Der 19-Jährige wollte eine Bombe fernzünden; die Chemikalien dafür kaufte er im Internet.

Spezialkräfte der Polizei haben in Schwerin einen Syrer wegen des Verdachts auf Vorbereitung eines islamistisch motivierten Bombenanschlags festgenommen. Der 19-jährige soll laut Bundesanwaltschaft in Karlsruhe seit Juli einen Bombenanschlag mit hochexplosivem Sprengstoff in Deutschland geplant und bereits konkret vorbereitet haben.

Sein Ziel sei es gewesen, dabei möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen, teilte die Behörde weiter mit. Sowohl in Schwerin wie auch in Hamburg gab es im Zusammenhang mit der Festnahme am Dienstag auch Durchsuchungen. Weitere Angaben zur Identität des Festgenommenen gab es zunächst nicht.

Spezialkräfte der Bundespolizei, des Bundeskriminalamtes und der Schweriner Landespolizei hätten den Verdächtigen gegen 6 Uhr morgens in einer Plattenbausiedlung in Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf festgenommen. Dort seien insgesamt drei nahe beieinander gelegen Wohnung durchsucht worden.

In den Wohnungen hielten sich nach Angaben des Polizeisprechers mehrere Personen auf. Weitere Menschen seien aber nicht festgenommen worden. Es bestehe keine akute Bedrohung für die Bevölkerung, betonte der Sprecher.

Im Juli habe der Syrer mit der Beschaffung von Bauteilen und Chemikalien begonnen, die für die Herstellung eines Sprengsatzes benötigt werden. Ob er bereits ein konkretes Ziel für seinen Sprengstoffanschlag ins Auge gefasst hatte, war nach Angaben der Bundesanwaltschaft zunächst unklar.

Der Verdächtige hatte nach Angaben der Bundesanwaltschaft über das Internet Kontakt zu einer Person, die sich selbst als „Soldat des Kalifats“, also als Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), bezeichnete.

„Wir wissen aber nicht, wer diese Person ist, und wir wissen nicht, ob er ihn in seinen Plänen bestärkt hat“, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, am Dienstag in Karlsruhe. Deshalb werde gegen den Syrer zunächst nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sondern wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, sagte Köhler.

Die Festnahme hat nach den Worten von einen „schweren Terroranschlag in Deutschland“ verhindert. „Nach allem was wir wissen, erfolgte der Zugriff zum richtigen Zeitpunkt: spät genug, um Beweise zu sichern und gleichzeitig früh genug, um die Gefahr zuverlässig zu bannen“, erklärte de Maizière am Dienstag.

Alle Beteiligten hätten „hervorragende Arbeit“ geleistet, lobte der Minister. „Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verfassungsschutzes, der Kriminalpolizei, der Sonderpolizeieinheiten in Bund und Ländern sowie der Justiz, die sich Tag für Tag für unsere Sicherheit einsetzen.“

Die Gefährdungslage in Deutschland sei unverändert hoch. Angesichts der anhaltenden Bedrohung Europas durch islamistischen Terrorismus arbeiteten die Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern, national und international eng und gut zusammen und handelten „wenn nötig entschlossen und konsequent“, betonte der Minister.

Deutschland und andere europäische Länder wurden schon wiederholt Ziel islamistischer Anschläge. Den schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland gab es am 19. Dezember 2016 in Berlin. Der Tunesier Anis Amri raste mit einem Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt und tötete insgesamt zwölf Menschen.

Sprengstoff kam zum Einsatz, als sich im Juli 2016 im bayerischen Ansbach ein 27-jähriger syrischer Flüchtling auf einem Platz vor einem Musikfestival in die Luft sprengte. Der Attentäter starb, 15 Menschen wurden verletzt.

Immer wieder gelingt es den Behörden aber auch, Verdächtige festzunehmen. So zuletzt am Mittwoch vergangener Woche in Berlin, wo ein 40-Jähriger, den die Ermittlungsbehörden der Islamistenszene zurechnen, festgenommen wurde.

Quelle: Noizz.de