unsere Frösche schwul!“

Spotify und Apple haben seinen Podcast aus dem Programm geworfen, Facebook löscht seine Pages und auch YouTube hat nun seinen Kanal gebannt. Für Alex Jones war es keine gute Woche – könnte man meinen.

Doch für Jones ist diese „Zensur“ nur ein weiteres Thema, an dem er sich abarbeiten kann, das seine kruden Theorien vermeintlich unterstützt und das ein weiteres Feindbild schafft. Einzig Twitter bietet Jones zur Zeit noch eine Plattform.

Aber wer ist dieser Typ, der zwar wirkt wie ein verrückter Verschwörungstheoretiker, der aber inzwischen so viel Einfluss gewonnen hat, dass Donald Trump damals noch als Präsidentschaftskandidat 2015 ihm ein Interview gab und große Social-Media-Plattformen sich genötigt sehen, sich von ihm zu distanzieren?

Alex Jones zu unterstellen, er sei eine kontroverse Figur der US-Medienlandschaft, wäre eine glatte Untertreibung. Ganz weit am rechten Rand und nur Millimeter vom Wahnsinn entfernt betreibt er Meinungsmache für ein Millionenpublikum.

Ein Auszug aus seinen wildesten Theorien: Er glaubt, Michelle Obama sei in Wirklichkeit ein Mann, dass Robert Rodriguez B-Movie-Schlachtfest „Machete“ zu einem „Rassenkampf“ zwischen Mexikanern und Amerikanern führen könnte und dass Chemikalien der „Gay Bomb“ des Pentagons ins Wasser gelangt sind und die Frösche schwul machen.

Doch obwohl diese Ideen komplett bescheuert klingen, ist sein medialer Einfluss nicht zu unterschätzen. Laut eigener Aussage erreicht Jones mit seinen Inhalten 70 Millionen Fans – diese Zahl wird angesichts der aktuellen Bans zwar geschrumpft sein, eine treue Anhängerschaft hat er dennoch hinter sich versammelt.

Der Grundpfeiler von Alex Jones kleinem Medienimperium ist Infowars.com. Eine rechtspopulistische Nachrichtenplattform, auf der er unter anderem die „Ales Jones Show“ betreibt. In diesen Videos brüllt, schreit und pöbelt er sich mit hochrotem Kopf durch seine Agenda.

Jones hat eine Vergangenheit als Radio-Journalist, doch als er seine Radio-Sendung am 11. September 2001 direkt mit einer Theorien über einen möglichen Inside-Job eröffnete, verlor er den Rückhalt der Sender. „Ich bin on air gegangen und habe gesagt: ‚Das waren kontrollierte Explosionen. Wir haben gerade gesehen, wie die Regierung das World Trade Center in die Luft gesprengt hat“, schilderte es Jones dem „Rolling Stone“.

Jetzt betreibt er seine „Alex Jones Show“ in Eigenregie auf Infowars und unterhält daneben noch die Webseiten NewsWars und PrisonPlanet. Finanziert werden diese Portale in großen Teilen durch Spenden und einen an Inforwars angegliederten Shop, dessen Produkte Jones gerne innerhalb seiner Sendungen platziert. Einfache Iod-Tabletten werden hier zum „Survival Shield X-2“ und auf einem Banner verspricht Jones: „Survial Shield ist meine Nummer 1 für meine Familie und Zuhörer, Punkt.“

Jones macht keinen Halt vor Opfern von School-Shootings

Wie weit Jones bereit ist, für seine kruden Theorien zu gehen, sieht man am Fall des Massakers an der Sandy Hook Elementary School 2012, bei dem ein Schütze 20 Kinder und sechs Erwachsene tötete. Für Jones ist der Fall seit Jahren klar: Alles sei eine „False Flag“-Operation gewesen und das Massaker sei von der Regierung inszeniert worden, um den zweiten Zusatzarktikel der US-Verfassung, das Recht auf den Besitz von Waffen, auszuhebeln.

Um das zu beweisen, führt Jones seit Jahren Prozesse gegen Eltern, deren Kinder bei dem Attentat ums Leben kamen. Eine dieser Familien, die Familie Pozner, musste bereits sieben Mal umziehen, um den Anfeindungen von Jones und seinen Anhängern zu entgehen. Die Familie hat Jones bereits wegen Deffamierung verklagt – doch Jones schießt zurück. Weil die Familie ihn nur ruhig stellen wolle, plädiert Jones auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und verklagt die Pozners auf 100.000 Dollar um seine Prozesskosten zu decken.

Anwälte von Jones sagen, er sei ein „performance artist“

Doch meint Jones das wirklich alles ernst? Kann ein Mensch wirklich so drauf sein? Diese Fragen wurde Jones 2017 gestellt. Damals befand er sich mal wieder vor Gericht – in diesem Fall ging es aber um einen Sorgerechtsstreit mit seiner Ex-Frau. Er selbst gab zwar keine Antwort darauf, aber sein Anwalt.

Vor Gericht bezeichnete er Jones als einen „performance artist“, als jemanden, der nur „eine Rolle spielt“, die nichts mit dem Privatmenschen Jones zutun hat. Natürlich dementierte Jones nachträglich alles in seiner eigenen Show.

Man kann es Jones nicht absprechen: Wenn er so hinter seinem Mikrofon sitzt, mit hochrotem Kopf und seine Theorien brüllt, dann übt das eine gewisse Faszination aus. Auf YouTube tummeln sich Hunderte Zusammenschnitte von Jones größten Ausrastern und verrücktesten Statements.

Dass Jones nun nicht mehr die großen Social-Media-Plattformen nutzen kann, wird wohl am ehesten noch Motivation für ihn sein. Denn für Jones ist es die Bestätigung dafür, dass er Recht hat. Ob das nun auf Fakten oder Hirngespinsten beruht, ist da erstmal egal.

Quelle: Noizz.de