Jacinda Ardern macht einfach alles richtig.

Es ist wahnsinnig traurig, dass Neuseeland durch einen Terroranschlag vergangenen Freitag auf den Radar der Weltöffentlichkeit gelangt ist. Am 15. März war ein mutmaßlich rechtsextremer Australier der Haupttäter beim Angriff auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch. Bei dem Attentat kamen 50 Menschen ums Leben, sie wurden hinterhältig ermordet, während sie sich in den Moscheen zum Beten aufhielten. Ekelhaft ist auch, dass die Tat durch eine Kamera am Kopf des Täters zum Anschauen ins Internet gelangte. Die Angelegenheit bricht einem nicht nur das Herz, sie hinterlässt uns sprachlos.

Schuldfrage und Beleidigungen

Neuseeland schien kurz in Schockstarre – einen solchen Vorfall hat es bei den 'Kiwis' in der näheren Geschichte nicht gegeben. Nicht ohne Grund ist Neuseeland zwar Reisenden und immer mehr Backpackern bekannt, die keine Lust mehr aufs übermäßig touristische Down Under haben, aber sonst eher ein kleines, grünes Fleckchen Erde, das selten besonders im Vordergrund steht (mal abgesehen von den herrlichen Kulissen aus der Herr der Ringe Trilogie). Entsprechend fragte man sich: Wie wird wohl in diesem Land, aber auch in der Welt mit dem Anschlag umgegangen werden?

Während einige Rechtsradikale versuchen, den Täter in möglichst linke Ecken zu stellen (wie die Vice berichtete), während Erdogan den Vorfall großkotzig für seinen Wahlkampf instrumentalisiert und sich nebenbei mit Australien anlegt (wie man u.a. hier nachlesen kann), während Trump den Fall herunterspielt (wie der Spiegel berichtet), macht eine Politikerin alles richtig: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern.

>> Hier noch mal die News zum Anschlag im neuseeländischen Christchurch

Der namenlose Terrorist

Sie reiste direkt ins gebeutelte Christchurch, besuchte Betroffene und Flüchtlingsheime, sie bedeckt ihren Kopf respektvoll mit einem schwarzen Schal – eine große Geste. Im Parlament in Wellington hält Ardern eine Rede, während der viel Nicken und nach der ergriffenes Schweigen herrscht. Sie verurteilt die Tat zutiefst, und erklärt: „Eines der Motive des Täters ist Aufmerksamkeit – und die werde ich ihm nicht geben. Deshalb werde ich niemals seinen Namen nennen,“ sagte sie sinngemäß.

Sie findet die richtigen Worte und spricht auf Arabisch, Maori (der Sprache der neuseeländischen Ureinwohner) und Englisch – und weist die Schuld vor allem nicht von sich und ihrem Land. Sie legt nämlich offen, dass der Täter vielleicht kein Einheimischer war, dass sein Hass und seine Taten ihre Quelle nicht im Inland haben, aber dass auch in Neuseeland Fremdenfeindlichkeit herrscht, der man entgegnen müsse.

Abrüsten, nicht aufrüsten

Was in den USA niemals denkbar wäre, wurde in Neuseeland im absoluten Schnelldurchlauf auf den Weg gebracht: Die Waffengesetze wurden verschärft. Bisher war es erlaubt, bereits mit 16 Jahren eine Waffe bei sich zu tragen. Eine Waffenmesse in Wellington kurz nach dem Attentat wurde aus Respekt ganz abgesagt.

In den Staaten ist ein Massaker – egal mit wie vielen toten Kindern – kein Grund für derartige Bestrebungen. Ein Punkt, der seit Jahren weltweit diskutiert wird. Aber die Waffenlobby ist zu stark und ein Präsident wie Donald Trump sowieso auf der Seite reicher, weißer Amerikaner, deren Waffenrecht mehr wiegt, als mögliche Tote. Somit ist Arden und ihrem Parlament nicht nur ein wichtiger, sondern auch ein wahnsinnig respektvoller Schritt gelungen: Die Betroffenen sehen, dass sich etwas tut, dass ihr Leid ernst genommen wird. Der Bevölkerung hingegen wird signalisiert, dass für ihre Sicherheit auf die richtige Art und Weise gesorgt wird.

Die Gegner zum Teil der eigenen Entscheidung machen

Arden hat diese Entscheidung nicht gegen die konservative Opposition getroffen, sondern mit ihr. Außenminister Peters (nationalistische Partei NZF – New Zealand First) pflichtete ihr bei: „Unsere Welt hat sich für immer verändert. Deshalb werden sich auch unsere Gesetze ändern“ (Zitat nach diesem Artikel). Zuvor hatten die Konservativen derartige Bestrebungen abgelehnt.

Arden schafft es nicht nur, den richtigen Ton zu treffen, sondern allen eine Stimme zu geben. Sie ist dabei sympathisch, klug und bekommt es hin, niemanden zu übergehen. Schaut man sich die restlichen Pappenheimer der aktuellen Weltpolitik an, ist man dankbar für diese großartige Person und dasVorbild.

Jacinda Ardern wurde schon vorher gefeiert – zu recht!

Als junge Politikerin übernahm sie erst im Oktober 2017 ihr Amt. Sie manövrierte ihre Partei überraschend zum Sieg und spätestens, als sie auf Instagram die Geburt ihres Kindes verkündete, schlugen alle Kiwi-Herzen höher. Bei einer UN-Versammlung (73. Versammlung der UN in New York) sorgte sie außerdem für einen legendären Moment: Kurz vor ihrer Rede spielte sie mit ihrer kleinen, drei Monate alten Tochter – die mit in der Versammlung saß. Der Papa des Mädchens war auch zugegen – er kümmert sich hauptsächlich um den Spross. Das ist nicht nur wahnsinnig modern, sondern auch gleichberechtigt und (leider immer noch) beispiellos.

In Neuseeland wurde kurzerhand von einer „Jacindamania“ gesprochen, die das Land aufgrund dieser tollen Frau ergriff. Wir können es verstehen!

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Quelle: Noizz.de