Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kündigten an, den rassistischen Namen der "Mohrenstraße" in Berlin endlich ändern zu wollen. Was im ersten Moment sehr positiv klingt, hat leider einige Haken. Denn die Ankündigung, so Kritiker*innen, war nicht nur voreilig, sondern auch undurchdacht und unzulänglich. Die BVG selbst reagieren offen auf die Kritik.

Schwarze Aktivist*innen und Initiativen fordern schon lange die Umbenennung des rassistischen Straßennamens inklusive der gleichnamigen U-Bahnstation "Mohrenstraße" (nachfolgend M-Straße) in Berlin-Mitte. Seit knapp 25 Jahren, um genau zu sein. Letzte Woche kündeten die Berliner Verkehrsbetriebe, kurz BVG, dann auf Social Media an, den Stationsnamen endlich umbenennen zu wollen – nach der nahegelegenen Glinkastraße. Die weitreichendste Antwort von Seiten der Verantwortlichen auf die Forderungen der Aktivist*innen bisher – und trotzdem zu Recht keine unumstrittene.

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Antisemitismus, fehlende Rücksprachen und Verdrängen statt Aufarbeiten?

Zum einen gibt es nämlich den Antisemitismus-Vorwurf gegen den russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804 – 1857), nach dem die Glinkastraße benannt ist. So weist unter anderem die Zeitung "Jüdische Allgemeine" auf Antisemitismus in einigen seiner Werke hin. Darüber hinaus wird kritisiert, dass die BVG weder mit Betroffenen noch mit Anwohner*innen oder Politik Rücksprache gehalten hat.

Das Bündnis Decolonize Berlin e.V. etwa fordert seit mehreren Jahren, die M-Straße und den gleichnamigen U-Bahnhof nach Anton Wilhelm Amo, dem ersten Akademiker Preußens afrikanischer Herkunft und Sklaverei-Gegner, zu benennen. Mit der Umbenennung in Glinkastraße würde die BVG den kolonialhistorischen Bezug des Ortes auslöschen und ihre Chance für die Ehrung einer Persönlichkeit afrikanischer Herkunft im Berliner Stadtbild bewusst ausschlagen – so der Verein in einer Pressemitteilung.

Berliner Senat will "offenes Verfahren"

Auch der Berliner Senat ruderte die BVG am Dienstag zurück. Die Wirtschaftssenatorin und Vorsitzende des BVG-Aufsichtsrates Ramona Pop (Grüne) sagte laut der Nachrichtenagentur "dpa" am Dienstag bei einer Pressekonferenz, es sei richtig und zu begrüßen, dass die BVG die Umbenennung der Mohrenstraße in den Blick genommen hat – um ein klares Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen. Schnellschüsse seien in solchen Angelegenheiten aber nicht angebracht. Stattdessen forderte sie ein "offenes Verfahren" unter Beteiligung von Verbänden, Initiativen und Anwohnern.

BVG: "Wir wollen unbedingt keinen Bahnhof Mohrenstraße mehr."

Die BVG reagierte noch am Dienstag in einem Tweet auf die Kritik und teilte mit, dass man offen für Diskussionen zum Namen der besagten Straße sei. Man müsse sich aber bei der Umbenennung an Straßen in der Umgebung halten und könne sich nicht einfach "einen Namen ausdenken". Der "dpa" sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken außerdem, ihr Unternehmen habe pragmatisch vorgehen wollen und sich natürlich über Glinka informiert. Der Aspekt Antisemitismus sei dabei nicht aufgefallen. "Wir wollen nicht unbedingt einen Bahnhof Glinkastraße, aber wir wollen unbedingt keinen Bahnhof Mohrenstraße mehr."

>> In Bayern gibt es sogar eine ganze Stadt mit "Mohr" im Wappen: Eine Stadt vollgepflastert mit rassistischen Stereotypen

Quelle: Noizz.de