Als "rough sex gone wrong"-Verteidigung ist eine Praxis in Großbritannien bekannt, die jetzt endlich verboten wird. In Mordfällen konnten Täter damit argumentieren, dass ihr*e Partner*in bei "hartem Sex" aus Versehen gestorben war, sie aber genau diesen gewaltsamen Sex wollte. Damit wurde aus Mord schnell nur Totschlag.

Seit dem Jahr 1972 wurde bei vielen Mordfällen die sogenannte "rough sex gone wrong"-Verteidigung genutzt. Also übersetzt eine Verteidigung, bei der der/die Täterin einfach sagen kann: Ups, sorry wir hatten harten Sex und das war ein Versehen, dass er/sie dabei gestorben ist. Das erste Mal benutzte der Mörder und damalige Partner von einer Frau namens Carole Califano diese Erklärung und bekam dadurch ein geringeres Strafmaß. Sie wollte ihn wohl eigentlich verlassen, doch dann war sie tot. Ob es sich dabei wirklich um ein Versehen beim Sex gehandelt hat?

>> Rassismus in der Polizeiarbeit: Was geschah bei den Kindermorden von Atlanta?

Mord beim Sex: Männer nutzten häufig BDSM als Verteidigung

Seitdem haben insgesamt 60 Männer, die Frauen getötet haben, diese Verteidigung genutzt, um ihre Anklage im besten Fall von Mord auf Totschlag herunterzustufen. Zuletzt hatte ein Mann, der die 21-jährige Grace Millane in Neuseeland getötet haben soll, diese Argumentation genutzt. Er habe sie zwar erwürgt, aber das war laut seiner Aussage eben "nur" ein "Sexspiel, das falschgelaufen ist". Er kam damit nicht durch und bekam für den Mord an der jungen Frau lebenslänglich.

Alex Chalk, seines Zeichens Teil des britischen Justizministeriums, will die "rough sex gone wrong"-Verteidigung, die vor allem in England und Wales Anwendung fand, nun in einem neuen Gesetzesentwurf zu häuslicher Gewalt verbieten. "Es ist für Angeklagte unverantwortlich, zu behaupten, dass der Tod einer Frau – es ist fast immer eine Frau – gerechtfertigt, entschuldbar oder rechtlich vertretbar ist, nur weil diese Frau der gewalttätigen sexuellen Aktivität zugestimmt hat, die zu ihrem Tod geführt hat", sagte er in einem Statement. Das Gesetz soll Ende des Jahres in Kraft treten, so "Insider".

>> "Black Lives Matter"-Aktivistin twittert über sexuelle Belästigung und wird Tage später tot aufgefunden

Quelle: NOIZZ-Redaktion