Am 3. November ist Präsidentschaftswahl in Amerika. Der Wahlkampf läuft derzeit auf Hochtouren. Trumps bisher größter Move: Sich die Haare nicht mehr färben. Oder steckt hinter dem grauen Haupthaar des Politikers noch viel mehr?

Man muss ja Aussehen und Fähigkeiten trennen – nur weil Trump bisher politisch eine Totalkatastrophe war, heißt das nicht, dass er dabei nicht auch fürchterlich aussah. Ein ziemlicher Zeitaufwand dürfte die Farbkombi aus ledriger Möhre und aufgeplustertem Fuchs aber dennoch gewesen sein: Regelmäßiges Orange-Färben beim Friseur und regelmäßiges Orange-Brennen auf der Sonnenbank machen sich jedenfalls nicht von selbst.

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Trump hat nun graues Haar

Seit seiner Rede im Rosengarten des Weißen Hauses Anfang dieser Woche scheint aber alles anders: Trump ist nun ergraut. Macht zwar nichts besser, sticht aber nicht so aggressiv ins Auge. Natürlich ging die Diskussion in den sozialen Medien direkt rund. Fast schaffte es Trump, mit seinem Haar die ganzen falschen Fakten zu übertünchen, die er über seinen Rivalen Joe Biden vom Stapel ließ. Aber nur fast.

Dennoch ließ die zart silberne Matte des US-Präsidenten niemanden so schnell los. Ob Trump nun tatsächlich so weit sei und die Corona-Pandemie ernst nehme, fragten einige. Ihre Schlussfolgerung: Vielleicht konnte der 74-Jährige nicht zum Friseur, weil er Social Distancing praktiziere.

Wiederum anderen ist es ganz egal, warum Trump sich für die edle Farbe auf seinem Haupt entschieden hat, sie feiern die Entscheidung als die beste und wichtigste seiner bisherigen Amtszeit – na wenn das mal nicht exzellentes Arbeitszeugnis von beinahe vier Jahren als Präsident ist.

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Trump läutet die Zeit der neuen Seriosität ein

Wenn man sich in den letzten Jahren ein bisschen mit Trump beschäftigt hat – und das hat man, wenn man nicht dauerhaft im Schrank gepennt hat – dann weiß man, dass der Typ ein ziemlicher Narzisst ist. Er findet sich selbst erstens ziemlich sicher wunderhübsch, und zweitens dürfte er vor allem sein Aussehen nicht ohne Hintergedanken verändert haben.

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Trumps graues Haar ist knallharter Wahlkampf. Gut, könnte man jetzt fragen: Fällt dem nichts Besseres ein? Etwa echte Argumente? Faktencheck? Schlagworte, bei denen Trump nur milde Lächeln kann. Der gemeine Trump-Wähler macht sich nichts aus Fakten, sondern vor allem aus gefühlten Wahrheiten.

Merkt man bei Trumps Corona-Politik: Erst die Pandemie leugnen, dann behaupten, man hätte alles im Griff, dann die WHO und China für alles verantwortlich machen, dann in der Rede am Rosengarten ohne Beweise behaupten, ohne Trump wären noch viel mehr Menschen an Covid-19 gestorben und nun ein Dekret unterschreiben, dass das CDC (Amerikanische Zentrum für Erkrankungen und Vorbeugung) nun sämtliche Corona-Zahlen erst an Trump übermitteln muss, bevor sie veröffentlicht werden – wenn sie denn wahrheitsgemäß an die Öffentlichkeit gelangen. Trumps Corona-Strategie ist nämlich: Je weniger Menschen getestet werden, desto weniger Corona-Problem gibt es. Logische Rechnung.

Trumps Umfragewerte sinken

Nun ist es aber so, dass die Umfragewerte Trumps stetig sinken. Könnte auch damit zu tun haben, dass sich viele Amerikaner*innen aktuell alleingelassen fühlen. Vor allem im Angesicht der Folgen der Pandemie: Das US-Büro für Arbeitsstatistik meldet, dass im April 20,5 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren haben. Im März lag die Arbeitslosenquote in den USA noch bei 4,4 Prozent, nun liegt sie bei 14,7 Prozent. Das ist der stärkste Anstieg von Arbeitslosenzahlen seit Beginn der Datenerhebung.

Trump unterwegs mit seiner neuen Matte.

Töchterchen Ivanka Trump scheiterte mit ihrer lächerlichen Arbeitslosen-Kampagne, die Sorgen der Amerikaner*innen ernst zu nehmen. Und auch Donald Trump selbst hat üblicherweise keine Ahnung, was nun zu tun ist. Konstruktive Vorschläge konnte man auf seinem Twitter-Account bisher jedenfalls nicht vernehmen. Aber seinen Wähler*innen geht es bekanntlich ja gar nicht darum, dass hier ernsthaft Dinge im Land besser werden. Es geht darum, so zu tun, als hätte man die Lage im Griff. Dann garniert man dazu noch ein paar alternative Fakten und fertig ist die Laube.

Trumps Haare zeigen: Die Lage ist ernst

Deshalb also der neue Look: Graue Haare verströmen den Anschein von Erwachsensein, von Großväterlichkeit, Vertrauen und Weisheit. Quasi: Orange war Party, aber aktuell gibt es halt nichts zu feiern. Die bisherigen amerikanischen Präsidenten waren ebenfalls grauhaarig – Obama markiert dort in jeder Hinsicht eine Ausnahme.

Joe Biden ist derzeit außerdem derjenige, der Trump den Rang abläuft – und der hat ja schließlich auch graue Haare und trägt Maske. Warum nicht also aussehen, wie jemand der die Lage scheinbar besser einschätzt? Muss auch reichen, für mehr hat der Präsident gar keine Zeit. Aktuell hat er nämlich alle Hände voll zu tun, sich als Influencer zu betätigen: Er und Ivanka Trump machen in den sozialen Medien aktuell fröhlich für Goya-Bohnen Werbung. Auch dafür gab es Spott und vor allem Kritik. Immerhin missbraucht Trump hier einmal mehr sein Amt, um fragwürdige Werbung zu machen.

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Wie immer dürfte aber all das dem guten, alten Donald völlig egal sein. Er hat jetzt die Haare schön und kann sich in den Wahlkampf stürzen. Und so lange er sowieso keine Wahrheiten oder Sinnvolles zu sagen hat, kann er auch versuchen, wenigstens durch sein Aussehen irgendwas besser zu machen.

Quelle: Noizz.de