Trumps Wahlkampf ist wie er selbst: Niveaulos, grausam und vermutlich erfolgreich

Silvia Silko

Pop, Kultur, Lifestyle
Teilen
Twittern
So liebt Trump sich selbst: Agressiv, reich und stark Foto: Youtubescreenshot/ Reddit

Ob er die amerikanischen Halbzeit-Wahlen damit gewinnt?

Ja – Trump treibt bereits seit knappen zwei Jahren sein Unwesen im Weißen Haus. Diejenigen, die hofften, es handele sich doch um einen groß angelegten Joke von Böhmermann, sind mittlerweile in stumpfsinnige Verzweiflung übergegangen. So richtig verstehen, tut man es auch immer noch nicht, und die böse Ahnung, dass Trump am Ende des Tages leider doch der ehrlichste Spiegel der westlichen Welt ist, drängt sich gnadenlos auf.

Am 6. November stehen in Amerika die sogenannten "Midterms" an. Die Wahl markiert den aktuellen Zwischenstand und gilt als Stimmungsseismograph für die Präsidentschaftswahl 2020. Sollte die Wahl zugunsten der Demokraten ausfallen, verliert Trump außerdem an Macht und Spielraum. Außerdem wird auf Anti-Trump-Seite mit einer ordentlichen Abrechnung mit den Präsidenten gehofft.

Das bedeutet aber auch: Wahlkampf. Seit Trump sich mit Politik beschäftigt, könnte man auch – entschiedener als in den traditionell ungemütlicheren US-Wahlkämpfen – sagen: Zeit des Dreckschleuderns. Und genau das betreibt Trump und sein Team aktuell mit Leidenschaft.

Die Lieblingszutaten des Präsidenten bleiben hierbei die immer gleichen: Angst schüren, am lautesten schreien, unverhältnismäßiges Verunglimpfen seiner Gegner und das Argumentieren mit unbewiesenen "Tatsachen".

Ein Wahlkampfvideo wie ein schlechter Action-Film-Trailer

Am heutigen Freitag veröffentlichten die Republikaner ihr Wahlkampf-Video: Es besteht aus schnellen Schnitten, dramatischer Musik und emotionalen Bildern. Die erste Hälfte ist Trump gewidmet: Er hat Jobs geschaffen, er ist der große Held. Zwischendrin sehen wir ihn mit erhobener Faust und gewinnendem Gesichtsausdruck.

Danach kommen die Demokraten dran: Blut und Gewalt werden gezeigt, ein Land im Chaos. Es wird ein Kontrast gezeichnet: In Trumps Version Amerikas läuft es super, die Demokraten hingegen machen natürlich alles falsch. Entsprechend der Slogan: JOBS NOT MOBS.

Trumps Größenwahn und die Amerikanische Verfassung

Trumps Rassismus erreichte in den letzten Wochen ganz neue Höhen – und legte Abgründe offen. Flüchtende MexikanerInnen, die nach Amerika strömen, werden von Trump laut und offen als unerwünscht abgestempelt. Er möchte die Hilfesuchenden an in Zelten festhalten und verkündete, dass er das Asylrecht verschärfen möchte und auf die Flüchtenden geschossen werden darf. Im rassistischen, weißen Teil Amerikas dürften diese News wie Musik klingen.

Die US-Verfassung ist AmerikanerInnen heilig. Daran zu rütteln, kommt Blasphemie gleich. Trump ist das natürlich egal – wenn es ihm in den Kram passt. Das Waffengesetz in der Verfassung ist unumstößlich – es steht ja in der Verfassung. In selbiger ist auch festgesetzt, dass jede Person, die auf amerikanischem Boden geboren worden ist, auch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhält. Diese Klausel möchte Trump aufheben – natürlich, um zu verhindern, dass es in Zukunft Amerikaner mit Migrationshintergrund geben wird.

Wohlgemerkt: Das moderne Amerika ist seit seiner Entstehung ein Land, das von Migranten gegründet wurde.

Angst ist das beste Schmiermittel

Wäre Trump ohne Urängste überhaupt möglich? Es ist fraglich – denn etwas, das er mit Bravour meistert, ist das Schüren von Ängsten. Dazu inszeniert er nicht nur sich als Opfer, sondern auch den weißen Amerikaner per se. Die Welt ist gemein und möchte dem armen Riesen Amerika nur Schlechtes. "Amerika First" war schon vor der Wahl Trumps der Slogan, mit dem Trump das gebeutelte und sich abgehängt fühlende Amerika einfing. Die Bigotterie der Angelegenheit ist, dass diejenigen, die sich hier als Opfer sehen, in der stärkeren und mächtigeren Überzahl sind.

"Ohne mich wären wir längst im Korea-Krieg"

Trump argumentiert liebend gerne mit gefühlten Wahrheiten. So behauptet er im Interview mit Fox News am 29. Oktober, dass er den Krieg verhindert habe – anders als Obama.

"Hätte Obama ein weiteres Jahr regiert, hätte es den Korea-Krieg gegeben", so Trump. Aha – und hätten wir Flügel, könnten wir uns das Geld für Inlandsflüge sparen. Konjunktive sind ja nett, aber eben keine Fakten. Und die Geschichte passiert im Indikativ.

Was passiert wäre, wenn Obama noch ein Jahr im Amt geblieben wäre, weiß keiner. Das Argument ist somit nichtig.

Kommt er damit durch?

Diese Frage stellen sich JournalistInnen, EuropäerInnen und eigentlich die ganze Welt, seit Trump äußerte, für das Amt des Präsidenten anzutreten. In gewissen Abständen erscheinen Artikel, die behaupten, dass Trump nun tatsächlich zu weit gegangen sei und sein Ende nah ist. Leider sind diese Verheißungen nie Wirklichkeit geworden.

Im Gegenteil: Trump und seine Machenschaften werden immer extremer – und er wird weiterhin umjubelt und gewählt. Auch dieses Mal? Wir warten gespannt auf den 6. November und schauen über den großen Teich – den Vodka zum Betäuben unserer Schockstarre stellen wir vorsorglich kalt.

Quelle: Noizz.de

Kommentare anzeigen