Die Bevölkerung ist zutiefst verängstigt.

Timothy Eastman ist Fotograf, lebt in Brooklyn und ist 35 Jahre alt. Er lernte an der New Yorker „School of Visual Arts”.

Im August 2015 ist er für sieben Wochen durch die Ukraine gereist. Kontakt hat er vorher durch die sozialen Medien geknüpft. Mit seiner Serie hat er den LensCulture Emerging Talent Awards 2016 gewonnen.

NOIZZ: Wie schwierig war es, die Menschen dort zu fotografien? Und wie haben sie reagiert?

Timothy Eastman: Es war sehr schwierig, weil die meisten Leute nicht interviewt werden wollten. Und noch weniger wollten fotografiert werden.

Ich glaube, 95 Prozent der Menschen, die ich fotografieren wollte, haben Nein gesagt. Manche haben gesagt, sie hätten Angst, das Falsche in den Medien zu sagen und die Ukrainische Regierung zu verärgern und so Probleme zu bekommen.

Andere dachten, ich sei wahlweise ein russischer oder ein ukrainischer Geheim-Agent und würde ihre Aussagen zu Propaganda-Zwecken missbrauchen. Ich glaube, für viele dort ist die Angst allgegenwärtig durch den Krieg. Deshalb schweigen sie.

Zwei Männer reparieren eine Straße in Novoradivke Foto: timothyeastman.com

Warum bist du überhaupt dort hingefahren?

Tim: Weil mich die Situation interessiert hat. Dass da Menschen sind, die versuchen, inmitten des Krieges ein Leben zu führen.

Da ich weder Russisch noch Ukrainisch spreche, hatte ich die ganze Zeit jemanden dabei, der übersetzen konnte.

Was war der bewegendste Moment während deiner Reise?

Tim: Am schockierendsten war meine Begegnung mit dem 80 Jahre alten Alexander, der in Avdiivka lebt. Als er eines Tages in seinem Garten war, als eine Granate direkt neben ihm eingeschlagen ist.

Ein Splitter hat ihm seine Nase abgerissen und seine Gesichtshaut zerstört. Er musste sofort ins Krankenhaus, wo sie versucht haben zu retten, was sie konnten. Doch während er im Krankenhaus war, brachen Diebe in seine Wohnung ein und klauten alles, was er noch hatte.

Als ich ihn traf, lebte er in einer dreckigen Wohnung und konnte sich nicht mal mehr seine Medizin leisten. Er musste jeden Tag die Soldaten anbetteln, um wenigstens irgendetwas zu essen zu bekommen.

Ich habe gesehen, wie sehr ihn das alles mitgenommen hat und wie er drohte, unter der Last zusammenzubrechen. Er weinte offen, es war herzzerreißend.

Ein Regal im Dorf Gnutove Foto: timothyeastman.com
Eine Explosion in der Ukraine Foto: timothyeastman.com
Ein Mann versteckt sich im Keller Foto: timothyeastman.com
Zwei Kinder klammern sich aneinander fest Foto: timothyeastman.com
Eine kaputte Wassermelone liegt am Wegrand Foto: timothyeastman.com

Quelle: Noizz.de