Ist Trump wirklich der neue Hitler? Kann USA das neue Nazi-Deutschland werden? Der Hashtag #NaziGermany auf Twitter eröffnet eine hitzige Diskussion über die Auswirkungen des Präsidenten Trump auf die Politik der USA.

Manchmal widmet sich Twitter den wichtigen Fragen des Lebens, manchmal auch den nicht so wichtigen. Am Sonntagabend landete allerdings ein Stichwort in den Twitter-Trends, das einen ernsteren Ton anklingen lässt: #NaziGermany. Der Grund: Die US-Journalistin Jemele Hill eröffnete auf Twitter die Diskussion darüber, dass man Trumps USA mit Deutschland während des Regimes der Nationalsozialisten gleichsetzen könne.

Der Vergleich triggerte vor allem die rechte Fraktion auf Twitter, die Liberalen fanden ihn gerechtfertigt. Doch wie viel ist an der Gegenüberstellung dran?

Am Sonntag twitterte Hill: "Ich habe Isabel Wilkersons neues Buch 'Caste' gelesen, und wenn du der Meinung warst, dass die Vereinigten Staaten nicht annähernd so schlimm wie Nazi-Deutschland sind, liegst du damit so was von falsch. Ich kann euch nicht genug ermutigen, dieses Meisterwerk zu lesen." Und schon nahm die Debatte ihren Lauf.

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Manche fanden den Vergleich zwischen USA und Nazi-Deutschland problematisch. Eine Twitter-Userin schrieb, dass der Vergleich maßlos übertrieben sei und Jemele ihre Meinung ändern würde, sobald sie wirklich in einem autoritären Staat wohnen würde.

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Viele fanden den Vergleich aber treffend. Ein Tweet, der besonders viel Beachtung fand, wirft zum Beispiel die Frage auf, warum sich Anhänger der konservativen Partei mehr über den Nazi-Vergleich aufregen als über die vielen Missstände unter Trump, und spekuliert, ob es einen Menschen eigentlich zum Faschisten macht, wenn er sich darüber aufregt, mit einem Faschisten verglichen zu werden.

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Ein*e andere*r User*in versucht, den Vergleich mit Fakten zu unterfüttern. In einem Tweet zitiert er/sie James Q. Whitman, einen Professor der Yale Law School, der in seinem Buch "Hitler's American Model" aus dem Jahr 2017 beschreibt, wie sich die Nationalsozialisten an den Jim-Crow-Laws orientiert hätten, um ihre eigene Rassentheorie zu formulieren. Die Jim-Crow-Laws waren die radikalen Rassentrennungsgesetze im Süden der USA. Laut Whitman hätten die Nazis die Jim-Crow-Laws sogar als zu radikal eingestuft.

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Ein weiterer Twitter-User versuchte mithilfe einer Zeitleiste zu beweisen, warum der Vergleich zwischen Hitler und Trump angebracht sei. Zwischen Hitlers Machtnahme 1933 und dem Höhepunkt des Holocaust im Jahr 1942 verging fast ein ganzes Jahrzehnt. Seit Trumps Wahl vergingen erst dreieinhalb Jahre. Ein Blick auf die Zeitleiste soll also verdeutlichen, dass die momentane Lage der USA noch nicht der des Höhepunkts von Nazi-Deutschland entspricht. Laut dem Twitter-User befindet sich die USA aber in einer ähnlichen Ausgangssituation, die innerhalb des nächsten Jahrzehnts eskalieren könnte.

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Im Zuge der Diskussion rief US-Talkshow-Moderator Chip Franklin dazu auf, Vergleiche zwischen den USA und Nazi-Deutschland zu sammeln. Der Tweet hatte am Dienstagnachmittag schon mehr als 2600 Kommentare. Die Kommentator*innen vergleichen unter anderem Trumps Rhetorik mit der Joseph Goebbels', verweisen auf den Fremdenhass und die prekäre wirtschaftliche Lage, die Hitler 1933 mit zur Macht verhalf. Und wie Hitler verteufelt auch Trump die angebliche "Lügenpresse".

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Schlussendlich ist es ein extremer Vergleich, den Isabel Wilkerson in ihrem Buch aufzuzeigen versucht und mithilfe dessen Jemele Hill auf Twitter eine Debatte anheizte. Doch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Entscheidungen von heute zu den Entscheidungen von morgen führen, ist ein wichtiger Beitrag zur politischen Diskussion. Insbesondere im Hinblick auf die US-Wahlen im November, wo US-Bürger darüber entscheiden können, ob sie die nächsten vier Jahre wirklich von Trump regiert werden wollen – oder vom demokratischen Kandidaten Joe Biden.

  • Quelle:
  • Noizz.de