Der mit dem Coronavirus-infizierte US-Präsident irritiert: Nachdem er aus einem Militärkrankenhaus wieder entlassen wurde, macht er auf gute Mine und spielt die Pandemie weiter herunter. An seine Quarantäne hält er sich wohl nicht, die Maske zieht er gleich ab, als er in Washington ankam. Vielleicht sei er immun, so Trump. Auch am TV-Duell mit Biden will er teilnehmen.

Er fühle sich besser als vor 20 Jahren, verkündet der Präsident. Vier Wochen vor der US-Wahl will Corona-Patient Trump ein Zeichen der Stärke setzen und kehrt nur drei Tage nach seiner Behandlung in einem Militärkrankenhaus ins Weiße Haus zurück. Kritikern gibt Trump mit seinem Verhalten nach der Entlassung aber neue Munition.

>> Darf man sich über Trumps Corona-Infektion freuen?

Wie es sich für einen Trump gehört, inszenierte er seine Ankunft: Er stieg die Treppe zum Balkon auf der Südseite seiner Residenz hoch, nahm dort demonstrativ die Gesichtsmaske ab und salutierte dem Piloten seines abfliegenden Hubschraubers. Danach nahm der Präsident ein Video auf, in dem er seine Landsleute aufrief, keine Angst vor dem Virus zu haben – natürlich ebenfalls ohne Maske. Seine Angestellt*innen und Kolleg*innen im Weißen Haus zu schützen, ist wohl Nebensache.

Auffällig schnelle Genesung – Dank Medikamenten, die Normalos nicht zur Verfügung stehen

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"Lasst euch nicht von dem Virus dominieren", appellierte er in gewohnter Trump-Manier an seine Anhänger*innen. Trump ist laut seinen Ärzt*innen noch immer infektiös, also ansteckend, die Atmung in seiner Rede war schwer. Er betonte mehrmals, wie gut es ihm ginge und dass sein Land die besten Medikamente aller Zeiten habe.

Tja, anscheinend hat der US-Präsident da gewisse Vorzüge gegenüber anderen Patient*innen in den USA: Laut einstimmenden Medienberichten war er in der Klinik unter anderem mit einem noch experimentellen Antikörper-Mittel behandelt worden.

Nach Einschätzung des renommierten Epidemiologen Anthony Fauci könnte dies entscheidend zu einer schnellen Verbesserung von Trumps Gesundheitszustand beigetragen haben, wie dem Nachrichtensender CNN sagte:

Ich habe einen starken Verdacht, dass ihm das geholfen hat.

Das Mittel war von der Biotech-Firma Regeneron auf Anfrage der Präsidenten-Ärzte bereitgestellt worden. Es wird für gewöhnliche Patienten noch lange nicht verfügbar sein.

Trump im Wahlkampf-Modus: "Geht raus, seid vorsichtig"

Zuvor hatte Trump bei Twitter geschrieben, er fühle sich besser als vor 20 Jahren. "Es ging mir nicht so gut“, sagte er dann aber im Video zu seiner Erkrankung. "Aber vor zwei Tagen fühlte ich mich wieder großartig, besser, als ich mich seit langem gefühlt habe." Vielleicht sei er jetzt immun gegen das Coronavirus, mutmaßte der Präsident.

Sein Leibarzt Sean Conley schränkte allerdings ein, dass Trump "noch nicht über den Berg" sei. Zugleich betonte er, dass der Präsident im Weißen Haus rund um die Uhr die beste medizinische Versorgung bekommen werde. Er benötige nichts, wofür er im Krankenhaus bleiben müsse.

In vier Wochen steht in den USA die Präsidentschaftswahl an. Seine Corona-Erkrankung scheint für Trump allerdings kein Grund zu sein, kürzer zu treten, obwohl der 74-Jährige zur Risikogruppe gehört. Er kündigte auf Twitter an, er werde seinen, wegen der Erkrankung ausgesetzten, Wahlkampf bald wieder aufnehmen.

Er plane auch weiterhin, an der zweiten TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden teilzunehmen, sagte ein Sprecher von Trumps Wahlkampfteam dem TV-Sender Fox News. Die zweite von drei geplanten Debatten zwischen Trump und Biden ist für den 15. Oktober angesetzt. Diesmal sollen die Kandidaten Fragen von Wählern beantworten.

Trump will an zweiter TV-Debatte mit Biden teilnehmen

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Auf Kurs ist auch die Debatte des stellvertretenden Präsidenten Mike Pence mit Bidens Vize-Kandidatin Kamala Harris am Mittwochabend in Salt Lake City im Bundesstaat Utah. Pence und Harris sollen dabei laut Medienberichten von einer Plexiglas-Scheibe getrennt werden. Biden appellierte an seine Landsleute, Masken in der Öffentlichkeit zu tragen:

Es sollte als patriotische Pflicht betrachtet werden.

Zugleich sagte Biden, dass er sich bei Entscheidungen rund um die Debatte auf die Meinung von Experten verlassen wolle. "Wenn die Wissenschaftler sagen, dass es sicher ist, dass die Abstände sicher sind, dann ist alles gut, denke ich", sagte er. "Ich werde tun, was die Experten für angemessen halten."

Das US-Wahljahr wird von der Corona-Pandemie überschattet. Bisher starben in den Vereinigten Staaten mehr als 210.000 Menschen nach einer Corona-Infektion. Trump, der sich am 3. November eine zweite Amtszeit sichern will, werden schwere Versäumnisse im Umgang mit der Pandemie vorgeworfen.

Kurz vor seiner Covid-19-Infektion hielt er Wahlkampfauftritte mit Tausenden Anhängern ab. Dabei trug er selbst in der Öffentlichkeit oft keine Maske. Nach einer Veranstaltung im Weißen Haus am 26. September wurden mehrere Teilnehmer positiv getestet. Auch Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany gab ihre Infektion bekannt.

>> TV-Duell zwischen Trump und Biden: Warum die US-Wahl schon jetzt alle abfuckt

[Text: Zusammen mit dpa / sw]

  • Quelle:
  • Noizz.de