„Putin muss weg!“, denken viele. Einer besonders.

Alexej Nawalny will im nächsten Jahr russischer Präsident werden. Doch Wladimir Putin denkt nicht daran, vom Thron zu steigen. Seine handzahmen russischen Gerichte verurteilten Nawalny mehrfach zu Bewährungsstrafen. So darf der 41-Jährige nach Auslegung des Kreml gar nicht kandidieren.

Nawalny hingegen denkt nicht daran aufzugeben. Selbst die dreckigsten Tricks weiß er für sich zu nutzen und ist zu Putins Gegner Nr. 1 aufgestiegen. So trickst er dessen Störkampagne aus:

In seinem Wahlkampf kommt der Moskauer viel im Land rum. Überall können böse Überraschungen lauern. Als Nawalny im März nach Barnaul in Sibirien reiste, übergossen ihn Unbekannte mit einer eigentlich harmlosen Chemikalie, die ihm jedoch ordentlich „Farbe verlieh“.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Twitter
Um mit Inhalten aus Twitter und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Statt sich vor Kameras zu verstecken, schoss der Oppositionspolitiker mit grünem Gesicht kurzerhand ein Foto von sich und fragte auf Twitter: „Maske, Avatar, Shrek?“. Das Foto ging um die Welt , Memes machten die Runde – so hatten sich die Angreifer das sicher nicht vorgestellt.

Nawalnys Feinde wollten ihm das Lachen bei der nächsten Attacke aber austreiben und mischten ihm diesmal Säure hinzu. Nawalny erblindete auf einem Auge fast und musste operiert werden. Noch immer soll sich das Auge laut dem Oppositionspolitiker nicht vollständig erholt haben.

Wladimir Putin achtet penibel darauf, dass kaum etwas von seinem Privatleben in die Öffentlichkeit gelangt. Lange Zeit wusste man nicht einmal, wie seine Töchter aussehen und was sie beruflich machen.

Nawalny dagegen hat keine Probleme, mit seinen Kindern in der Öffentlichkeit aufzutreten. Wie man es aus dem amerikanischen Wahlkampf kennt, steht seine Frau Julia bei manchen Auftritten neben ihm auf der Bühne – das bringt ihm Sympathiepunkte.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Twitter
Um mit Inhalten aus Twitter und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Immer wieder werden Nawalnys Mitstreiter kurzzeitig in Haft genommen, weil sie angeblich Ordnungswidrigkeiten begingen. Auch er selbst wanderte in den letzten Monaten für mehrere Tage hinter Gitter.

Vor jeder größeren Demo packt Nawalny daher schon mal eine „Gefängnistasche“ mit Büchern für die Knastzeit. Hinterher verrät er die Titel und scherzt, dass ein paar Tage erzwungene Ruhe doch gar nicht so schlecht seien.

Denn er weiß: Jede Festnahme liefert der Presse Fotos, die um die Welt gehen und ihn nur bekannter machen. Je lässiger er damit umgeht, desto mehr Respekt verschafft ihm das.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Putin hat es in 17 Jahren an der Macht geschafft, die Presse größtenteils gleichzuschalten. Journalisten, die beim Fernsehen arbeiten, wissen: über Nawalny wird nicht berichtet. Harry-Potter-Schauspieler Daniel Radcliffe erwähnte ihn einmal im russischen TV, worauf der Moderator scherzte, Nawalny sei wie Voldemort, dessen Namen nicht genannt werden dürfe.

„Wenn die Fernsehsender nicht über mich berichten, dann gründe ich eben meinen eigenen Kanal“, dachte sich Nawalny, als er anfing, aufwendige YouTube-Videos zu produzieren. Seine Filme über korrupte Politiker schauen sich über 20 Millionen Menschen an. In seine Live-Sendungen kommen Prominente und Experten.

Wladimir Putin inszeniert sich als Vater der Nation, der über dem politischen Geschehen steht. Dass er sich auf Debatten mit seinen politischen Gegnern herablässt, ist ausgeschlossen.

Nawalny dagegen sieht in der direkten Konfrontation die Möglichkeit, seine Positionen darzulegen. Und manchmal geht er damit an die Grenze des moralisch Vertretbaren.

Im Juli stritt er eineinhalb Stunden mit Igor Strelkow, der für den Abschuss des Malaysian-Airlines-Passagierflugzeugs über der Ostukraine verantwortlich gemacht wird. Sollte man einem mutmaßlichen Massenmörder eine solche Plattform bieten? Die Russen stritten darüber, und hielten so seinen Namen im Gespräch: Das Video haben sich mehrere Millionen Menschen angeschaut.

Nawalnys Kampf gegen Wladimir Putins Regime ist der eines einfallsreichen Zwerges gegen einen schwerfälligen Riesen. Er ist spannend anzuschauen und hält die Hoffnung vieler, vor allem junger Menschen aufrecht, dass es doch eine Alternative in Russland gibt. Doch ob der Oppositionspolitiker seine Kandidatur erzwingen kann, ist unwahrscheinlich. Noch.

  • Quelle:
  • Noizz.de