Und gleich zu Beginn lobt der Rapper die AfD.

Von Storch und Bushido hatten es schon über Social Media angekündigt: Vergangene Woche trafen sie sich zu einem Gespräch (NOIZZ berichtete). Das Video dazu wurde jetzt veröffentlicht.

„Die Plakate ihrer Partei sind die einzigen, die mir im Kopf bleiben.“ Eingangs geht es schnell um die Definition eines Deutschen: Ist Bushidos Sohn, Djibrail Ferchichi, „der neue Deutsche, der zur AfD passt“? Von Storch kurzum: „Ja klar.“

Danach geht es hauptsächlich um das Problem, das die AfD mit dem Islam hat. Dem Islam, den es laut von Storch zu bekämpfen gälte.

Genauer geht es um die Debatte, ob Schweinefleisch im Kindergarten serviert werden dürfe. Der Rapper schlägt den Vergleich zu Vegetariern, Veganern und Juden, für die die Küche ebenfalls umgestellt werden müsse. Ein Gegenargument seitens von Storch bleibt aus. Stattdessen definiert sie das Essen von Schwein als wichtigen Teil der deutschen Kultur. Von Bushido gibt es dafür nur Gelächter. Die einzige neue Info für den Zuschauer: Beatrix von Storch isst selbst ungern Schweinefleisch. Danke!

Generell gibt sich von Storch versöhnlich. Anhand der Aussage: „Er ist Deutscher [...] mit Migrationshintergrund durch einen Elternteil. Aber hier geboren, hier aufgewachsen, deutscher Pass: also Deutscher. Er ist Deutscher mit muslimischen Glauben – kein Problem.

Nach ganzen 18 Minuten gibt es einen Themenwechsel. Für ganze eineinhalb Minuten. Die Aussage: von Storch hätte sich als amerikanische Präsidentin von den Neonazi-Ausschreitungen in Charlottesville distanziert.

Dann geht es zurück zum eigentlichen Thema: Ausländer. „1,5 Millionen Flüchtlinge zu integrieren, das wollen wir nicht. Weil wir sagen, dass ein großer Teil von denen nach deutschem Recht ausreisepflichtig sind, die müssen abgeschoben werden.“

Bushido entgegnet empört: „Wie kann man als Mensch so was sagen? Wie kann man einem anderen Menschen die Hilfe verwehren?“

Die einzige Antwort darauf: „Kein Mensch ist illegal, aber sehr viele sind illegal hier.“ Danach gibt es einen harten Cut.

Und das wörtlich: Nach dem Videoschnitt geht es wieder um Integration. Dass Integration nichts sei, was die Deutschen leisten müssen, sondern die, die hierherkommen. Dabei unterscheiden sich die jeweiligen Definitionen vom Wort „wir“.

Für die AfD-Politikerin sind „wir“ die Deutschen. Doch für Bushido hat der Millionär im Berliner Grunewald nichts mit dem Hartz 4-Empfänger in Lichtenberg gemein. Schnippische Antwort von der AfD-Politikerin: „Doch beide haben am Sonntag frei.“

In Gespräch reden die Beiden oft aneinander vorbei Foto: hyperbole / YouTube

Im Anschluss gibt es wieder einen harten Sprung zurück zum Islamismus. Der Rapper versteht nicht, wie die AfD den Terror auf den Islam münzen kann: „Wenn eine christliche Sekte Leute tötet, besitze ich so viel Toleranz, dass ich nicht mal auf die Idee käme, Ihnen das als Christin vorzuwerfen.“

Von Storch versucht selbst zu differenzieren, dass ein Mord etwas anderes sei, als ein Mord im Namen von Jesus Christus. Doch das sei das, was die Muslime (!!) tun. Somit setzt sie Muslime mit Islamisten gleich.

Nach satten 25 Minuten gibt es die erste Frage seitens der AfD-Politikerin: „Was ist ihre Leistung für die Integration genau? [...] Womit haben sie integriert? Und wen haben sie worein integriert?“ Die prompte Antwort des Rappers: „Das ist eine gute Frage. Ich habe schon damals nicht verstanden, warum ich den Preis (Integrations-Bambi 2011 Anm. d. Red.) bekommen habe.“

Doch konkrete Antworten auf die Fragen der Politikerin bleiben aus. Stattdessen wieder kräftig rübergeschnitten zur These, dass nicht ein „gesunder Jugendlicher“ die AfD wähle.

Folglich wieder die Aussage, dass der Islam intolerant gegenüber Homosexuellen sei. Gegenthese: „Es gibt keinen schwulen AfD-Wähler.“ Ups. Denn Spitzenkandidatin Alice Weidel höchstpersönlich ist lesbisch. Doch die kennt Bushido leider nicht.

Zum Abschluss gibt es noch mal den winkenden Zeigefinger à la Mama und Papa: Warum Wählen gehen? Nach einem üblichen Lehrerin-Monolog seitens von Storch, sagt Bushido, dass er nicht wählen gehen wird: „Keiner hat meine Stimme verdient.“ Letztendlich kein Umdenken beiderseits. Keine Motivation für Erstwähler sich politisch zu interessieren.

Auch thematisch hat man sich nur im Kreis gedreht. Im Gespräch gibt es kaum ein sinnvolles Einschreiten des Moderators, um den Gesprächsfluss zu erhalten. Beispielsweise werden die Social-Media-Aktivitäten von von Storch nicht behandelt. Grund gäbe es allemal: Allein, dass sie sich einst in einem Facebook-Post dafür aussprach, an den Grenzen auf geflüchtete Frauen und Kinder zu schießen.

Ja, auch einen Moderator gab es Foto: hyperbole / YouTube

Zwar ist der Ansatz, deutsche Rapper, die mittlerweile zu den einflussreichsten Idolen der Jugend gehören, mit Politikern zusammenzubringen, super. Allerdings passiert in den ersten drei Folgen nicht viel mehr als das Auseinandertreffen der Gegensätze. Kein Leitfaden, kein Konzept und ein überflüssiger Moderator.

Quelle: Noizz.de