Das fand eine ausgiebige Recherche der "New York Times" heraus.

Der Fall Brett Kavanaugh wurde Ende 2018 zum zeichengebenden Ereignis, wie viel Toleranz in Amerika für Sexualstraftaten gegen Frauen herrscht. Kavanaugh war Trumps Wunschkandidat für eine freigewordene Stelle zum Richter am Supreme Court. Wegen Beschuldigungen seiner ehemaligen Kommilitonin Dr. Christine Blasey Ford, Kavanaugh habe sie sexuell misshandelt, wurde die Ernennung Kavanaughs zum öffentlichen Diskurs über Moral. Im Oktober 2018 wurde er dann trotzdem mit knapper Stimmenmehrheit zum Supreme Court Richter ernannt. Seitdem machte die US-Zeitung "New York Times" weitere Recherchen zum Fall Kavanaugh – und berichtet nun von zwei weiteren Fällen sexueller Belästigung.

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Ford hatte Kavanaugh beschuldigt, sie auf einem Bett festgehalten und ihren Mund zugehalten zu haben, während er versuchte, sie auszuziehen. Die "New York Times" beschreibt jetzt zusätzlich zu Ford den Fall von Deborah Ramirez, der der Richter auf einer Party wohl seinen Penis ins Gesicht gedrückt hätte.

Dieser Fall wurde vom FBI untersucht, obwohl die Investigation zu Ramirez‘ Fall (ähnlich wie bei der Investigation zu Fords Fall) viele Lücken vorwies. Zum Beispiel habe Ramirez dem FBI eine Liste von 25 Namen gegeben, die ihre Aussagen unterstützen würden. Keine der Personen auf der Liste wurde jemals vom FBI befragt, trotz Bemühungen der Zeugen selber, ihre Geschichte dem FBI zu erzählen.

Die "New York Times" recherchierte außerdem die Geschichte von Max Stier, einem ehemaligen Kommilitonen Kavanaughs. Der erzählt, dass er gesehen hätte, wie Kavanaugh bei einer Uni-Party ohne Hose vor einer Frau gestanden hätte. Seine Freunde hatten seinen Penis in ihre Hand gedrückt.

Obwohl Max Stier mit dieser Geschichte zum FBI ging, wurde wohl nicht weiter ermittelt. Auch Zeugenaussagen gab es dazu nicht.

Mit Kavanaugh wollten die beiden Reporterinnen der "New York Times" auch reden. Ein Interview kam jedoch nie zustande, da sich keine der beiden Parteien auf Interview-Bedingungen einigen konnte. 

Die demokratische Senatorin Kamala Harris und der aufstrebender Präsidentschaftskandidat Julían Castro fordern nun in Folge der erneuten Anschuldigungen den Rücktritt Kavanaughs bzw. die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahren gegen ihn. 

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Quelle: Noizz.de