Wir haben eine isländische Frauenrechtlerin gefragt.

Island hat als erstes Land der Welt gesetzlich verboten, Frauen schlechter als Männer zu bezahlen.

Die Regierung hat letztes Jahr verkündet, dass es an der Zeit sei, „etwas Radikales“ in Sachen Gleichstellung zu unternehmen. Jetzt ist am 1. Januar ein neues Gesetz in Kraft getreten. Künftig müssen Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern nachweisen, dass sie ihre Mitarbeiter gleich bezahlen.

Island ist bei der Gleichstellung bereits weltweit Vorreiter. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen – auch Gender Pay Gap genannt – ist dort die niedrigste auf der Welt. Sie liegt aktuell bei 12 Prozent, wie ein Bericht des Weltwirtschaftsforums ergeben hat. Somit verdienen Frauen dort im Durchschnitt 12 Prozent weniger als Männer.

Deutschland landet im Bericht auf Platz 12 mit 22 Prozent.

Wir haben mit Brynhildur Heiðar- og Ómarsdóttir über das Gesetz gesprochen. Sie ist Geschäftsführerin des renommierten isländischen Frauenrechtsverbandes (IWRA).

Brynhildur Heidar- og Omarsdóttir, Geschäftsführerin des isländischen Frauenrechtsverbandes Foto: Gunnar Freyr Steinsson / privat

NOIZZ: In Island leben ungefähr so viele Menschen wie in Berlin-Neukölln. Warum ist es gerade der kleine Inselstaat, der so fortschrittlich ist bei der Gleichstellung?

Brynhildur Heiðar- og Ómarsdóttir: Wir sind sehr glücklich darüber, dass sich in Island tatsächlich alle Parteien bei dem Thema einig sind. Der Gesetzentwurf stammt sogar von einer Partei, die als mitte-rechts angesehen wird.

Mittlerweile haben wir eine Frau als Premierministerin und 38 Prozent unserer Abgeordneten sind Frauen. Außerdem hatten wir 2008 eine katastrophale Finanzkrise. Danach ist uns klargeworden: Wir müssen etwas ändern, wir brauchen neue Ideen. Und wir brauchen Frauen in den Bankvorständen.

Außerdem sind wir ein sehr kleiner Staat, bei uns leben 340.000 Menschen. Da fällt es uns einfacher, mutig zu sein.

Was müssen die Unternehmen in Island jetzt tun?

Heiðar- og Ómarsdóttir: Die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist in Island schon seit Jahrzehnten verboten – kontrolliert wurde das jedoch nicht. Das hat sich jetzt geändert.

Unternehmen müssen in einem Zertifikat nachweisen, dass sie Männern und Frauen in gleichwertigen Position gleich bezahlen. Große Unternehmen haben dafür bis Ende des Jahres Zeit, kleinere bis 2021. Nach jeweils drei Jahren muss das Zertifikat erneuert werden. Wer sich nicht dran hält, muss Strafe zahlen.

Werden Frauen in Island also bald tatsächlich so viel verdienen wie Männer?

Heiðar- og Ómarsdóttir: Eines Tages hoffentlich. Aber Frauen arbeiten immer noch deutlich weniger als Männer, weil sie sich meistens alleine um die Kinder kümmern. Die Männer sollten in der Familie mehr Verantwortung übernehmen.

Auch sind Frauen häufiger in schlecht bezahlten Jobs angestellt und verdienen automatisch weniger. Dagegen tut das neue Gesetzt nichts. Wir haben also noch viel vor und wir hoffen, dass uns viele Länder folgen. Es ist nicht so schwer.

Quelle: Noizz.de