Aleppo ist mehr als 3000 Kilometer von Berlin entfernt.

Jedoch nicht in dem Webprojekt „reprojected destruction” des Künstlers Hans Hack. Dort hat er den Grundriss der syrischen Stadt auf europäische Städte wie Berlin und London übertragen und die Zerstörung greifbar gemacht. Denn er glaubt, dass Menschen den Krieg und das Leid noch besser nachvollziehen können und sich so jeder seine eigene Meinung bilden kann.

Die Karte zeigt das schockierende Ausmaß der Zerstörung Foto: hanshack.com

Hans Hack wurde 1982 in Brüssel geboren und lebt seit zehn Jahren in Berlin. Im Interview verrät er, was ihn bei der Arbeit am meisten schockiert hat und welche Reaktion er sich wünscht.

NOIZZ: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Hans Hack: Ich interessiere mich für Syrien und verfolge auch die Nachrichten. Vor Kurzem hat das „United Nations Institute for Training and Research” eine Studie veröffentlicht, die zeigt, welcher Stadtteil in Aleppo wie stark zerstört wurden. Aber ich war noch nie in dem Land und konnte mir gar nicht vorstellen, wie groß das da alles ist und dachte mir: Wenn das jetzt von Charlottenburg bis Ende Friedrichshain geht, kann ich mir das besser vorstellen. Ich habe mich gefragt, wie man das auf andere, bekannte Städte projizieren könnte und dabei kam diese Karte heraus.

Wie lange hast du für die Umsetzung gebraucht?

Hans: Eigentlich wollte ich nur zwei Tage daran sitzen, doch am Ende habe ich eine Woche dafür gebraucht. Die Umrechnungen auf den Karten sollen ja Sinn machen, Berlin ist zum Beispiel doppelt so groß wie Aleppo. Ich habe ein Programm geschrieben, das zufällig aussucht, welche Gebäude zerstört werden. Das war also viel Programmierarbeit. Es geht mir aber darum, ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie eine Stadtteil aussieht, wenn 60 Prozent zerstört sind.

Warum hast du Berlin und London ausgesucht?

Hans: Ich habe zu beiden Städten einen Bezug: In London habe ich mal drei Jahre gelebt und studiert und in Berlich wohne ich seit inzwischen zehn Jahren. Außerdem sind Berlin und London ähnlich aufgebaut wie Aleppo: sie haben ein Zentrum, eine zentral gelegene Altstadt und liegen im Inland. Mit New York würde das zum Beispiel nicht so gut funktionieren oder mit Hamburg, weil diese Städte von viel Wasser umgeben sind und an der Küste liegen. Aber theoretisch würde jede andere Stadt auf dem Kontinent gehen, das wären nur wenige Klicks mit meinem Programm. Erstmal habe ich das aber nicht vor, erst wenn es Rückfragen gibt würde ich die Liste erweitern.

Was hat dich am meisten schockiert bei deiner Arbeit?

Hans: Mich hat schockiert, wie viel in einigen Gebieten zerstört ist. In anderen Stadtteilen hingegen ist fast gar nichts. Die Grenzen zwischen den Gegnern verlaufen in der Stadt sehr scharf.

Was möchtest du damit erreichen? Welche Reaktion wünschst du dir?

Hans: Die Berichte über Syrien werden in den Medien immer wieder durch aktuelle Nachrichten verdrängt und rücken so in den Hintergrund. Außerdem ist Syrien so weit weg und die Zerstörung so abstrakt, doch wenn man sieht, dass vielleicht Straßen und Gebäude zerstört wären, die man jeden Tag sieht, ist das schon eine ganz andere, viele realere Dimension. Ich hoffe auch, dass man dadurch die Flüchtlinge besser verstehen kann, wenn man weiß, was es heißt, aus einer zerstörten Heimatstadt zu fliehen.

Quelle: Noizz.de